Neue Fahrzeuge, neue Führungskräfte, höhere Investitionen: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) arbeiten derzeit auf verschiedenen Wegen daran, Ausfälle und Verspätungen zu minimieren. BVG-Chef Henrik Falk sieht in der Folge insbesondere bei der U-Bahn deutliche Verbesserungen, vor allem seit dort die ersten neue Züge eingesetzt werden. Im aktuellen vierten Quartal liege die Zuverlässigkeit, also die Quote der Fahrten, die stattgefunden haben, bei knapp 97 Prozent und damit deutlich über dem Tiefstwert aus dem Spätsommer 2024, als die Quote auf unter 92 Prozent rutschte. Falk nannte die verbesserte Zuverlässigkeit „einen Zwischenstand“. „Das ist ein Prozess, der uns auch 2026 weiter begleiten wird“, sagte er.

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Denn trotz der Verbesserung ist die BVG vor allem bei der U-Bahn, aber auch bei der Straßenbahn noch von ihrer Zielmarke entfernt. Eigentlich soll die Zuverlässigkeit bei 99 Prozent liegen. Die Tram kam im Schnitt in diesem Jahr auf 97,7 Prozent. Einzig im Busbereich hat die BVG seit der Jahresmitte die Zielmarke geknackt, wobei dort im Jahr 2023 auch der Fahrplan auf verschiedenen Linien ausgedünnt wurde. Laut BVG-Chef Falk haben die Besserungen an dem Plan für die kommenden Jahre aber nichts verändert. Ziel bleibt es, den aktuellen Betrieb zu stabilisieren und nicht zu wachsen. Diese Maßgabe soll bis Ende 2027 gelten.

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Auf dem Weg dahin, den U-Bahn-Verkehr zuverlässiger zu machen, sollen auch in den kommenden Monaten neue Fahrzeuge helfen. Mehr als 60 Wagen für das Kleinprofilnetz, also die Linien U1 bis U4, sind bereits im Fahrgasteinsatz, bis Ende des Jahres sollen es 140 Neuwagen sein. „Wir wollen ab Januar auf der U2 wieder stabil im 4-Minuten-Takt fahren“, kündigte Vorstandskollegin Jenny Zeller-Grothe an. Das entspricht dem Normalfahrplan, im vergangenen Jahr war der Takt vor allem durch die Probleme bei den alten Zügen auf 4,5 Minuten reduziert worden.

2026 steht außerdem die Erneuerung der U-Bahnen der sogenannten Großprofillinien U5 bis U9 an. Dort geht es um insgesamt 236 Wagen, die bis Anfang 2027 fahren sollen. Entsprechend dem Zeitplan der BVG sollen dafür noch im Dezember die Schulungen für die Fahrerinnen und Fahrer sowie die Beschäftigten in den Werkstätten starten, bevor im Frühjahr die ersten Fahrgäste in den neuen Zügen mitfahren können.

Wie der Betrieb bis dahin funktioniert, wird sich zeigen müssen: Auf den Linien U1 bis U4 hatten die Fahrerschulungen zu zusätzlichen Engpässen und damit teilweise Ausfällen geführt. Ebenfalls im kommenden Jahr sollen laut BVG bis zu 120 Elektro-Gelenkbusse und bis zu 20 neue Straßenbahnen in den Betrieb gehen. Auch die Trams hätten allerdings eigentlich schon längst im regulären Einsatz sein sollen, es kam jedoch immer wieder zu Verzögerungen.

BVG legt Grundstein für ersten E-Busbetriebshof in der Säntisstraße
Im August hat die BVG den Grundstein für den neuen E-Busbetriebshof an der Säntisstraße gelegt – laut Unternehmen ein Beleg für zunehmende Investitionen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

BVG besetzt diverse Führungspositionen neu

Zweiter wichtiger Baustein neben den Fahrzeugen und der Infrastruktur, in die laut BVG ebenfalls deutlich mehr investiert wird als zuletzt, ist das Personal – einerseits durch Neueinstellungen, andererseits durch interne Umstrukturierungen und die Umbesetzung von Führungspositionen. Schon im vergangenen Jahr waren Betriebsvorstand Rolf Erfurt und wenig später die U-Bahn-Chefin der BVG gegangen. Und es passiert noch mehr: Von den künftig 22 statt bislang 26 sogenannten Geschäftseinheiten werden neun neu besetzt, darunter etwa die Bereiche Technik Bahn und Technik Bus sowie Betrieb Bahn und Betrieb Bus.

„Wir versuchen, in den wesentlichen Positionen Menschen in Verantwortung zu bringen, denen wir die Aufgaben zutrauen“, sagte BVG-Chef Falk. Dass es so viele Veränderungen gebe, sorge immer für Unruhe, räumte Falk ein. „Aber es ist schlicht und ergreifend notwendig. Wir schauen uns auch an, welche Führungskräfte zu unserer Neuaufstellung passen.“

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Dass sich die Situation bei der U-Bahn gegenüber dem Ende des vergangenen Jahres gebessert habe, führt er auch auf die dort neu besetzten Führungspositionen zurück. Seit dem Abgang der vorherigen Chefin sind Meike Brännström und Stefan Kärgel im Duo für den U-Bahn-Bereich verantwortlich. „Die U-Bahn ist für mich ein Beleg dafür, dass die personellen und strukturellen Änderungen, die wir vorgenommen haben, so greifen, dass wir sowohl den Betrieb als auch die Technik deutlich besser im Griff haben“, so Falk. Anfang kommenden Jahres soll zudem Marc Hermann als Vorstand für den neu geschaffenen Bereich Technik und Infrastruktur zur BVG stoßen. Der Diplom-Ingenieur wechselt von der Deutschen Bahn zu dem Berliner Verkehrsunternehmen.

Auch die für Personal zuständige Vorständin Jenny Zeller-Grothe sprach personell von einem „riesigen Umbruch“, den es aktuell bei der BVG gebe. Sie betonte aber ebenso: „Damit schaffen wir die Voraussetzungen, um die Baustellen und Herausforderungen, die wir haben, angehen zu können.“ Abgesehen von den neuen Strukturen zeigte sie sich zuversichtlich, die Einstellungsziele der BVG für dieses Jahr zu erreichen. 1500 neue Beschäftigte will die BVG bis Ende 2025 gewinnen, 1220 waren es bereits bis Ende September, davon rund 770 im Fahrdienst.

Im kommenden Jahr sollen noch einmal 1400 Menschen für das Verkehrsunternehmen gewonnen werden, davon dann drei Viertel für die sogenannten betriebsnotwendigen Bereiche. Nachdem sich der vergangene Tarifabschluss positiv auf die Bewerberzahlen bei der BVG ausgewirkt hatte, steht Anfang kommenden Jahres direkt die nächste Tarifverhandlung an. Dann geht es allerdings nicht ums Geld, sondern die Arbeitsbedingungen. Gerechnet wird damit, dass es zu einem weniger harten Konflikt und damit auch zu weniger Auswirkungen auf die Fahrgäste kommt als Anfang dieses Jahres.