Die Architektur, so hat er einmal gesagt, "ist nichts anderes als Erweiterung von Bewusstsein". Es griffe viel zu kurz, Oswald Mathias Ungers einen Architekten des Übergangs zu nennen. Er war ein Fundamentalist, einer, an dem sich die Zeiten schieden. Einer, der grundsätzlicher als jeder andere die Lehr- und Leerformeln der Nachkriegsarchitektur in Frage gestellt hat. Wie jetzt bekannt wurde, ist Ungers am Sonntag 81-jährig in Köln an einer Lungenentzündung gestorben.
Die Anfänge der Architektenlaufbahn des 1926 in Kaisersesch (Eifel) Geborenen fallen in die Wiederaufbaujahre. Damals ging es um offene, fließende Räume, stramme Funktionserfüllung und sozialen Wohnungsbau. Nach drei Jahren Studium bei Egon Eiermann in Karlsruhe eröffnet der erst 24-Jährige in Köln sein erstes Architekturbüro. Eine Blitzkarriere. Die Gebäude - das Mehrfamilienhaus in der Hültzstraße und die Kleiderfabrik in der Aachener Straße (beide 1951) - wachsen stabil aus dem Erdboden heraus, ihre schmucklosen Wände sind von großen quadratischen Öffnungen durchbrochen.
Immer wieder das Quadrat. Ungers stellt diese künstlichste aller geometrischen Figuren wie eine Kampfparole dem Rationalisierungsfimmel seiner Zeitgenossen entgegen. "Im Gegensatz zur Landschaft, zur Natur, zum kosmischen Raum verlangt der architektonische Raum Abgrenzung, Einfassung, Umhüllung und Einbindung", doziert er 1985. Ungers war der geborene Widersacher einer flächenhaften Auflösung der Wände in Glas, der Umdeutung von Städten zu "Stadtlandschaften", der Verleugnung der Baugeschichte. An seiner Mitwirkung am Großsiedlungsbau des Märkischen Viertels in Berlin hat er später gelitten wie ein Hund.
Er formulierte sein Credo der "Klarheit, Eindeutigkeit und Askese geometrischer Grundformen".

