Es war eine Nachricht, die bei vielen Berliner Schülern und Eltern für Ängste sorgte: Angeblich sollen Islamisten einen Anschlag auf mehrere Berliner Schulen planen. Die auf Telegram kursierende russischsprachige Meldung entpuppte sich schnell als Fake – die Berliner Polizei bat darum, auf die Falschinformation nicht einzugehen und sie nicht weiterzuverbreiten. Dennoch waren am Montag an vielen Schulen die Klassenzimmer leerer als sonst – viele Eltern schickten ihre Kinder nicht in die Schule, während andere die Gelegenheit zum Schwänzen nutzten. Und auch die Polizei zeigte an den in der angeblichen Drohung genannten Schulen Präsenz.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Wer genau hinter der russischsprachigen Telegram-Nachricht steckt, ist nicht geklärt: Aktuell ermittelt der Staatsschutz in dem Fall. Eine mögliche Spur könnte dabei nach Russland führen, wie der Terrorismusexperte Peter Neumann dem „Tagesspiegel“ sagte: „Dass die Warnung zuerst in russischen Telegram-Kanälen aufgetaucht ist und offenbar viele sachliche Fehler, wie etwa inkorrekte oder nicht mehr existierende Schulnamen, enthält, deutet allerdings schon auf eine ausländische Urheberschaft hin.“ Tatsächlich tauchen in der Fake-Meldung Schulen wie das Mommsen-Gymnasium auf, die es schon seit 1945 nicht mehr gibt – vieles deutet auf eine KI-generierte Liste hin.
Auch interessant
Ihren Weg an die Öffentlichkeit fand die Meldung über ein mittlerweile gelöschtes Telegram-Profil der Russin Natalja I., wie die „Welt“ herausfand: Sie hatte den Streamer Lothar S. in einer Nachricht auf seinem Kanal auf die angeblichen Anschlagspläne hingewiesen. Laut „Welt“ handelt es sich bei I. um einen echten Namen – er wird von der Leiterin einer Moskauer Universität getragen.
Auch interessant
Lothar S.: Dieser Streamer trug zur Verbreitung der Fake News bei
Fest steht in jedem Fall, dass Lothar S. ganz maßgeblich zur Verbreitung der angeblichen Anschlagsdrohung beitrug. Am Sonntagmorgen sprach der Streamer in einem Video eine „akute Terrorwarnung für Berliner Schulen“ aus. In dem Video zeigte er die russischsprachige Fake-Drohung und auch angebliche Fotos. Laut eigenen Angaben hatte er zwar auch die Polizei eingeschaltet, entschied sich aber, die Information selbst öffentlich zu machen. S.‘ Video der angeblichen Drohung verbreitete sich am Sonntag binnen kürzester Zeit in Klassen- und Elterngruppen auf WhatsApp. Selbst bei Schulen, die nicht auf der angeblichen Liste zu finden waren, gab es Unruhe und Sorge unter Schülern und Eltern.
Auch interessant
Lothar S. und sein YouTube-Channel „Berlin Berlin TV“ sind vor allem durch Livestreams von Demonstrationen bekannt. Der Channel existiert seit etwa fünf Jahren und hat aktuell etwa 17.000 Follower – wie viele durch die Fake News vom Sonntag hinzugekommen sind, ist unklar. Entstanden ist der Channel während der Corona-Pandemie, wo S. und auch andere unseriöse Streamer mit fragwürdigen Videoberichten von den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen begannen. Nun trugen sie auch zur Verbreitung mutmaßlicher russischer Fake News bei und versetzten so Tausende Schüler und Eltern in Angst und Schrecken.
jst/BM






