Die Vorbereitungen auf den Abriss des Sport- und Erholungszentrums SEZ haben begonnen. Ein Fotograf der Berliner Morgenpost beobachtete, wie Bagger auf dem Gelände des früheren DDR-Spaßbades aktiv sind und Wände einreißen. Das leerstehende Gebäude an der Landsberger Allee in Friedrichshain gehört der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft WBM. Bürger aus den umliegenden Kiezen versuchen mit Unterstützung der Linkspartei und der Grünen, einen Abriss zu verhindern, das Gebäude zu retten und womöglich sogar wieder einen Badebetrieb anzustreben. Dieses Ansinnen wird aber vom Senat abgelehnt. Im Senatsressort für Stadtentwicklung wurde auf die Zuständigkeit der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) verwiesen.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Zunächst wollte sich ein WBM-Sprecher auf Morgenpost-Anfrage nicht äußern. Später erklärte das Unternehmen, es fänden „an unserem Bauvorhaben an der Landsberger Allee / Danziger Straße“ derzeit „vorbereitende Arbeiten im Außenbereich statt“. Über diese Maßnahmen seien der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sowie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung „im Vorfeld in Kenntnis gesetzt“. Ziel sei es, die Außenanlagen für die zukünftige Baustelleneinrichtung vorzubereiten. „Für diese Arbeiten ist keine Abrissgenehmigung erforderlich“, so die WBM.

Die aktuell laufenden Tätigkeiten dienten ausschließlich der Vorbereitung der weiteren baulichen Schritte. Seit mehreren Tagen hatten Arbeiter nach Morgenpost-Informationen Bäume und Büsche um den früheren Pool im zum Volkspark Friedrichshain gelegenen Innenbereichs des ehemaligen Spaßbades abgeschnitten, ehe nun ein Bagger auch in die Gebäudesubstanz bohrte.

Auch interessant

Auf SEZ-Gelände sollen Wohnungen gebaut werden

Die WBM hat ein Konzept vorgelegt, um rund 500 Wohnungen und eine Schule auf dem Areal zu errichten. Unter anderem ist ein 12-geschossiges Hochhaus an der Ecke Danziger Straße/Landsberger Allee geplant. Die Hälfte des Bestandes soll sozial gefördert werden. Auf dem Gelände sollen auch einige Elemente des SEZ, wie der Sprungturm und die Skulptur „Die Badenden“, integriert werden.

In der Nachbarschaft sind seit längerer Zeit mehrere Initiativen aktiv, die darauf hofften, dass SEZ doch noch wieder als Spaßbad oder zumindest als Ort für Freizeit und Sport auferstehen zu lassen. Politisch machte sich der Wahlkreisabgeordnete Damiano Valgolio von der Linkspartei für die Abriss-Kritiker stark.

Der langjährige Eigner des SEZ Rainer Löhnitz, dessen Firma SportMed im vergangenen Jahr durch einen Gerichtsvollzieher aus dem Gebäude gewiesen worden war, hält das Vorgehen des Landesunternehmens für illegal. Löhnitz hatte das damals wegen der hohen Defizite im Betrieb bereits geschlossene SEZ 2003 für den symbolischen Betrag von einem Euro übernommen und eine eingeschränkte Nutzung für Sport, Sauna, Kultur und Veranstaltungen angeboten. Weil es aber keinen Badebetrieb gegeben hatte, war es dem Land in einem jahrelangen Rechtsstreit gelungen, das SEZ wieder in die Hand zu bekommen.

Löhnitz fühlt sich übervorteilt und wirft der Justiz unrechtmäßiges Handeln zu seinen Ungunsten vor. Er sei gerade dabei gewesen, das SEZ vor Gericht zurückzufordern, aber die Justiz habe seine entsprechenden Eilanträge nicht bearbeitet. Darum habe es die WBM nun eilig, Fakten zu schaffen, so die Interpretation des Unternehmers.

Das Sport- und Erholungszentrum, das zur Eröffnung 1981 in seiner Größe weltweit einzigartig war, galt als eines der wichtigsten öffentlichen Prestigeobjekte der Partei- und Staatsführung der DDR.