Die Grüne Woche, weltgrößte Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau, wird 100 Jahre alt. Grund genug, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Eröffnungsrede hält. Darin äußerte er sich zu Themen wie Hunger, Umweltschutz und Klimawandel: „Bei der Frage, wer genug zu essen hat und wie Nahrungsmittel angebaut, verarbeitet und gehandelt werden, geht es immer auch um Gerechtigkeit, um Sicherheit und Macht, um den Zugang, aber auch um den Schutz von Ressourcen wie Boden und Luft, vor allem Wasser!“ Steinmeier erklärte: „Sie alle wissen, dass internationale Zusammenarbeit in jüngster Zeit nicht einfacher geworden ist. Umso wichtiger ist, dass wir Europäer auch in Zukunft stark und geeint auftreten und die Zusammenarbeit in der Landwirtschaft auch im internationalen Rahmen aktiv mitgestalten.“ Er rief auch dazu auf, „alles dafür zu tun, dramatischere Folgen zu vermeiden und die Dynamik des Klimawandels zu reduzieren“.

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Am Tag zuvor war es auf der Pressekonferenz zum Start der Messe laut geworden. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, nutzte die Bühne, um die Landwirtschaftspolitik des Bundes und der EU zu kritisieren. Die Marktlage sei schwierig, Züchter bekämen laut Rukwied für Schweine nur noch 1,45 Euro pro Kilogramm, der Markt für Kartoffeln und Zucker sei unter Druck, ebenso die Weinbranche. Man wolle mehr Tierwohl in die Ställe bringen, die Tierhalter seien bereit dazu. Ernährungssicherheit brauche eine starke, heimische Landwirtschaft.

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Kritik kommt von Tierschützern wie Peta

Die Grüne Woche bezeichnete er als „das Davos der Landwirtschaft“. In Davos findet jedes Jahr das Weltwirtschaftsforum statt. „Ich freue mich auf spannende Tage und Gespräche“, sagte Rukwied, er sei „stolz auf die Erfolgsgeschichte der Landwirtschaft“.

„Was auf der Grünen Woche als Zukunft der Landwirtschaft präsentiert wird, steht im Widerspruch zur Realität: Anbindehaltung, enge Ställe, Qualzuchten und das systematische Ignorieren wissenschaftlich belegter Tierbedürfnisse“, kritisierte dagegen die Tierschutzorganisation Peta.

Parallel zur Grünen Woche findet traditionell die Demonstration „Wir haben es satt“ in Berlin statt. Ein Bündnis aus 60 Organisationen von Landwirtschaft und Zivilgesellschaft geht am kommenden Samstag auf die Straße. Es demonstriert „für eine bäuerliche, umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft“ und kritisiert die schwarz-rote Bundesregierung, die laut dem Bündnis „einen agrarpolitischen Rückschritt nach dem anderen beschließt“. Auch die Tierhalle, die dieses Jahr wieder auf der Messe zu sehen ist, wird von Tierschützern kritisiert.

Demonstration des Bündnisses «Wir haben es satt»
Parallel zur Grünen Woche findet jedes Jahr die Demonstration des Bündnisses „Wir haben es satt“ in Berlin statt (Archivbild).© DPA Images | Carsten Koall

Stundenlohn in Deutschland doppelt so hoch wie in Polen

Laut dem Bauernverband leiden die Landwirte unter massiven Kostensprüngen, besonders bei den Lohnkosten. „In Deutschland sind wir bei 15 Euro Stundenlohn, in Polen sind es sieben, in Spanien acht“, erklärte Ruckwied. Die Bundesregierung forderte er auf, endlich den Politikwechsel auf den Weg zu bringen.

Wir verlieren Arbeitsplätze, wenn die Erbschaftsteuer kommt. Die Politik darf uns nicht ausbremsen.

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands

Zu den Plänen der EU-Kommission, die Landwirtschaftssubventionen zu deckeln, erklärte der Bauernpräsident, dies seien keine Subventionen, den Bauern entstünden durch hohe Auflagen deutlich höhere Kosten. Er fordere von Brüssel „keine Degression oder Deckelung“.

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Der Dialog mit der Bundespolitik sei „lange nicht möglich gewesen“

Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, erklärte, der Dialog mit der Bundesregierung sei „lange nicht möglich gewesen“. Jetzt sei er deutlich besser geworden. Rund ein Drittel der landwirtschaftlichen Waren, die heute erzeugt werden, geht in den Export. Die Branche habe 2025 rund 241,8 Milliarden Euro Umsatz gemacht, ein Wachstum um 3,9 Prozent. „Damit sind wir der drittgrößte Industriezweig im Land, nach der Auto- und Maschinenbauindustrie“, so Minhoff. Die Branche habe 660.000 Beschäftigte und wachse weiter.

Die Stimmung sei, trotz schwieriger Marktlage, positiv. Allerdings sagt auch fast die Hälfte der Befragten einer Umfrage, der Standort Deutschland habe sich verschlechtert, und nennt Bürokratie, Berichtspflichten und Steuerbelastungen als Beispiele. Von der Politik verlangte Minhoff, der Landwirtschaft „keine Knüppel zwischen die Beine zu werfen.“

„Abenteuerliche Idee“: Erbschaftsteuer führt zu höherer Belastung der Bauern

„Abenteuerliche Ideen“, wie die Reform der Erbschaftsteuer, die die SPD vorschlägt, führten zu einer höheren Belastung der Landwirte, die Betriebe vererben wollen, so Minhoff. „Wir verlieren Arbeitsplätze, wenn die Erbschaftsteuer kommt“, erklärte auch Bauernpräsident Rukwied. „Die Politik darf uns nicht ausbremsen.“

Der Zuckersteuer, die Schleswig-Holstein vorgeschlagen hat, erteilte Minhoff eine Absage. Lebensmittel sind im internationalen Vergleich in Deutschland „gut und günstig“, eine Preisüberwachung durch die Politik überflüssig. Die Grüne Woche habe in 100 Jahren nichts an Attraktivität verloren, sie bilde jedes Jahr „einen politischen Auftakt“.

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Grüne Woche als „großes politisches Forum“

Auch für Mario Tobias, den CEO der Grünen Woche, ist die Messe im hundertsten Jahr ein „großes, politisches Forum“, besonders das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) mit rund 80 Landwirtschaftsministerinnen und -ministern aus aller Welt.

Dieses Jahr werden mehr als 1600 Aussteller aus über 50 Ländern erwartet, auf etwas mehr Fläche als im Vorjahr. Partnerland ist Mecklenburg-Vorpommern.

Die Grüne Woche 2026

Vom 16. bis 25. Januar, Messe Berlin, Messedamm 22,
geöffnet von 10 bis 18 Uhr, am 23. Januar von 10 bis 20 Uhr.
Eintritt ab 17 Euro (Tageskarte). Online unter www.gruenewoche.de .