Ilona W. lässt sich gerne mit Politik-Prominenz ablichten. Auf Fotos ist die Vorständin eines Vereins, der sich für Völkerverständigung einsetzt, mit der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth oder mit der früheren Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, zu sehen. Doch die Deutsch-Ukrainerin scheint auch in anderer Hinsicht bestens vernetzt zu sein: W. soll Kontakte zur Russischen Botschaft in Berlin pflegen. Mehr noch: Die Bundesstaatsanwaltschaft wirft ihr vor, als russische Agentin tätig gewesen zu sein.

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Am Mittwoch wurde W. in Berlin festgenommen, am Donnerstag in Karlsruhe einem Haftrichter vorgeführt. Dieser vollstreckte den Haftbefehl gegen sie und entschied, sie in Untersuchungshaft unterzubringen, wie die Bundesstaatsanwaltschaft mitteilte. Am Donnerstag berichtete die dpa darüber hinaus, dass die Bundesregierung den russischen Botschafter einbestellt habe. Ihm sei mitgeteilt worden, dass ein in dem Fall ebenfalls Verdächtiger ausgewiesen worden sei, der „im Auftrag von Russland spioniert hat“, teilte das Auswärtige Amt am Donnerstag mit – laut „Spiegel“ der stellvertretende Militärattaché, der Kontaktmann von W.
Spionage: Ilona W. soll russischem Kontaktmann unter falschem Namen Zugang zu Events verschafft haben
Diese soll seit November 2023 Kontakte zur Russischen Botschaft in Berlin haben zwecks Informationsbeschaffung, wie es in einer Pressemitteilung am Mittwoch hieß. Die umtriebige Frau soll Informationen mit Bezug zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine gesammelt haben. Laut Bundesanwaltschaft habe sie ihren russischen Kontakt wissen lassen, wer die Teilnehmenden hochkarätiger politischer Veranstaltungen waren, und ihm berichtet, wo die Rüstungsindustrie Standorte betreibt und wo Drohnen getestet werden. Zudem habe sie über geplante Lieferungen von Drohnen an die Ukraine berichtet.
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Die umtriebige Ilona W. hat sich gemäß der Ermittler an ehemalige Mitarbeiter aus dem Bundesverteidigungsministerium gewendet, die sie persönlich kannte. Wie Mitko Müller, Sprecher des Bundesministeriums der Verteidigung, am Mittwoch in der Regierungspressekonferenz erklärte, handelt es sich um einen ehemaligen Stabsoffizier, der kürzlich in Pension gegangen ist – als der Verdacht bekannt wurde, sei er noch im Dienst gewesen –, und um einen Beamten des höheren Dienstes, der vor mehr als 15 Jahren die Bundeswehr verlassen hat. Beide hätten dienstliche Informationen preisgegeben und zu diesem Zweck ihre Kontakte zur Bundeswehr genutzt.

„Ob die ehemaligen Bundeswehrangehörigen dabei wissentlich Informationen an einen ausländischen Nachrichtendienst weitergegeben haben, ist Gegenstand der aktuell laufenden Ermittlungen“, so Müller weiter. Im Zuge des Zugriffs auf Ilona W. wurden auch Räumlichkeiten der beiden Beschuldigten im Landkreis Havelland (Brandenburg), im Landkreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) und in München durchsucht. Der Militärische Abschirmdienst und das Bundesamt für Verfassungsschutz haben der Mitteilung der Bundesanwaltschaft zufolge zum Erkenntnisgewinn beigetragen.
Ilona W. ist politisch gut vernetzt
Wer aber ist die mutmaßliche Spionin Ilona W.? Nach dpa-Informationen lebt sie seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland, hat in der Vergangenheit Sozialleistungen bezogen. Allerdings ist ihrem LinkedIn-Profil zu entnehmen, dass sie eine Marketing-Agentur betreibt. Ihrer Kundschaft bietet sie unter anderem, „Kontakte zu Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Politik“.
Seit rund neun Jahren engagiert sich W. darüber hinaus in einem Verein, der sich eigenen Angaben zufolge für die Völkerverständigung einsetzt. In der Selbstbeschreibung ist vom „Aufbau eines friedlichen und geeinten Europas“, von „Entspannungspolitik“ und von „Blockkonfrontation“ die Rede. W. ist als Vorständin des Verein sehr präsent, posiert etwa mit dem Vorsitzenden des Vereins Internationaler Club im Auswärtigen Amt.
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Weiterhin findet sich im Vorstand ihres Vereins Walter S., der als früherer Ressort-Direktor im Bundesverteidigungsministerium und als heutiger Berater eines Waffenherstellers beste Kontakte in die Politik und zur Bundeswehr pflegt. Außerdem sitzt im Kuratorium Winfried B., Vorstandsmitglied im Petersburger Dialog und stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes des Deutsch-Russischen Forums e.V.
Die Pressestelle des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof weist darauf hin, dass gegen Ilona W. und nicht gegen den Verein ermittelt wird. Dennoch sind die Verbindungen angesichts der Schwere der Vorwürfe pikant. Die Bundesanwaltschaft spricht von einem besonders schweren Fall geheimdienstlicher Tätigkeit. Diese kann laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren geahndet werden. Allerdings kommt es immer auf den Einzelfall, betonte eine Sprecherin. Am Ende entscheide das Gericht.







