Die Koalition hat sich auf eine Neuregelung des Wehrdienstes geeinigt. Noch gilt die Freiwilligkeit beim Dienst in der Truppe, aber es gibt schon verpflichtende Elemente und eine neue Wehrerfassung. Dagegen hat sich massiver Widerstand gebildet. An einem bundesweiten Aktionstag am Freitag heißt es in einem Aufruf „Schulstreik gegen Wehrpflicht“.

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Neben Berlin soll auch in Hamburg, München, Köln, Leipzig, Magdeburg und Rostock demonstriert werden. Allein in Berlin werden nach Angaben einer Polizeisprecherin insgesamt 3000 Teilnehmende zu verschiedenen Kundgebungen und Demonstrationen erwartet. Bei der Versammlungsbehörde sind mit Stand Donnerstagnachmittag vier Veranstaltungen angemeldet.
Der Deutsche Lehrerverband warnt Schüler angesichts der geplanten Protestaktion vor den Folgen eines unentschuldigten Fehlens im Unterricht. „Wer gegen die Reaktivierung der Wehrpflicht demonstrieren möchte, kann dies jederzeit außerhalb der Unterrichtszeit tun“, sagte Verbandspräsident Stefan Düll dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Wer unentschuldigt dem Unterricht fernbleibe und Gesprächsangebote ausschlage, müsse „mit erzieherischen Maßnahmen bis hin zu einem Verweis“ rechnen.
Mit schwedischen Schülern über Wehrpflicht diskutiert
Am Immanuel-Kant-Gymnasium in Lichtenberg wird das Thema Wehrpflicht seit Monaten im Unterricht besprochen und diskutiert. „Wir hatten vor einigen Wochen schwedische Schülerinnen und Schüler zu Gast“, sagt Schulleiter Arnd Niedermöller. „Im Rahmen dieses Besuchs wurde das Thema diskutiert, da in Schweden 2017 die Wehrpflicht wieder eingeführt wurde und vielen als Vorbild für Deutschland gilt.“
Natürlich sei auch die Teilnahme an den Demonstrationen am Freitag während des Unterrichts hinterfragt worden, es sei aber kein großes Thema gewesen. Ein allgemeines Stimmungsbild kann Niedermöller nicht abgeben. „Bei anderen Gelegenheiten bekommen wir sehr viele Fragen von Eltern“, sagt er. „Das war jetzt überhaupt nicht der Fall.“
Orcun Ilter, Landesschülersprecher, sieht die Demonstrationen als einen wichtigen demokratischen Prozess, dem aber die Schulpflicht gegenübersteht. Trotz persönlicher Gespräche und bei aufgeschnappten Unterhaltungen zwischen Schülerinnen und Schülern in Bus und Bahn kann er keine eindeutige Abschätzung abgeben, ob und wie viele dem Unterricht fernbleiben werden oder nicht. „Ich kann da realistisch keine Tendenz erkennen“, sagt er. Er selbst muss am Freitag eine Klausur im Leistungskurs Deutsch schreiben. Vermutlich wird er bei der Demo ab 16 Uhr als Redner auftreten.
Größte Demo beginnt um 16 Uhr nach Schulschluss
Die erste Kundgebung gegen die Wehrpflicht beginnt noch vor Unterrichtsbeginn um 7.30 Uhr an der Schulstraße 11 in Marzahn-Hellersdorf. Dort befindet sich das Otto-Nagel-Gymnasium. Die Versammlung ist mit 20 Personen angemeldet. Von 8 Uhr bis 14 Uhr ruft die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen zu einer Kundgebung auf dem Platz der Republik auf. Wie eine Polizeisprecherin sagte, sei diese Kundgebung mit 30 Personen angemeldet.
Mit deutlich größeren Teilnehmerzahlen ist dann von 12 bis 16 Uhr auf der Demo gegen die Wehrpflicht zu rechnen. Der Aufzug beginnt am Mehringplatz in Kreuzberg und endet am Oranienplatz. 2000 Teilnehmende werden ab 16 Uhr, also nach Schulschluss, am Oranienplatz erwartet. Von dort aus geht es bis 20 Uhr zum Rathaus Neukölln.





