Wer hat wohl am meisten Spaß beim Toben im Schnee? So ganz klar ist das nicht. Drei schwarz-weiße Riesenbälle kugeln sich den Hang hinunter, rangeln, raufen, balgen. Es ist die perfekte Jahreszeit für die Großen Pandas im Zoo: Schnee und Kälte, fast wie in den Bergregionen Chinas, wo sie noch in freier Wildbahn leben. Mindestens so viel Vergnügen wie Panda-Mutter Meng Meng mit ihrem Nachwuchs Lotti und Leni haben auch die Besucher. Das Schneespektakel bietet beste Unterhaltung.

Die Jungtiere sind schwer zu unterscheiden
Nur wenn es darum geht, die drei Tiere zu unterscheiden, hört der Spaß auf. Die Zwillinge Leni und Lotti sind mittlerweile 17 Monate alt und wiegen schon mehr als 30 Kilogramm. Zwar bringt ihre Mutter etwa 80 Kilo auf die Waage, aber muss man schon genau hinschauen, um sie auseinanderhalten zu können, gerade wenn sie sitzen und Bambus fressen. Was sie meistens tun, wenn sie nicht gerade schlafen oder spielen.

Der Nachwuchs ist nun groß genug, um im Innengehege klettern zu können. Zum Schutz der beiden Panda-Mädchen waren die Holzgerüste abgebaut worden. Es bestand die Gefahr, dass sie mit ihren kleinen Pfoten zwischen zwei Balken geraten oder von oben abstürzen. Jetzt sind die zwei auf dem Weg, Teenager zu werden.
Die Zwillinge werden jetzt wie die erwachsenen Tiere gewogen
Das zeige sich zum einen, dass sie beim Wiegen nicht mehr in einen Bottich gesetzt werden müssen, sondern wie die erwachsenen Tiere allein auf die Waage gehen, erklärt Säugetier-Kurator Florian Sicks. Und zum anderen, dass sie agiler werden. Beide trinken zwar noch Milch, fressen aber auch schon feste Nahrung. Sie sitzen dann schon wie die Alten da, mit dem Bambus auf dem Bauch.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Nur nicht langweilen, das gilt ebenfalls für Tier-Teenager. Deshalb wurden die Klettergerüste wieder aufgebaut. Leni und Lotti wissen die Abwechslung zu schätzen. Das Holzplateau wurde sofort getestet, sich an einem Pfosten abzuseilen, klappt schon ganz gut.

Die Geburt von Leni und Lotti am 22. August 2024 im Zoo wurde vielleicht nicht mehr als große Sensation gefeiert wie bei den Bärenbrüdern Pit und Paule, die 2019 der erste Große-Panda-Nachwuchs in Deutschland waren. Aber ein Wunder war es trotzdem wieder. Mit nicht einmal 200 Gramm, 15 Zentimeter groß, rosa, nackt, taub und blind kamen sie auf die Welt. Meng Meng zeigte sofort wieder all ihre Bärenlieben und kümmerte sich rührend um den Nachwuchs.
Der Nachwuchs war schon mit einigen Wochen zu sehen
Wie schon bei Pit und Paule waren wieder Expertinnen aus China angereist, die die Tierpfleger mit ihrem Fachwissen aus der Panda-Station in Chengdu unterstützten. Weil das Aufwachsen von Leni und Lotti wie aus dem Lehrbuch verlief, gab es diesmal aber eine Neuerung für die Besucher: Sie konnten den Nachwuchs schon nach ein paar Wochen sehen. Bei Pit und Paule mussten sie nicht nur darauf warten, dass die Corona-Pandemie vorbei war, sondern dass sie sicher ihrer Mutter nachlaufen konnten.

Das war diesmal anders. Zoodirektor Andreas Knierim wollte, dass die Gäste von Anfang an die beiden Panda-Babys sehen und erleben können. Ab Oktober 2024 wurde dafür das Bettchen mit jeweils einem Jungtier für eine Stunde in das Innengehe geschoben, das andere blieb bei der Mutter. Meistens verschliefen Leni und Lotti ihren großen Auftritt. Was für nicht weniger Entzücken bei den Tausenden Besuchern sorgte, die teilweise extra angereist waren.
Auch interessant
Während Pit und Paule relativ leicht an ihren unterschiedlichen Schnauzen zu erkennen waren, ist es bei Leni und Lotti nicht so offensichtlich. „Leni hat einen schwarzen Strich von der Nase zum linken Auge“, erläutert Kurator Sicks ein Erkennungsmerkmal. Aber auch im Wesen würden sie sich unterscheiden. Leni beschreibt er als die Gemäßigtere, die leichter zu händeln ist. So zeige sie sich zum Beispiel beim medizinischen Training ausgesprochen kooperativ.

Dabei lernen die Tiere, kleine Untersuchungen über sich ergehen zu lassen. So können sie die Pfote für die Blutabnahmen geben, den Bauch für den Ultraschall zeigen oder das Maul für die Zahnkontrolle öffnen. Das alles klappt nach dem Training, bei dem es zur Belohnung zum Beispiel kleine Stückchen von Süßkartoffeln gibt. Das perfekte Bärenleckerli.
Lotti ist im Gegensatz zu Leni viel wilder. Sie ist gern draußen und hat eine kleine Sensation vollbracht: Nach fast neun Jahren, in denen nun wieder Große Pandas im Zoo leben, hat sie als erste die Außenanlage bis in den letzten hinteren Winkel erkundet. Bislang hatten sich alle Tiere nur im vorderen Bereich aufgehalten, zumeist aus Trägheit oder auch nur, um sich nicht zu weit von der Futterbasis zu entfernen.
Auch interessant
Noch sind Meng Meng und ihr Nachwuchs ein Superteam. Den besten Beweis dafür liefert das Spiel im Schnee. Da hat die Mutter für Sekunden ihre „Aufpasserfunktion“ vergessen und ist mit Leni und Lotti eins. Einfach nur ein ausgelassener Bär. Pit und Paule mussten mit zwei Jahren von der Mutter getrennt werden. „Hier sind wir noch weit entfernt davon, so harmonisch, wie es läuft,“ meint Sicks. Das könnte sich aber auch jeden Tag ändern.
Auch Leni und Lotti werden nach China zurückkehren
Normalerweise gehen die Jungtiere zwischen dem zweiten und dem dritten Lebensjahr ihre eigenen Wege. Das ist der Zeitpunkt für Leni und Lotti, nach China zurückzukehren. Große Pandas sind immer Leihgaben, so auch die Elterntiere Meng Meng und Jiao Qing. Der Nachwuchs gehört somit China, wo das Zuchtprogramm koordiniert wird.
Pit und Paule sind aufgrund der Corona-Pandemie erst mit vier Jahren gegangen. Zwei Jahre lang wurden sie im Zoo getrennt von ihrer Mutter gehalten. Anfangs haben sie in China noch zusammengelebt, dann sind sie Einzelgänger geworden. Heute sind sie in verschiedenen Gehegen in Chengdu zu sehen, wo es neben der Forschungseinrichtung auch einen öffentlichen Panda-Park gibt.
Florian Sicks schätzt, dass Leni und Lotti bis Mitte 2027 noch im Zoo zu sehen sein werden. Aber dann heißt es auch für sie, Abschied von Berlin zu nehmen: „Für vier Große Pandas haben wir keinen Platz“, so Sicks. Ob es ein drittes Panda-Jungtierpaar gibt? Das kann noch keiner sagen.







