Berlin verändert sich: Lange Jahre konnten die Bewohner der Hauptstadt den Vorteil zweier innerstädtischer Flughafen genießen. Doch damit ist spätestens seit der vollen Inbetriebnahme des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) Schluss. Im November 2020 gab es den letzten Linienflug aus Tegel (TXL) und bereits zwölf Jahre wurde der Betrieb in Tempelhof eingestellt. Bislang tut sich auf diesen großen Flächen wenig: Das Tempelhofer Feld ist zur Party- und Eventlocation sowie zu einem beliebten Naherholungsgebiet geworden. Und in Tegel wurden zuletzt noch militärische Liegenschaften für Helikopterflüge genutzt.

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Große Pläne gibt es zwar. In Tegel (rund 500 Hektar) soll ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien, genannt Urban Tech Republic, ein Wohnviertel mit über 5000 Wohnungen und Platz für etwa 10.000 Bewohner sowie ein Landschaftspark entstehen. Ähnliche Überlegungen gibt es auch in Tempelhof (ca 380 Hektar), wo das ursprüngliche Flughafengebäude umfassend saniert werden und möglicherweise zu einem Kongresszentrum umgebaut werden soll. Doch schaut man nach Kanada, könnte man glatt neidisch werden.
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Riesiges Projekt in Kanada: Neues Stadtviertel auf ehemaligem Flughafen Downsview geplant
In Toronto etwa wurde 2024 der Flughafen Downsview endgültig geschlossen. Schon im kommenden Jahr sollen hier aber die Arbeiten für ein groß angelegtes Projekt starten: Auf dem 150 Hektar großen Areal wird ein komplett neues Stadtviertel entstehen. Es ist damit also nicht mal halb so groß wie die geschlossenen Airports in Berlin und soll dennoch Platz für rund 50.000 Einwohner bieten und dabei noch ganze 30 Hektar Grün- und Freifläche beinhalten. Wie CNN berichtet, handelt es sich bei dem nach dem alten Flughafenkürzel „YZD“ benannten Quartier um das größte Stadtentwicklungsprojekt in Nordamerika.
Klar, bis zum Abschluss des Ganzen sollen etwa 30 Jahre verstreichen und 30 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 25,6 Milliarden Euro) fließen. Doch die Vision der Stadtplaner ist spektakulär. Die zwei Kilometer lange Start- und Landebahn in Downsview soll das Zentrum dieses neuen Ortsteils von Toronto bilden und die sieben Quartiere, die alle ihren eigenen Charakter haben sollen, miteinander verbinden. Die alte Rollbahn diene dabei als „Bindeglied“ – sie verbindet alles miteinander und „würdigt das Luft- und Raumfahrterbe des Geländes“, sagte Derek Goring, CEO des hauptverantwortlichen Unternehmens Northcrest Developments, dem US-Medium.
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Geplant sind außerdem Schulen, Geschäfte, Gemeindezentren und Standorte für Wirtschaftsunternehmen. Dafür würden bestehende Gebäude nicht gleich abgerissen, sondern vorrangig umgebaut werden. Das biete einen großen Vorteil im Blick auf den Klimaschutz. Die Dächer der Flughafenhallen sollen mit Grünflächen ausgestattet werden, die Regenwasser aufnehmen. Spezialisierte Umweltberater sollen die vorhandene Bausubstanz zudem auf etwaige Altlasten aus der langjährigen militärischen Nutzung der Anlage überprüfen.

Nachhaltige Planung: Neue Stadt setzt auf Bussystem, Radwege und autofreie Zonen
Die bestehende Infrastruktur der kanadischen Stadt soll natürlich auch genutzt werden. Doch sollen auf den Flächen auch ein eigenes Bussystem sowie autofreie Zonen und Radwege entstehen. „Das heißt nicht, dass es keine Autos geben wird – die Start- und Landebahn ist tatsächlich die einzige autofreie Zone“, so Goring, „aber wir versuchen, das Zufußgehen und Radfahren zu den einfachsten, sichersten und bequemsten Fortbewegungsarten zu machen.“
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Ein weiterer Fokus der Projektentwickler, die bei der Planung das Landschaftsarchitekturbüro Michael van Valkenburgh Associates (MVVA) mit ins Boot geholt haben, ist die Wiederherstellung von natürlichen Lebensräumen für Tiere. Mit dem Bau des Flughafens vor über 100 Jahren sei die Vegetation verdrängt und damit eine wichtige Migrationsroute für Vögel weggebrochen, erklärte die MVVA-Partnerin Emily Mueller De Celis. Das wolle man nun ändern. Zudem bringe die „Renaturierung“ weitere Vorteile für Toronto selbst. Das YZD-Gelände liegt am höchsten Punkt der Stadt und soll mit bepflanzten Kanälen, die Regenwasser aufnehmen und filtern, das Hochwasserrisiko senken.
„Hohe Lebensqualität“: Wohnungsbau bei YZD startet etappenweise – ein Modell für Berlin?
Nachhaltigkeit spielt in den Planungen von Northcrest Developments nicht nur beim Grünanlagenkonzept eine Rolle, sondern auch beim Bau der Wohnhäuser. Man sei nicht versteift darauf, schon jetzt ein endgültiges Konzept festzulegen, meinte Goring weiter. Schließlich sei das Projekt auf 30 Jahre veranschlagt und man wolle nicht im Jahr 2025 bestimmen müssen, wie die Zukunft genau aussehe. Beim Wohnungsbau gehe man also in Etappen vor. Die ersten Einheiten soll 2031 bezugsfertig sein. Auf diese Weise können man in das Projekt investieren, Rendite erzielen und dieses Geld in den weiteren Ausbau von YZD stecken.
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Ob in Toronto also letztlich der versprochene Lebensraum für 50.000 Bürger entsteht, ist also noch fraglich und von „sozialem Wohnraum“ dürfte angesichts der Rendite-Ambitionen ebenfalls keine Rede sein. Allerdings könnte sich Berlin von dieser fluiden, zukunftsorientierten gestalterischen Freiheit eine Scheibe abschneiden. Denn „letztendlich geht es darum, eine wirklich hohe Lebensqualität zu bieten“, fügte Goring mit Blick auf das kanadische Vorhaben hinzu. Und was wäre ein wesentlicher Beitrag zur Entspannung der prekären Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt denn sonst, als eine Erhöhung der Lebensqualität in der deutschen Hauptstadt?







