Der erste Bauabschnitt des Pergamonmuseums ist nach 14 Jahren Bauzeit fertig und damit ein Meilenstein bei der Grundinstandsetzung und Ergänzung des Herzstücks der Berliner Museumsinsel erreicht. Und endlich auch ein Grund für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) nach vorne zu blicken – und zumindest eine Teileröffnung des seit mehr als zwei Jahren komplett für die Besucherinnen und Besucher gesperrten Hauses in Aussicht zu stellen: „Wir beginnen ab jetzt ganz offiziell, den Countdown runterzuzählen. In nur 16 Monaten eröffnet das Pergamonmuseum“, sagte SPK-Präsidentin Marion Ackermann.

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Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der das Pergamonmuseum als den „Weltstar unter den deutschen Museen“ bezeichnete, war da etwas vorsichtiger. „In 18 Monaten wird eröffnet“, sagte er bei einem Rundgang durch den nunmehr frisch sanierten und modernisierten Gebäudeteil.

Auch wenn also das genaue Eröffnungsdatum noch nicht fest steht – was angesichts der vielen Bauverzögerungen, mit denen die Verantwortlichen auf dem morastigen Untergrund der Museumsinsel zu kämpfen hatten auch ziemlich mutig gewesen wäre – einigten sich die SPK, der Staatsminister und das für die Bauarbeiten verantwortliche Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung schließlich auf diese Aussage: Im Frühjahr 2027 werden der Pergamonaltar und viele weitere Highlights des Museums wieder der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Baukosten belaufen sich auf 1,5 Milliarden Euro

„Das Warten lohnt sich. Denn das Pergamonmuseum wird in ganz neuem Glanz erstrahlen und seine Kulturschätze in Zukunft noch besser zur Geltung bringen können“, versprach der Staatsminister. Deshalb habe der Bund die hochkomplexe Sanierung als alleiniger Träger der Baukosten „gerne finanziert“, versicherte Weimer. Die Rede ist von immerhin 1,5 Milliarden Euro für das gesamte Bauvorhaben Pergamonmuseum. In dieser Summe sind 300 Millionen Euro als sogenannte Risikovorsorge enthalten. Wenn alles läuft wie geplant soll das Haus im Jahr 2037 in Gänze eröffnet werden. .Zu Beginn der Planungen im Jahr 2000 war man noch von 500 Millionen Mark und einer Bauzeit von fünf Jahren ausgegangen

Dass alles so viel länger gedauert hat und deutlich teurer geworden ist als zunächst berechnet, lag neben dem problematischen Untergrund, mit dem auch schon die Erbauer des 1930 eröffneten Pergamonmuseums zu kämpfen hatten, auch an vielen Anforderungen, die ein Museumsgebäude heute erfüllen muss.

Bei den Baumaßnahmen im Pergamonmuseum handelt es sich um die erste Grundinstandsetzung des Gebäudes seit dem Zweiten Weltkrieg. Neben einer rundum erneuerten Gebäudetechnik und der energetischen Sanierung inklusive Photovoltaikanlage auf dem Dach musste das Haus auch fit gemacht werden für den Besucheransturm – vor Corona besuchten jährlich rund eine Million Menschen das Museum.

Neben einem neuen Eingangsbereich, Toiletten, Garderoben, einem Café und Fahrstühlen für einen barrierefreien Zugang gehört dazu auch die Besucherführung durch eine archäologische Promenade, die später die Häuser auf der Museumsinsel unterirdisch miteinander verbinden soll.

Museen beginnen mit dem Einzug und richten Ausstellungen ein

Am Donnerstag konnten sich die geladenen Gäste, darunter auch viele Fachleute und Medienvertreter aus dem Ausland, davon überzeugen, dass die im Nordflügel und im Mittelbau untergebrachten Museen bereits damit begonnen haben, ihre Ausstellungsflächen in der Hauptebene und dem Obergeschoss einzurichten. Und dass die im Gebäude befindlichen Großarchitekturen, darunter vor allem der berühmte Pergamonaltar, die während der Bauarbeiten im Gebäude verblieben sind, keinen Schaden genommen haben.

Pergamonaltar erstrahlt ungewohnt hell

Noch sind aber längst nicht alle Figuren des Pergamonaltars wieder an ihrem Platz: Frisch restauriert stehen sie mit Gurten und Polstern an Paletten befestigt aber immerhin schon aus den Depots zurückgekehrt zu Füßen des Altars. „Die Räume der Antikensammlung sind auf den ersten Blick dieselben – aber man spürt unmittelbar und sieht es auf den zweiten Blick: Sie sind gleichzeitig ganz neu“, sagte Martin Maischberger, Stellvertretender Direktor der Antikensammlung.

Pergamonmuseum wird 2027 wiedereroeffnet
Der Pergamon-Saal. Noch sind längst nicht alle Figuren des Pergamonaltars wieder an ihrem Platz.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Tatsächlich wirkt der Pergamonaltar ungewohnt hell: „Nach einer tiefgreifenden Oberflächenrestaurierung erstrahlt die rekonstruierte Westfront des Pergamonaltars in bisher nie gekannter Tiefenschärfe und Helligkeit“, bestätigt Maischberger. Auch die neuen Lichtdecken und die denkmalgerechte Wiederherstellung der hellen Wandfarben lassen den Saal nun viel heller wirken.

Neue Ausstellungsboxen stoßen beim Publikum auf Kritik

Doch nicht alle Neuerungen kommen beim Publikum gut an. So die massiven, neuen Ausstellungsboxen im „Erste Reiche Saal“ – die wirken ja wie Sicherheitsschleusen auf dem Flughafen“ – ist zu hören.

Pergamonmuseum wird 2027 wiedereroeffnet
Pressetermin zur Besichtigung der Grundinstandsetzung und Ergaenzung des Pergamonmuseums im Berlin am 04. Dezember 2025; im Bild Raum des Pergamonaltars. Das Berliner Pergamonmuseum soll 2027 wieder fuer das Publikum geoeffnet werden. Die derzeit laufende, vom Bund finanzierte Sanierung stehe vor der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts, teilte die Stiftung Preussischer Kulturbesitz (SPK) am 04.12.2025 mit. Die auf knapp 500 Millionen Euro veranschlagten Baumassnahmen unter anderem im Mittelbau mit dem Pergamonaltar wuerden bis zum Jahresende abgeschlossen. Im Fruehjahr 2027 solle das Haus, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehoert, wieder fuer Besucherinnen und Besucher geoeffnet werden. Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services© FUNKE Foto Services | Reto Klar

So mancher bedauert auch, dass Zeitzeugnisse wie die Einschusslöcher in der Fassade nun weitgehend geglättet sind oder für den Einbau der Fahrstühle und anderer Umbauten ursprüngliche Raumzuschnitte verloren gegangen sind – das wird bei dem Rundgang deutlich. Doch die Freude über das, was gelungen ist, überwiegt bei Weitem.

Restaurateure überarbeiten Mschattafassade

Pergamonmuseum wird 2027 wiedereroeffnet
Restaurationsarbeiten an der Mschatta-Fassade, die vom Süd- in den Nordflügel umgezogen ist.© imago/epd | imago/Christian Ditsch

„Das BBR und die drei Museen haben wirklich ganze Arbeit geleistet – die Räume im Pergamonmuseum sind fertig, die Architekturexponate wie Aleppo-Zimmer und Alhambra-Kuppel schon vollständig eingebaut“, lobte die SPK-Präsidentin. Bis die Architektursäle der Antikensammlung, eine neue Dauerausstellung des Museums für Islamische Kunst sowie ein Saal mit Kunst aus dem Vorderasiatischen Museum ganz eingerichtet sein werden, ist noch viel zu tun. So sind etwa die Restaurateure auf ihren Baugerüsten noch dabei, die Mschatta-Fassade, die vom Südflügel in den Nordflügel umgezogen ist, zu überarbeiten.

Pergamonmuseum wird 2027 wiedereroeffnet
Blick in die kunstvoll geschnitzte Alhambra-Kuppel aus dem 14. Jahrhundert im Museum für Islamische Kunst. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Bis die Besucherinnen und Besucher über den Haupteingang und den neu geschaffenen Eingangspavillon – entworfen vom 2007 verstobenen Architekten Oswald Mathias Ungers – in das Museum gelangen, wird es noch sehr lange dauern. Der sogenannte „Tempietto“, eine transparente Stahl-Glas-Konstruktion, deren tragendes Stahlgerüst mit Natursteinplatten aus fränkischem Muschelkalk verkleidet ist, ist zwar schon fertig.

Pergamonmuseum wird 2027 wiedereroeffnet
Blick in den neuen Eingangspavillon, das nach den Plänen des Architekten M.O. Ungers im früheren Ehrenhof errichtet wurde. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Vollständige Öffnung mit Südflügel erst im Jahr 2037

Doch wieder vollständig zugänglich wird das Pergamonmuseum erst, wenn auch der Südflügel fertig saniert ist. Dort ist zum Beispiel das Ischtar-Tor mit der babylonischen Prozessionsstraße untergebracht. Ebenfalls im Rahmen des zweiten Bauabschnitts wird ein vierter Flügel gebaut, der Besucherinnen und Besuchern einen vollständigen Rundgang auf der Hauptausstellungsebene ermöglicht.

Ab 2027 werden Besucherinnen und Besucher für weitere zehn Jahre zunächst nur durch die „Hintertür“ ins Pergamonmuseum gelangen. Denn durch den Bau eines vierten Flügels Am Kupfergraben bleibt der Hauptzugang bis 2037 gesperrt.
Ab 2027 werden Besucherinnen und Besucher für weitere zehn Jahre zunächst nur durch die „Hintertür“ ins Pergamonmuseum gelangen. Denn durch den Bau eines vierten Flügels Am Kupfergraben bleibt der Hauptzugang bis 2037 gesperrt. © AFP | John Macdougall

Erst im Jahr 2037 soll das Haus auf der zum Unesco-Welterbe zählenden Museumsinsel dann wieder vollständig öffnen. Ab 2027 werden Besucherinnen und Besucher zudem zunächst nur durch die „Hintertür“ ins Pergamonmuseum gelangen. Denn durch den Bau eines vierten Flügels Am Kupfergraben bleibt der Hauptzugang bis 2037 gesperrt.