Wetterbedingter Stillstand beendet: Der Flugbetrieb am Flughafen BER läuft seit Freitagmittag wieder, nachdem seit Donnerstagabend keine Flieger mehr wegen des Blitzeises starten oder landen konnten. Laut einer Sprecherin komme es „weiterhin zu massiven Verspätungen und Flugstreichungen“.

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Passagiere sollten regelmäßig ihren Flugstatus prüfen. Die Airlines entscheiden letztlich eigenständig, ob die Flüge durchgeführt oder gestrichen werden. Allerdings sagte die Sprecherin auch, wenn sich die Witterungsverhältnisse verschlechtern würden, könne der Flughafen wieder für Starts und Landungen geschlossen werden.

Winterwetter - Flughafen Berlin/Brandenburg
Eine Eurowings-Maschine wird am Freitagmittag am BER enteist.© Carsten Koall/dpa | Carsten Koall

Am Freitagmittag wurde eine erste Maschine vor dem Start enteist. „Die Enteisung dauert entsprechend den aktuellen Witterungsbedingungen bis zu einer Stunde und damit mehr als doppelt so lange wie üblich“, sagte eine Sprecherin. Gegen 13 Uhr startete das erste Flugzeug dann in Richtung Amsterdam.

Flughafen BER: Passagier-Stau an der Grenzkontrolle

Flughafen BER
Vor der Grenzkontrolle stauten sich am Freitagmittag Reisende.© Julian Würzer | Julian Würzer

An den Check-in-Schaltern kam es am Freitag zu langen Wartezeiten. Viele betroffene Passagiere äußerten sich frustriert über mangelnde Informationen seitens der Fluggesellschaften. Allein am Freitag wurden bis zum Nachmittag den Fluganzeigen zufolge mehr als 100 Flüge gestrichen. 

Vor den Passkontrollen war eine große Traube von Fluggästen zu sehen, auf den Treppen Bundespolizisten und Mitarbeiter von Feuerwehr sowie des BER. Sie ließen die Passagiere einzeln über die Treppe zu den Grenzkontrollen. Wie ein Sprecher der Bundespolizei auf Nachfrage sagte, seien die Beamten im Einsatz, um die Menschenströme zu lenken.

„Vor der Kontrolle wollten viele die Ersten sein, damit kein sicherheitsrelevanter Vorfall geschieht, sind die Bundespolizisten im Einsatz“, sagte der Sprecher. Es gehe darum, dass etwa keine Personen über Absperrungen klettern und alles in geregelten Bahnen verlaufe. Bislang sei das aber nur eine vorausschauende Maßnahme, zu Vorfällen sei es bislang nicht gekommen.

BER: Fluggäste warteten seit Freitagmorgen auf Betriebsbeginn

Bereits am Freitagmorgen waren wieder viele Fluggäste am Airport. Ein dpa-Reporter berichtete von vielen Menschen, die sich im Flughafengebäude aufhielten und auf ihre Flüge warteten. Räummaschinen waren auf dem Flugfeld im Einsatz. „Wir dachten ursprünglich, dass wir mit dem Betrieb starten können. Das war aber nicht möglich“, so die BER-Sprecherin gegen 7.30 Uhr. Der Winterdienst der Flughafengesellschaft hatte die Flugbetriebsflächen auch die gesamte Nacht über mit Enteisungsmittel behandelt, aber ohne Erfolg.

Die Homepage des BER war am Donnerstagvormittag wegen Wartungsarbeiten nicht
Die Homepage des BER war am Donnerstagvormittag wegen Wartungsarbeiten nicht © Screenshot

Ein weiteres Problem: Die Internetseite des Flughafens funktionierte zwischenzeitlich am Freitagvormittag nicht. Die mobilen Anwendungen gingen jedoch.

Auf dem Flightradar, der alle offiziellen Flugbewegungen mit kleinen, gelben Flugzeug-Icons abbildet, war am Vormittag in der Region nichts zu sehen. Dies liege daran, dass die meisten Flugzeuge auf dem Rollfeld ihre Systeme heruntergefahren haben, um Energie zu sparen, so die Flughafensprecherin weiter.

Schon am Donnerstag gab es viele Flugausfälle 

Schon im Laufe des Donnerstags hatte es am Flughafen BER eine Reihe von Problemen gegeben. Zunächst konnten am Morgen nach gefrierendem Regen keine Maschinen starten. Das Enteisen der Flugzeuge nahm jeweils bis zu einer Stunde Zeit in Anspruch. Der erste Flieger hob dann am späten Vormittag ab. 

Im Flugplan kam es anschließend zu erheblichen Verzögerungen und zahlreichen Ausfällen. Fluggäste mussten zum Teil lange Wartezeiten auf sich nehmen. Von den 180 geplanten Starts wurden der Sprecherin zufolge bis gegen Mittag bereits 35 komplett gestrichen und danach noch weitere mehrere Dutzend. Auf der Plattform X schrieben Betroffene, dass sie bei der Ankunft lange im Flieger ausharren mussten, bis sie übers Vorfeld geleitet werden konnten. Der Flughafen machte dazu zunächst keine Angaben.

Gewerkschaft kritisiert Ausmaß der Einschränkungen

Die Gewerkschaft Verdi hob hervor, die interne Krisenkommunikation mit den Beschäftigten habe funktioniert. Diese hätten im Kontakt mit den Passagieren „das Bestmögliche geleistet“. Gleichwohl kritisierte die Arbeitnehmervertretung das Ausmaß der Schließung am BER. Dieses sei vermeidbar gewesen. „Entscheidend ist dabei die unzureichende Vorbereitung und Resilienz“, teilte der Bundesfachgruppenleiter Luftverkehr und Maritime Wirtschaft, Dennis Dacke, mit. 

„Weltweit gibt es zahlreiche Flughäfen, die regelmäßig mit vergleichbaren Wetterlagen umgehen müssen, in Europa etwa in den skandinavischen Ländern“, betonte er. Technisch stünden dafür etablierte Verfahren zur Verfügung.

Experte erklärt, warum die Wettersituation so gefährlich ist

Jedoch ist nach Ansicht des Luftfahrtexperten Cord Schellenberg Eisregen ein hohes Sicherheitsrisiko. „Für Piloten sind eisglatte Pisten absolute Ausschlusskriterien. Da ist null Spielraum“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Da geht nichts und da rollt auch nichts.“

Wenn die Sicherheit bei Start und Landung nicht gewährleistet sei, müsse der Verkehr eingestellt werden, sagte Schellenberg. Das gelte auch für den Boden: „Denn wenn Flugzeuge nicht mehr rollen können, können auch die Betriebsfahrzeuge wie Busse, Technik- oder Rettungswagen nicht mehr auf dem Vorfeld fahren“. Der Flughafen sei dann insgesamt nicht mehr nutzbar.

„Das Unkontrollierbare von Glatteis gilt für alle, die sich auf dem Flughafen bewegen.“ Es gehe immer um den Schutz der Reisenden und der auf dem Flughafenvorfeld tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sagte der Hamburger Luftfahrtexperte. 

Bei Eisregen friere die Feuchtigkeit am Boden und auf den Flugzeugen derart schnell, dass ein sicherer Betrieb nicht möglich sei. Schnee lasse sich dagegen besser bearbeiten und mit Räumfahrzeugen wegschieben. Anschließend würden dann die Flughafenflächen und die Flugzeuge enteist, so dass der Verkehr auf dem Vorfeld und den Pisten wieder zügig aufgenommen werden könne. „Das ist eher winterliche Routine, während Eisregen die winterliche Herausforderung schlechthin ist.“

(mit dpa)