Erst im Juni feierte das Rechenzentrum des britischen Unternehmens Virtus im Gewerbequartier Marienpark in Tempelhof seine Grundsteinlegung. Nun scheinen Linksextreme möglicherweise schon zum zweiten Mal in einer Woche versucht zu haben, einen Brandanschlag auf die Baustelle zu verüben. Wie die Berliner Polizei am Donnerstag mitteilte, wurden Einsatzkräfte am Mittwochabend von einem Mitarbeiter einer Security-Firma alarmiert, nachdem er auf dem Gelände eine Brandvorrichtung an einer Trafostation festgestellt hatte. Ein Zaun des Areals war zuvor beschädigt worden.

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Zu einem Brand kam es nicht. Die Trafostation sei noch im Bau, so die Polizei. Strom sei dort noch nicht geflossen. Daher wäre bei einem Brand keine Stromversorgung unterbrochen worden. Warum der Brandsatz nicht zündete, ist bislang unklar.
Die Einsatzkräfte durchsuchten das Gelände nach weiteren Vorrichtungen, konnten jedoch keine finden. Für die Dauer der Durchsuchungsmaßnahmen musste der öffentliche Nahverkehr eingeschränkt werden, wovon die S-Bahn betroffen war. Spezialisten des Kriminaltechnischen Institutes stellten den nicht gezündeten Brandsatz sowie weitere Spuren und Beweismittel im Anschluss sicher. Die Polizei geht von versuchter Brandstiftung aus. Aufgrund des vermuteten politischen Hintergrunds hat der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen.
Schon am Dienstag tauchte ein Bekennerschreiben auf
Besonders brisant: Schon am Dienstag tauchte auf der einschlägigen, linksradikalen Plattform indymedia ein anonymes Bekennerschreiben mit Bezug zum Virtus-Rechenzentrum auf. Darin behaupten die Verfasser, es hätte schon in der Nacht von Montag auf Dienstag auf ihr Betreiben hin auf der Baustelle gebrannt – durch zeitverzögerte Brandsätze und einen Autoreifen. Ob damit ein anderer Vorgang als der vom Mittwoch gemeint ist, bleibt offen.
„Viele solcher Bauvorhaben sind äußerst geheimnisumwoben und es gibt kaum Öffentlichkeit dazu“, heißt es in dem Bekennerschreiben. „Das steht im krassen Kontrast zu den verheerenden Folgen, die der großangelegte Ausbau der digitalen Infrastruktur und die immer mächtiger werdende KI auf unser Leben und unsere Umwelt haben.“ In dem Papier wird die Nutzung von KI für militärische Zwecke ebenso kritisiert wie die Umweltschäden, die durch die Rechenleistungen der großen Anbieter Google, Amazon und Microsoft entstehen.
Polizei ist ein erfolgreicher Anschlag in Mariendorf nicht bekannt
Der britische Anbieter Virtus plant im Marienpark vier Gebäude mit einer IT-Kapazität von insgesamt 57,6 Megawatt, die insbesondere auf Anwendungen in den Bereichen Cloudcomputing, Künstliche Intelligenz und Hochleistungsrechnen ausgerichtet sind. Die entstehende Abwärme soll zur Versorgung angrenzender Quartiere genutzt werden.
Weder Polizei noch Feuerwehr wissen von einem Brand in der Nacht vom Montag auf den Dienstag. „Wir schätzen das Bekennerschreiben aber als authentisch ein“, so ein Polizeisprecher. Kritik kommt von der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP. „Mal abgesehen davon, dass die Metrik dieses Pamphlets nicht stimmig ist, eignen sich die Zeilen auch inhaltlich nicht, um diese erneute Schwachsinnstat auf irgendeine Weise rechtfertigen und legitimieren zu können“, sagt GdP-Sprecher Benjamin Jendro. „Wer versucht, Sachen in Brand zu stecken, äußert keinerlei politische Meinung, sondern begeht einfach nur Straftaten.“
Zuletzt kam es in Berlin immer wieder zu Brandanschlägen, die dem linksextremen Spektrum zugeordnet wurden. Erst im September führte ein Anschlag auf einen Strommast zu einem Massen-Stromausfall im Berliner Südosten, durch den 50.000 Bewohner drei Tage lang im Dunkeln saßen. Auch die Stromversorgung der Tesla-Fabrik im brandenburgischen Grünheide wurde in der Vergangenheit zum Ziel derartiger Attacken.





