Es war eine waghalsige Aktion: Das war auch den beiden Männern bewusst, die am Montagnachmittag mithilfe eines aufblasbaren Kajaks, eines Hammers und einer großen Portion Entschlossenheit zu einem Schwan paddelten, der in der Eisdecke des Landwehrkanals in Berlin-Neukölln eingefroren war. Ein Video der Tierrettungsaktion hatte hohe Wellen geschlagen, mehr als eine Million Mal ist es auf Instagram abgespielt worden. Wie es dem Tier, das die Feuerwehr Berlin nach der Rettung in eine Tierklinik gebracht hatte, ging, wussten die beiden Retter Kevin Brand und Cristofaro Salvato lange nicht. Doch inzwischen herrscht traurige Gewissheit.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Schon kurz nach Einlieferung ins Tierklinikum der Freien Universität Berlin sei der Schwan gestorben, sagt Kerstin Müller, die als Ärztin in der Abteilung für Kleinsäuger, Vögel und Reptilien arbeitet. Der Kadaver werde einer Untersuchung zugefügt. Die Nachricht über den Tod des Schwans hat die Retter getroffen. „Ich musste erst einmal weinen und war sehr traurig“, sagt Cristofaro Salvato gegenüber dieser Redaktion.
Berlin: Schwan im Landwehrkanal festgefroren – „Ich musste erst einmal weinen“
Brand und Salvato bereuen die gefährliche Rettungsaktion aber keineswegs. „Zumindest musste das Tier nicht stundenlang im Eis qualvoll leiden“, sagt Salvato. Und: „Einen Versuch war es wert.“ Wichtig sei den beiden Schwan-Ersthelfern nun, Aufmerksamkeit dafür zu schaffen, wie man Tiere vor Kälte und Eis schützen könne.
Auch interessant
Schwäne aus dem Eis retten? Das ist zu tun
Laut dem Naturschutzbund (NABU) kommt es selten vor, dass Enten oder Gänse auf zugefrorenen Gewässern festfrieren. Eigentlich sorgen fein verzweigte Adern in den Beinen und Füßen der Vögel dafür, dass ein Anfrieren nicht möglich ist. „Allerdings können bei lange anhaltendem Frost kranke oder verletzte, immobile Tiere im Eis einfrieren. Diese sind dann auf menschliche Hilfe angewiesen“, sagt Frederik Eggers, Artenschutzreferent des NABU Niedersachsen. In diesem Fall sind die Feuerwehr oder das Wildtiertelefon Berlin unter 030 5168 168 wichtige Anlaufstellen.
Im konkreten Fall haben Polizei und Feuerwehr von einem Rettungseinsatz abgesehen – aus mehreren Gründen. Generell rät die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) davon ab, sich bei Eisunfällen oder Notlagen selbst in Gefahr zu bringen, sondern die 112 zu rufen. „Unternimm eigene Rettungsversuche nur, wenn keine zusätzliche Gefahr entsteht“, heißt es vom DLRG.
Mehr aus dem Bezirk
- „Auf Rücken der Schwachen“: Obdachlosenunterkunft als Geschäftsmodell?
- „Katastrophe“: Was Merz‘ Abschiebepläne bei Syrern in Berlin auslösen
- Kirche will Haus in Neukölln verkaufen: „Handelt wie Immobilienkonzern“
- Neuköllner SPD kämpferisch: „Gemeinsam da wieder raus“
- Witterung und Schmerzen trotzen: „Rudern ist wunderbar ehrlich“
Wer Vögeln im Winter grundsätzlich etwas Gutes tun möchte, kann laut dem NABU etwa Nistkästen und Futterstellen mit artgerechter Nahrung bereitstellen. Empfohlen werden Sonnenblumenkerne, Fettfutter, Rosinen und Haferflocken – jedoch kein Salz und entgegen des landläufigen Glaubens auch kein Brot.






