Der zweite Teil des Berliner Antrittsbesuches von Bundeskanzler Friedrich Merz beim Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (beide CDU) führte beide nach Adlershof – nach einem Antrittsbesuch im Roten Rathaus. Im „Technologiepark“ entwickelt die Berlin Space Technologies erfolgreich kleine Satelliten, die Bilder für die zivile und militärische Nutzung liefern können.

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Der CEO von BST, Tom Segert, begrüßte Bundeskanzler Friedrich Merz im Foyer seiner Firma und zeigte ein Sattelitenmodell, das seit zwei Jahren um die Erde kreist. Dieses ist so groß und schwer wie eine kleine Waschmaschine. Die hochauflösenden Aufnahmen der Satellitenkameras können Echtzeit-Bilder für die Landwirtschaft liefern, aber auch für militärische Zwecke genutzt werden, hieß es am Rande der Pressekonferenz. „Sie können damit auch graue Schiffe in Häfen ansehen“, erklärte Segert dem Bundeskanzler.
Berlin Space Technology will 200 Satteliten pro Jahr bauen
Die Firma will eine Satellitenproduktion in einem ehemaligen Tempelhofer Baumarkt aufbauen und die Produktion von Monaten und Jahren auf Wochen und Tage verkürzt. 200 Mini-Satelliten pro Jahr sollen hier gebaut werden können, das sind fünf pro Woche. „Wahnsinn“, bemerkte der Bundeskanzler. In Berlin sollen über 80 Prozent der Bauteile gefertigt werden. Das Ziel von BST ist es, einen Satteliten in nur einer Woche zu bauen.
Auch Kai Wegner zeigte sich beeindruckt, Adlershof sei der Wissenschaft- und Technologiestandort Berlins, der eine „internationale Strahlkraft“ habe. Er sei stolz, auf den Output der Unternehmen. „Von der TU über Adlershof ins Weltall“, so Wegner. Berlin sei stark in der Raumfahrt, er habe Merz vorgeschlagen, in diesem Bereich „noch mehr zu machen“.
Merz: Bedeutung der Raumfahrt nimmt zu
Merz wies auf das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und auf den Bericht über die European Space Agency-Konferenz in Bremen hin. Deutschland habe seinen Anteil daran erhöht, sei jetzt „das stärkste Land in der ESA“ und werde weiter in Raumfahrt investieren. Auch auf eine mondnahe Raumfahrtmission mit einem deutschen Astronauten wies er hin. „Das ist keine Spielerei, das ist High-Tech“, betonte der Bundeskanzler, das sei extrem wichtige Technologie „für den zivilen und den militärischen Bereich“.
Merz lobte Berlin als Standort: „Dass sich Berlin so entwickelt hat in diesem Bereich, ist ein großartiges Zeichen für die Innovationskraft dieser Stadt und dieses Zentrums in Adlershof.“ Es gehe auch hier um die „technologische und digitale Souveränität Deutschlands.“ Raumfahrt bekomme im militärischen Bereich eine immer wichtigere Bedeutung, bei Navigation, Kommunikation und Erdbeobachtung. Das sei „eine erfreuliche Entwicklung für Berlin“. Merz verwies auf fünf Milliarden Euro Fördermittel des Bundes für Raumfahrt-Projekte und 35 Milliarden Euro für den Aufbau einer „Weltraum-Sicherheitsarchitektur“.
Merz will Luftfahrtausstellung im Juni 2026 eröffnen
Merz sprach nach einem Firmenrundgang die Bedeutung der Luft- und Raumfahrt an und kündigte an, die Internationale Luftfahrtausstellung (ILA) im Juni zu eröffnen. Wegner bedankte sich für die Zusage.
Berlin Space Technologies (BST) gilt seit 15 Jahren als Spezialist für kleine und relativ preiswerte Satelliten, die 50 bis 500 Kilogramm wiegen. BST ist eine von nur drei Firmen, die in Deutschland Satelliten bauen. BST liefert auch sogenannte Subsysteme und Komponenten für viele internationale Raumfahrtmissionen und hat bereits erfolgreich Hardware auf der Internationalen Raumstation (ISS) installiert. Ein Kilo in den Orbit zu befördern, kostet laut BST rund 6500 Euro. Als Carrier wird zum Beispiel „Space X“ von Elon Musk genutzt. Je nach Anbieter kann ein Start zwei bis fünf Jahre dauern. Derzeit gibt es rund 8000 aktive Satelliten im All, die Zahl soll auf rund 50.000 in einigen Jahren steigen. Nach fünf Jahren Betrieb können sie kontrolliert zum Absturz gebracht werden.
Politische Spannungen zwischen Merz und Wegner
BST wurde 2010 von drei Absolventen der TU Berlin gegründet – Tom Segert, Matthias Buhl und Björn Danziger. Ihre High-Tech-Firma hat heute rund 50 Mitarbeiter. Neben der Zentrale sitzt auch ein Teil der Satelliten-Produktion in Berlin. Die Zahl der Mitarbeiter ist von 38 auf 80 innerhalb eines Jahres gestiegen. 2026 will BST etwa 100 bis 150 weitere Mitarbeiter einstellen, kündigte Segert an.
Beim Ortstermin in Adlershof wirkten Wegner und Merz entspannt und locker. Doch das Verhältnis zwischen den Parteikollegen gilt als angespannt; Wegner hatte Merz zuletzt für dessen umstrittene „Stadtbild“-Äußerung öffentlich kritisiert. Wegner hatte zuvor vom Bund eine Lockerung der Schuldenbremse gefordert, was Merz zunächst ablehnte, später jedoch umsetzte. Merz ist seit knapp sieben Monaten Bundeskanzler. Er macht offizielle Antrittsbesuche in allen Bundesländern.




