Dramatische Szenen am Landwehrkanal. Unweit der Lohmühlenbrücke in Berlin-Neukölln haben Passanten am Montagnachmittag einem Tier in Not geholfen. Der Schwan war auf einer Eisschicht im Wasser festgefroren – selbst sein Schnabel war vereist. Doch die komplizierte Rettung mithilfe eines aufblasbaren Kajaks, eines Hammers und einer Thermosflasche mit heißem Wasser gelang. Dank zweier Berliner, die durch die Aktion mehr als nur Nachbarn wurden.

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Entdeckt hatte Schauspieler Kevin Brand das festgefrorene Tier am Montag gegen 11.30 Uhr, erzählt er im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Er sei gerade auf dem Weg zum Sport gewesen, als er die seltsamen Kopfbewegungen des Schwans bemerkt habe. Schnell sei ihm klar geworden: Das Tier ist in der Eisschicht eingefroren, die Teile des Landwehrkanals bedeckt.

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Also rief er die Feuerwehr. Zwar seien Beamte gekommen, hätten ihm aber gesagt, dass ein Einsatz nicht möglich wäre. Sie würden jedoch die Wasserschutzpolizei verständigen. So erzählt es Brand. Ein Sprecher der Feuerwehr teilte der Berliner Morgenpost im Nachgang mit, dass die Wasserschutzpolizei alarmiert werden musste, da aufgrund der schrägen Uferböschung ein gefahrloses Einsetzen eines Feuerwehrbootes nicht möglich gewesen sei. In dem Glauben, das Tier werde gerettet, ging der Ende-20-Jährige zum Sport. Kurz darauf rief die Wasserschutzpolizei bei ihm an, die ihm mitteilte, das Tier nicht befreien zu können.

Für Brand gab es keine Alternative: Der Schwan muss gerettet werden. Fest entschlossen ging er also zurück zur Lohmühlenbrücke – und traf seinen Mitstreiter. Cristofaro Salvato stand am Ufer. Der Florist und DJ hatte das Tier schon eine Weile beobachtet. „Ich wusste sofort, da stimmt etwas nicht“, sagt er der Morgenpost einen Tag nach dem Vorfall am Telefon. Die beiden besprachen sich kurz: Brand würde sein aufblasbares Kajak inklusive Paddel aus dem Keller holen, Salvato kümmerte sich um einen Hammer, eine Decke und eine Thermosflasche mit heißem Wasser. Keine 15 Minuten später trafen sie sich am selben Ort wieder, erzählen sie. Inzwischen hatten dort mehrere Menschen das Tier in Not entdeckt.

Kevin Brand (links) und Cristofaro Salvato haben am Montag gemeinsam einen Schwan aus dem Landwehrkanal gerettet – in einer waghalsigen Aktion.
Kevin Brand (links) und Cristofaro Salvato haben am Montag gemeinsam einen Schwan aus dem Landwehrkanal in Berlin gerettet – in einer waghalsigen Aktion.© privat | Privat

Berliner retten Schwan: „Er hat so lange gehämmert, bis seine Hände blutig waren“

Dann ging alles ganz schnell. Sie seien sofort zu einem Team geworden, sagen Brand und Salvato im Nachhinein. „Wir hatten eine Mission: das Tier zu retten“, sagt Brand, der im Sommer regelmäßig mit seinem Kajak auf dem Landwehrkanal unterwegs ist. Anders als im Sommer mussten die beiden Retter nach dem Einstieg ins Kajak erst einmal von Brands Partner über die Eisschicht auf den Kanal geschoben werden. Dann paddelten sie zu dem Tier.

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Schwan im Landwehrkanal festgefroren: Passanten retten ihn mit Kajak und Hammer

„Ich habe mit dem Hammer versucht, den Schwan freizuklopfen“, sagt Salvato. Und Brand fügt hinzu: „Er hat so lange gehämmert, bis seine Hände blutig waren.“ Der Anblick des Schwans sei „traurig“ gewesen, sagen die beiden. „Der Schnabel war ein Eisblock“, beschreibt Brand. Obwohl sie das Tier schließlich befreien konnten, bewegte es sich nicht vom Fleck. „Wahrscheinlich war es so geschwächt“, mutmaßt Brand. Also klemmte er sich den Schwan kurzerhand unter den Arm und lief über die dünne Eisdecke in Richtung Ufer.

Dort hatten sich schon mehrere Helfer eingefunden. Auch die Feuerwehr war schließlich vor Ort, nahm das Tier in Empfang und brachte es in eine Tierklinik. Salvato brach derweil bei dem Versuch, wie Brand über die Eisdecke zum Ufer zu gelangen, ins Wasser ein. Bis zum Bauchnabel steckte er im Wasser, sagt er. Doch schließlich konnte auch er ans Ufer robben und sich in seiner nahegelegenen Wohnung frische Kleidung anziehen. Trotz all der Strapazen sind die beiden Männer sich sicher: „Wir würden es jederzeit wieder tun.“

Schwanenrettung am Landwehrkanal: Warum die Berliner Polizei nicht eingriff

Wie es dem Tier mittlerweile geht, wissen die beiden nicht. Auch der Berliner Polizei ist dazu nichts bekannt. Polizeisprecher Florian Nath bestätigte gegenüber dieser Redaktion, es seien Einsatzkräfte wegen des Schwans alarmiert worden. Aus Sicherheitsgründen sei es aber nicht möglich gewesen, das Tier zu retten. „Aufgrund der grassierenden Vogelgrippe ist es den Einsatzkräften derzeit grundsätzlich untersagt, verendende Tiere anzufassen oder zu transportieren – das fällt alleine in die Verantwortlichkeit der Veterinärämter in Berlin, die für solche Einsatzlagen auf dem Wasser nicht adäquat ausgestattet sind“, teilte Naht mit.

Auch die Wasserschutzpolizei konnte laut Naht aufgrund der Witterung nicht ausrücken. Nur ein Eisrettungsanzug hätte genutzt werden können. Doch, so Nath: „Jeglicher Kontakt mit dem hier in Rede stehenden Schwan hätte unweigerlich zur Folge gehabt, dass der Eisrettungsanzug für Rettungslagen durch das Team vor Ort in dieser Zeit nicht mehr hätte eingesetzt werden können.“ Denn nach Kontakt mit verendenden Tieren hätte der Anzug unverzüglich dekontaminiert werden müssen. Man habe sich deshalb „zwar schweren Herzens, aber aus Verhältnismäßigkeitsgründen“ gegen einen Rettungseinsatz entschieden.

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Feuerwehr und Polizei warnen: Betreten der Eisflächen kann tödlich enden

So erfolgreich das Engagement der beiden Männer auch war, die Aktion hatte ein gewisses Risiko an sich. Zwar musste die Feuerwehr in den letzten Wochen nur zu zwei Einsätzen ausrücken, bei denen jemand ins Wasser eingebrochen war. Doch endete ein Einsatz tragisch: Eine Person konnte nur noch tot aus dem Biesdorfer Baggersee geborgen werden. Auch die Berliner Polizei warnte gegenüber dieser Redaktion vor dem Betreten der Eisflächen: „Gehen Sie niemals alleine, in der Dunkelheit oder bei schlechter Sicht auf das Eis!“

Für die Schwanenretter vom Landwehrkanal kam es nicht infrage, das Tier verenden zu lassen. „Ich hätte nicht einfach nach Hause gehen können“, sagt Brand. Die beiden Retter teilten am Montagabend auf Instagram ein zusammengeschnittenes Video ihrer waghalsigen Aktion – und erhielten viel Zuspruch. Mehrere Passanten hatten die beiden Männer bei der Rettung gefilmt und Brands Partner die Aufnahmen geschickt. Mehr als 55.000 Menschen haben den Beitrag auf Instagram mittlerweile mit einem Herzchen versehen, mehr als 720.000 Mal wurde das Video aufgerufen.

„Das war ein schöner Moment der Zivilcourage“, sagt Brand. Er habe abends „ganz beseelt“ einschlafen können. „Mir kamen vor dem Einschlafen ein paar Tränchen“, sagt Salvato. Und noch etwas Gutes habe die gemeinsame Rettungsaktion: Sie sei der Startschuss für eine ganz besondere Freundschaft. „So etwas schweißt zusammen“, sagen die beiden Nachbarn, die nur eine Straße voneinander entfernt wohnen. Brand und Salvato wollen so schnell wie möglich einen Kaffee trinken gehen. „Salvato heißt übrigens ‚Retter‘“, sagt der Mann Anfang 40 und lacht. „Ich nehme meinen Namen eben sehr ernst.“