Damit mehr Menschen sich entscheiden, Pflegeeltern in Berlin zu werden, hatte der Senat Anfang 2025 den „Start-Bonus“ eingeführt. So konnten Pflegeeltern ab dem 1. Januar monatlich zusätzlich 924 Euro beantragen. Die Stadt Halle in Sachsen-Anhalt geht nun noch einen Schritt weiter. Dort soll die Pflegeelternschaft zum Vollzeit-Job werden. Könnte diese Idee auch in Berlin funktionieren?

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Eine Festanstellung bei der Stadt und ein Gehalt, das sich sehen lassen kann: Damit ist nicht etwa ein klassischer Behörden-Job gemeint. Vielmehr könnte diese Beschreibung künftig auf Pflegeeltern in Halle zutreffen, wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ berichtet. Demnach will der Stadtrat das in Deutschland einzigartige Modellprojekt noch vor Weihnachten beschließen. Das ambitionierte Ziel: Die jetzige Zahl von 127 Pflegefamilien innerhalb von drei Jahren verdoppeln. Im Idealfall sollen Kinderheime künftig obsolet werden.

Pflegeeltern werden: Stadt Halle zahlt bis zu 2770 Euro pro Kind

Das Pflegeeltern-Konzept setzt bei der Gewinnung von mehr Pflegeeltern in erster Linie auf finanzielle Anreize. Die sind so hoch, dass Pflegeelternschaft sich als Vollzeit-Job etablieren könnte. Wie die „MZ“ berichtet, können Pflegeeltern künftig bis zu 2771 Euro pro Monat erhalten. Dieser „Maximalverdienst“ schließt allerdings einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst mit ein. Potenzielle Pflegeeltern müssen also, ähnlich wie im klassischen Schichtdienst, zeitweise bereitstehen, sollte ein Kind im Notfall schnell vermittelt werden müssen. Bei zwei Pflegekindern macht das mal schnell 4704 Euro. Und auch ohne diesen Bereitschaftsdienst sollen Pflegeeltern mehr als 1500 Euro monatlich erhalten - plus Kindergeld.

Die einzige Änderung zu bisherigen Aufgaben: Menschen, die sich künftig für die Pflegeelternschaft als Vollzeit-Job entscheiden, müssen zusätzlich Verwaltungsaufgaben, wie die Dokumentation der Pflege übernehmen sowie Weiterbildungen machen.

Pflegeeltern in Berlin: Bereitschaft, Pflegekinder aufzunehmen, wieder größer

Doch wie soll dieses neue Konzept der Pflegeelternschaft finanziert werden? Die Rechnung, die die Stadt Halle dazu aufstellt, ist recht simpel: So kostet ein Platz im Kinderheim im Süden Sachsen-Anhalts derzeit rund 9000 Euro monatlich pro Kind. Auf Dauer könnten Pflegeeltern als Vollzeit-Job die Stadtkasse also deutlich entlasten. Demnach könne die Stadt bereits 2026 rund drei Millionen Euro einsparen, sollten sich 80 neue Pflegeeltern in Halle finden.

Ein Konzept, das auch für Pflegeeltern in Berlin denkbar ist? Immerhin sind die rund 190 Kinderheime in der Stadt zu 95 Prozent ausgelastet. Peter Heinßen, Geschäftsführer vom Verein „Familien für Kinder“, glaubt das nicht: „Ich glaube, dass diese Pläne in Halle für niemanden ein Weg sind.“ Demnach sei das Konzept ein wilder Mix aus Pflege- und Erziehungsgeld sowie Teilzeit-Anstellung. „Ich glaube nicht, dass Juristen das vorab haben prüfen lassen“, so Heinßen. Bei dem Pilotprojekt würden zwei Systeme, bestehend aus Festanstellung und steuerfreie Honorare, kollidieren.

Berlin startete für Pflegeeltern im Januar 2025 das Modellprojekt „Start-Bonus“

Der Verein „Familien für Kinder“ bringt potenzielle Pflegeeltern und Kinder, die dringend ein Zuhause suchen, zusammen. Über die Vermittlung selbst entscheidet in letzter Instanz dann das Jugendamt. Derzeit, so Heinßen, zeichne sich ein positiver Trend ab. „Der negative Trend bricht gerade und wir haben mehr Pflegeeltern als in den vergangenen zwei bis drei Jahren.“ Ein Grund sei der im Januar 2025 erfolgreich eingeführte Modellprojekt „Start-Bonus“, bei dem Pflegefamilien in Berlin nochmal 924 Euro monatlich obendrauf bekommen. 70 Pflegeeltern hätten diesen bislang ausgezahlt bekommen. Zudem sei geplant, das Modellprojekt für zwei Jahre fortzuführen.

Unabhängig ihres Einkommens erhalten Pflegeeltern in Berlin bisher finanzielle Unterstützung vom Jugendamt in Form von Sachkosten- sowie Pflege-Pauschalen. Für Kinder bis sieben Jahre in der Altersstufe 1 erhalten Pflegeeltern so beispielsweise 603 Euro für die Sachkosten und damit den Lebensunterhalt des Kindes sowie etwas mehr als 400 Euro als Pflegepauschale. Diese kann auf bis zu 959 Euro steigen, wenn ein erhöhter Förderbedarf besteht.