In einem ehemaligen Gebäude der Hochschule der Freien Deutschen Jugend (FDJ) auf dem Bogensee-Areal in Wandlitz (Landkreis Barnim) ist am Mittwoch ein Feuer ausgebrochen. Noch am Donnerstag waren Einsatzkräfte der Feuerwehr mit den Löscharbeiten beschäftigt. Was bedeutet der Brand für die geplante Weiterentwicklung des historischen Geländes?

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Informationen eines Reporters von vor Ort zufolge wurde die Feuerwehr gegen 21 Uhr am Mittwochabend alarmiert, weil der Dachstuhl des Lektionsgebäudes in voller Ausdehnung brannte. Die Flammen hätten auch auf andere Teile des Hauses übergegriffen. Erst gegen 13 Uhr am nächsten Tag waren die Löscharbeiten beendet, wie ein Sprecher der Polizei am Donnerstag mitteilte. Die niedrigen Temperaturen hätten die Löschungsversuche erschwert.
Ermittlungen zur Brandursache: Wachmann will zwei flüchtende Personen gesehen haben
Die Gemeinde Wandlitz erklärte am Donnerstag, dass ersten Einschätzungen zufolge der große Saal, die Bühne sowie die ehemaligen Sprecherkabinen zerstört wurden. Rund 80 Kräfte der Wandlitzer Ortswehren seien im Einsatz gewesen. Unterstützung hätten sie von Feuerwehren aus den benachbarten Kommunen erhalten.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei kam bei dem Feuer niemand zu Schaden. Die Polizei habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und erste Zeugen identifizieren können. Laut des Reporters habe ein Wachmann Geräusche gehört und zwei Personen davonrennen sehen.

Auf dem Bogensee-Areal in einem Wald nordöstlich von Berlin hatte sich NS-Propagandaminister Joseph Goebbels ein Landhaus bauen lassen. Zu DDR-Zeiten gab es dort eine FDJ-Hochschule, nach der Wende ein Kongresszentrum. Seit dem Jahr 2000 ist das Areal ungenutzt und verfällt.
Bogensee-Gelände seit 25 Jahren in Wandlitz ungenutzt

Im vergangenen Herbst war bekannt geworden, dass das Land Berlin als Eigentümer das Gelände bis Ende 2027 an Wandlitz überträgt. Die Gemeinde kann Außenflächen und Gebäude auf der Liegenschaft demnach für Führungen, Besichtigungen und Veranstaltungen nutzen. Gleichzeitig erarbeitet sie mit finanzieller Hilfe des Bundes und des Landkreises Barnim derzeit eine Studie, in der es um neue Nutzungsperspektiven geht.
Berlin überlässt Wandlitz das gut 16 Hektar große Gelände unentgeltlich. Die derzeitigen Bewirtschaftungskosten von 200.000 Euro pro Jahr trägt weiterhin Berlin. Im Gegenzug verpflichtet sich Wandlitz, die Bewirtschaftung des Areals zu übernehmen und gegebenenfalls neue Verträge mit Versorgern und Dienstleistern abzuschließen.
Bogensee-Areal: Rundgang in der NS-Villa – die Bilder
Die temporäre Nutzungsübertragung dürfte für alle Beteiligten eine Win-win-Situation sein – auch wenn die große Zukunftsidee noch fehlt. Der Landkreis Barnim und die Gemeinde Wandlitz plädieren schon lange für eine neue Nutzung des historischen Geländes.
Das Land Berlin hingegen macht schon länger deutlich, dass es dafür kein Geld hat – die Rede ist von einem Investitionsbedarf von rund 300 Millionen Euro. Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU) hatte im Mai 2024 sogar gesagt, er würde die Liegenschaft notfalls verschenken – gemeint war, an den Bund, das Land Brandenburg oder die Gemeinde.
Bürgermeister von Wandlitz sieht im Brand einen Wendepunkt
„Der Brand ist ein tiefer Einschnitt – für unsere Gemeinde und für alle, die sich seit rund zwei Jahren so intensiv für ein tragfähiges Zukunftsmodell dieses Ortes einsetzen“, erklärte Oliver Borchert, Bürgermeister von Wandlitz. „Das Areal steht sinnbildlich für ein schwieriges Kapitel deutscher Geschichte, aber auch für die Chance, Erinnerung, Bildung und gesellschaftliche Auseinandersetzung miteinander zu verbinden. Diese Chance ist durch das heutige Ereignis nicht beendet.“
Der Großbrand bedeute nicht das Ende der Planungen, jedoch einen Wendepunkt. „Wir müssen nun gemeinsam mit allen Beteiligten, besonders mit dem Land Berlin, neu bewerten, wie sich die bereits angestoßenen Planungen anpassen lassen“, so Borchert. „Jetzt geht es darum, mit kühlem Kopf zu entscheiden, wie wir weiter vorgehen. Diese Verantwortung nehmen wir als Gemeinde sehr ernst. Sobald gesicherte Erkenntnisse zum Schadensumfang und zur Brandursache vorliegen, wird die Gemeinde Wandlitz die Öffentlichkeit informieren.“
Ähnlich äußerte sich Birgit Möhring, Geschäftsführerin der landeseigenen BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH. „Als Vertreterin des Eigentümers Land Berlin stehen wir in engem Austausch mit der Gemeinde Wandlitz und unterstützen die laufenden Untersuchungen von Polizei und Feuerwehr zur Klärung der Brandursache“, heißt es in einer am Donnerstagmorgen versendeten Stellungnahme. „Parallel dazu prüfen wir gemeinsam die nächsten Schritte zur Sicherung des betroffenen Gebäudes.“
(mit dpa)












