Der Pfleger wusste sich zu helfen. Mit Schneeball-Würfen an die Fenster versuchte der Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes, sich bei seinen Patienten bemerkbar zu machen. Denn die Telefone waren so tot wie die Klingeln, als am Morgen des 3. Januar der Strom ausgefallen war. Alle Pflegedürftigen auf seiner Tour konnte der Pfleger jedoch nicht aufsuchen, mit Schneebällen erreicht man kaum Menschen im achten Stock. Wen er und seine Kollegen antrafen, der bekam neben der üblichen Betreuung auch noch heißes Wasser für Tee oder Kaffee mitgebracht.

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Die Schilderung der Pflegekraft verlas deren Chefin Katharina Bauermeister vom Pflegedienst Renafan, der 130 Menschen im Blackout-Gebiet betreut, am Montag im Gesundheits- und Pflegeausschuss des Abgeordnetenhauses. Die Volksvertreter hatten Praktiker geladen, um Lehren aus dem Blackout zu ziehen. Denn die Sorge, hilfsbedürftige Menschen in kalten Wohnungen vergessen zu haben, lag den Verantwortlichen auf der Seele, bis der Strom wiederkam.

Die Lage war widrig, aber alle Menschen konnten versorgt werden

„Die Lage war widrig“, sagte die Pflegedienstleiterin, „die Systeme liefen nicht, wir konnten uns nicht abstimmen.“ Für Senioren sei es aber „eine Katastrophe“ gewesen, manche fühlten sich ans Kriegsende erinnert. Viele ihrer Klienten seien selbstständig oder mit der Hilfe von Angehörigen in Hotels oder zur Familie ausgewichen. Am Ende sei es gelungen, alle alten Menschen auch in der Krise zu versorgen, sagte Bauermeister.

Die Betreiber des Pflegeheims in den Grüber-Häusern am Teltower Damm, das evangelische Diakonissenhaus, berichtete auch über Probleme. Man habe die Lage der 70 Bewohner gut kontrolliert, die Menschen seien auch durch aus dem Wochenende gekommene Pflegekräfte warm verpackt und begleitet worden. Aber die Heizung und die Hebeanlage liefen nicht mehr. Man habe Kontakt zu Feuerwehr und Leitstelle aufgenommen, berichtete Pfarrer Matthias Blume, Vorstand des Trägers.

Pflegeheimbetreiber wünscht sich einen Krisenlotsen

Dann habe man die Notrufnummer 112 gewählt. Fünfmal seien Feuerwehrleute zur Erkundung ins Haus gekommen, hätten die immer gleichen Daten abgefragt und weitergegeben. „Das erzeugt Stress im System“, so Blume. Lange war deshalb unklar, ob und wann Notstrom kommen würde. Deshalb habe man immer auch an Evakuierungsplänen gearbeitet. Als dann das THW vor Ort gewesen sei, habe alles„tippi-toppi“ funktioniert, sagte Blume.

Er bemängelte, dass es auch bei einem persönlichen Besuch beim Krisenstab des Bezirks sich widersprechende Informationen gegeben habe. Hilfreich wäre ein Lotse, den man als Einrichtung anrufen könne, der informiert sei, um nicht stets wieder die Notrufnummern blockieren zu müssen.

Grüne fordern Notfallregister, in dem alle Hilfsbedürftigen aufgelistet werden

Michael Blümchen, der die Altenpflege beim Diakonissenhaus leitet, benannte ein weiteres Problem: Man habe selbst kleine Notstromaggregate, aber es fehlte eine auch ohne Elektriker leistbare Möglichkeit, Notstrom an die Problempunkte Heizung und Hebeanlage anzuschließen.

Die Grünen erneuerten ihre Forderung nach einem zentralen Register für hilfsbedürftige Menschen. Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) sagte, sie wünsche sich auch so ein Notfallregister, um zu wissen, wo die Menschen sind. Bisher gebe es dafür nicht die rechtlichen Grundlagen: „Wir wünschen uns, dass diese geschaffen werden“, sagte Czyborra.