Das Pergamonmuseum in Berlin ist eine Dauerbaustelle und die Sanierung des Kulturbaus entwickelt sich zur unendlichen Saga mit immer mehr Kuriositäten. So kam jetzt heraus: Die zuständigen Architekten um Jan Kleihues haben die Stiftung und das federführende Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung verklagt – mit Erfolg. Das berichtet der „Spiegel“. Das Urteil legt eine Reihe von unglaublichen Fehlplanungen bei der Sanierung offen.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Demnach verzögerte ein banaler Schacht im Mauerwerk das gesamte Projekt um mindestens vier Jahre. Da keine Pläne vorlagen, war unklar, welche Leitungen durch den Schacht laufen. Er konnte deshalb schlichtweg nicht verschlossen werden. Was besonders weitreichende Folgen hatte, da der Schacht durch alle Stockwerke im Pergamonmuseum verlief.

Pergamonmuseum: WLAN-Nachrüstung verzögert Sanierung um 441 Arbeitstage

Den ersten Bauabschnitt, der im April 2027 wiedereröffnen soll, wollte die Stiftung 2022 mit WLAN ausstatten lassen. Jedoch war der Bauabschnitt noch ohne WLAN geplant worden. Die Nachrüstung sorgte für eine Verzögerung bei den Bauarbeiten von 441 Arbeitstagen.

Und die Liste mit den Gründen für die Verspätung geht weiter: Eine Änderung des Nutzungskonzeptes im selben Jahr packte auf den Stapel der sich ansammelnden Arbeitstage noch mal 523 Tage obendrauf. Um weitere mehr als drei Jahre verzögerte sich der Bau, weil einem wichtigen Planer gekündigt wurde.

Landgericht Berlin fällt Urteil: Verantwortung liegt bei Stiftung und Bauamt

Kleihues und seine Kollegen bekamen Recht. So sieht das Gericht die Verantwortung für die vielen Verzögerungen bei der Stiftung und dem Bauamt. Die Architekten erhalten demnach 332.565,63 Euro plus Zinsen und 93 Prozent der Prozesskosten müssen Stiftung und Bauamt tragen. Die Stiftung hat dagegen Berufung eingelegt, schreibt der „Spiegel“.

Nachdem die Sanierung ursprünglich einmal von 2005 bis 2010 geplant war, soll eines der bekanntesten Museen Berlins nun erst frühestens 2027 wieder vollständig seine Türen öffnen. Die Kosten sind längst explodiert, von einst geschätzten 500 Millionen Mark auf mittlerweile 1,5 Milliarden Euro.