Der tragische Tod eines 17-Jährigen am U-Bahnhof Deutsche Oper in Berlin wirft ein Schlaglicht auf die unsichtbare Lebensgefahr, die im Gleisbett lauert. Der Jugendliche wollte seine E-Zigarette, die unter einen stehenden Zug der Linie U2 gefallen war, aufheben und erlitt dabei einen tödlichen Stromschlag. Er verstarb noch vor Ort. Warum die Gefahr im Gleisbereich von S- und U-Bahnhöfen so groß ist, zeigt ein detaillierter Blick auf die Stromversorgung.

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Wichtig zu wissen: Es gibt genau genommen zwei U-Bahnnetze in Berlin, ein älteres und ein neueres, wobei zwischen Klein- und Großprofil unterschieden wird. Die Linien U1 bis U4 und damit auch die Linie U2, unter deren Zug der Jugendliche am U-Bahnhof Deutsche Oper griff, gehören zum Kleinprofil. Diese U-Bahnen sind nicht nur kleiner und können weniger Fahrgäste transportieren, sie haben auch eine andere Stromversorgung im Vergleich zum Großprofil – und die ist besonders gefährlich.
Gefahr im Gleisbett: Stromschienen sind im Kleinprofil oben offen
Alle U-Bahn-Linien der BVG fahren zwar mit 750-Volt-Spannung, doch die Stromschienen haben in Klein- und Großprofil jeweils eine andere Bauform. Im Kleinprofil ist die Stromschiene oben offen, wie die BVG auf ihrer Internetseite erklärt. Sie wird also durch den Stromabnehmer am Zug von oben bestrichen. Einfach erklärt, bedeutet das: Da die Stromschiene oben offen sein muss, weil sonst schlichtweg kein Strom fließt, ist ein Schutz vor Berührungen kaum möglich. Es kann also schnell zu einem Stromschlag kommen. Beim Großprofil greifen die Stromabnehmer an den U-Bahnen von unten an die Stromschienen, sprich: Die Stromschiene ist oben geschlossen und die Gefahr eines versehentlichen Stromschlags geringer.
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Außerdem ist die Strompolarität bei den U-Bahn-Linien im Kleinprofil positiv. Auch das birgt Gefahren. So neigen positivere Entladungen dazu, sich deutlich energiereicher zu entladen. Die Korrosionsrate, also wie schnell Metallbauteile im Gleisbett und an U-Bahnen Schäden aufweisen, ist bei positiven Entladungen ebenfalls höher. Das Großprofil mit negativer Polarität hat demnach eine geringere Korrosionsrate.
Wie bei dem tödlichen Unfall am U-Bahnhof Deutsche Oper sind die Stromschienen im Gleisnetz durchgehend aktiv, auch wenn Züge nur abgestellt werden. Der Strom ist nicht nur erforderlich, damit die U-Bahnen Fahrgäste von A nach B in Berlin bringen, sondern auch um Betriebssysteme am Laufen zu halten. Das Betreten des Gleisbetts ist daher zu jedem Zeitpunkt lebensgefährlich.





