Unser Redakteur Jörg Krauthöfer teilt wöchentlich seine besten Wandertipps für Berlin und Brandenburg. Ob entspannte Kiezspaziergänge, versteckte Pfade durch idyllische Parklandschaften, gemütliche Runden für die ganze Familie oder längere Streckenwanderungen – Jörg hat für jeden etwas Passendes dabei. Heute geht es vom Bahnhof Wandlitz erst zur Waldsiedlung Wandlitz, in der die höchsten Funktionäre der DDR, darunter Erich Honecker, Egon Krenz oder Walter Ulbricht, lebten und dann zum glasklaren Liepnitzsee.

infos zur Wanderstrecke

  • Start: Bahnhof Wandlitz
  • Ziel: Bahnhof Wandlitzsee
  • Distanz: 8,57 Kilometer
  • Wegbeschaffenheit: Asphalt, Forstwege,, Waldwege
  • Höhenmeter: 40 m ⬆️ 40 m ⬇️
  • Leichte Wanderung

Wandern in Brandenburg - Heidekrautbahn und Waldsiedlung

Wir starten mit der Heidekrautbahn von Karow nach Wandlitz. Sie ist die Lebensader der Region und verbindet Berlin seit mehr als 100 Jahren mit dem Barnim. Ursprünglich war der Startpunkt der Strecke der Bahnhof Wilhelmsruh. Mit dem Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 wurde diese Teilstrecke jedoch gekappt. Heute beginnt und endet die Heidekrautbahn am Bahnhof Berlin-Karow. Im Stundentakt tuckern die Dieseltriebwagen dann gemächlich in Richtung Norden. Die Bezeichnung „Heidekrautbahn“ beruht darauf, dass viele Berliner die Bahn für Ausflüge in die Schorfheide nutzten. Der Endpunkt der Strecke, die Ortschaft Groß Schönebeck, gilt als Tor zur Schorfheide.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Mit der Heidekrautbahn geht es bis um Bahnhof Wandlitz und dann weiter per Pedes in Richtung Waldsiedlung.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Unsere Wanderung beginnt am Bahnhof Wandlitz und führt uns zunächst über die Bahngleise nach rechts in die Sieglindestraße. An schmucken Einfamilienhäusern geht es geradeaus bis zum Waldrand, dann kurz nach rechts in die Straße An der Kehlheide, und bereits nach wenigen Metern folgen wir einem unscheinbaren Weg wieder nach rechts in Richtung Bundesstraße 273. Diese überqueren wir und wandern weiter den schmalen Waldpfad hinein in den Naturpark Barnim.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Lost Place im Buchenwald. Die Überreste der einstigen Sperrmauer rund um die Waldsiedlung Wandlitz sind auch heute noch im Wald zu sehen.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

An der Lanker Straße geht es für einhundert Meter nach rechts, und an der nächsten Kreuzung biegen wir nach links in die Märkische Allee ab. Die legendäre Waldsiedlung Wandlitz, einst der abgeschottete Wohnort der führenden Funktionäre der DDR-Partei- und Staatsführung von 1958 bis 1989, ist erreicht. Das Areal war von der Staatssicherheit hermetisch abgeriegelt und symbolisierte die Privilegien der SED-Elite. Die Waldsiedlung war eines der bestgesicherten Geheimnisse der DDR und auf keiner offiziellen Landkarte verzeichnet. Heute ist die ehemalige Waldsiedlung für die Öffentlichkeit zugänglich, beherbergt eine Klinik und ein Museum, und Teile stehen unter Denkmalschutz.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Eine Informationstafel vor dem Wohnhaus von Margot und Erich Honecker erzählt die Geschichte der einstigen Bewohner.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Vor den Wohnhäusern erzählen Informationstafeln über die ehemaligen Bewohner der Siedlung und das Leben in dieser einstigen Enklave. Kurios: Obwohl die Siedlung aufgrund ihrer Nähe zu Wandlitz als „Waldsiedlung Wandlitz“ bekannt wurde, blieb sie administrativ immer ein Ortsteil von Bernau.

Glasklarer Liepnitzsee

Wir wandern weiter, überqueren wieder die Bundesstraße und folgen jetzt dem Bernauer Waldlehrpfad bis zu den Ufern des Liepnitzsees. Für viele Menschen zählt er zu den schönsten Seen in Brandenburg und gilt als einer der saubersten Seen in der Region. Je nach Sonnenschein leuchtet das Wasser von tiefblau über türkis bis hin zu dunklem Grün. Sein Name leitet sich vom slawischen Wort „Lipna“ ab, was so viel wie „Linde“ bedeutet.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Glasklares Wasser und eine frische Brise Waldluft laden zum Entspannen und Erholen am Liepnitzsee ein.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Der Wald und auch der Uferbereich sind für seine mächtigen Buchen und Linden bekannt. Die Insel in der Seemitte ist übrigens seit 1914 Eigentum der Stadt Berlin. Der damalige Kaufpreis für das 34 Hektar große Eiland lag bei 20.000 Goldmark. Seit 1920 gibt es auch einen Campingplatz, und weil die Insel autofrei ist, schippern die Campinggäste mit einer Fähre über den großen Teich.

Regenbogensee und Drei Heilige Pfühle

Wir bleiben auf dem Naturlehrpfad, passieren den Sandstrand am Westufer des Liepnitzsees, kommen am Waldbad Liepnitzsee vorbei und folgen dem Hauptweg nach Norden. Rechts liegt der Regenbogensee, dessen Name sich vermutlich von der Farbenpracht der Gräser, Sträucher und Bäume unterschiedlichster Gattungen ableitet. Diese säumen das breite, morastige Ufer und spiegeln sich zusammen mit dem Blau des Himmels auf der glatten Wasseroberfläche wider.

Das Zusammenspiel ergibt dann die Grundfarben eines Regenbogens. Während es am Liepnitzsee oft hektisch und etwas lauter zugeht, vor allem wegen der vielen Menschen, herrscht hier an dem kleineren Angelgewässer himmlische Ruhe. Man hört eigentlich nur das Zwitschern der Vögel und je nach Jahreszeit auch das Summen der Mücken.

Wir folgen jetzt in Richtung Nordosten dem kleinen Waldweg durch ein Moor und laufen an der nächsten großen Kreuzung weiter geradeaus zu einem der Seen mit dem Namen „Drei Heiligen Pfühle“. Der Sage nach lebte vor langer Zeit in den Wäldern rund um Wandlitz ein Riese. Den störte allerdings das allmorgendliche Gebimmel der Kirchenglocken. Wütend, weil er nicht schlafen konnte, stürmte der Riese mit drei großen Schritten in Richtung Wandlitzsee.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Der Naturpark Barnim ist ein hervorragendes Wandergebiet. Mächtige Buchen und Linden säumen die Wanderwege rund um Wandlitz.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Aus diesen drei Schritten entstand der Liepnitzsee mit der Insel. In seiner Hand hielt der Riese einen großen Stein, den er in Richtung Kirchturm schleuderte, traf jedoch nur den Wandlitzsee. Der Stein fiel ins Wasser. Drei Tropfen Seewasser wirbelten durch die Luft und fielen in den Wald. So entstanden die „Drei Heiligen Pfühle“ am Ortsrand von Wandlitz.

Wir erreichen die Ortschaft Wandlitz und laufen über die Straßen An den Pfühlen und An der Bogenheide bis zur Kreuzung Ruhlsdorfer Straße. Wir folgen dieser Richtung Südwesten und erreichen am Bahnhof Wandlitzsee den Endpunkt unserer Wanderung.