Sie sollen ihren Opfern hohe Renditen in Aussicht gestellt, sie aber dann teils um ihre ganzen Ersparnisse gebracht haben: Nun wollen sie sich vor Gericht zu den Vorwürfen äußern. Die Verteidiger aller fünf Angeklagten haben am Dienstag zum Prozessbeginn um einen sogenannten Faksimile-Betrug Aussagen ihrer Mandanten angekündigt. Dafür können sie auf eine kürzere Zeit im Gefängnis hoffen.

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Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte sich im Vorfeld bereit erklärt, sich im Gegenzug zu Geständnissen mit kürzeren Haftstrafen zufriedengeben zu wollen. Damit könnte es auch einigen der hochbetagten Opfer der mutmaßlichen Bande erspart bleiben, nach Berlin reisen und dort im Zeugenstand aussagen zu müssen.

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Vier der fünf Männer müssen sich wegen gewerbsmäßigen Betrug, Urkundenfälschung, Computerbetrug und Diebstahl vor dem Berliner Landgericht verantworten. Der fünfte ist wegen Beihilfe angeklagt. Sie sollen ab Oktober 2022 bis zum Auffliegen der Bande im Mai 2025 vor allem ältere Menschen in 41 Fällen um vier- bis fünfstellige Geldsummen gebracht haben. Den Geschädigten gegenüber gaben sie sich laut Anklage als Händler aus, die deren Faksimile-Sammung – Nachdrucke antiquarischer Bücher – zu hohen Preisen weiterverkaufen könnten. Dafür sollen sie vorab Provisionen, Kautionen und Sicherheiten verlangt und kassiert haben.

Mutmaßlicher Kopf der Bande mietete Büroräume an

Dem 32 Jahre alten Ali C. wirft die Staatsanwaltschaft vor, der Kopf der Bande gewesen zu sein, die laut neben ihm und den vier weiteren Angeklagten aus sechs weiteren bekannten sowie mehreren unbekannten Personen bestand. Einer der sechs Bekannten trägt laut Anklageschrift denselben Nachnamen, der auch im Kontext mit Clan-Kriminalität immer wieder eine Rolle spielt. C. soll „zur Koordination“ der Taten Ende 2022 eigens Büroräume in Schönefeld angemietet haben.

Prozessbeginn wegen «Faksimile»-Betrug
Die 33. Strafkammer des Berliner Landgerichts unter Vorsitz von Richter Alexander Masuch (3.v.r.) hat insgesamt 22 Tage für den Prozess angesetzt.© Lilli Förter/dpa | Lilli Förter

Er soll auch ein Callcenter damit beauftragt haben, die Sammlerinnen und Sammler zu kontaktieren und Termine mit Vertretern zu vereinbaren. Die sollen die Opfer dann in ihren Wohnungen in ganz Deutschland besucht haben. Hussein M. (39) und Hassan G. (27) fuhren dabei laut Anklage ins Berliner Umland, aber auch unter anderem nach Leipzig, Krefeld oder Greifswald.

Teils sollen sie dabei unter falschen Namen aufgetreten sein und einen Verkauf der Büchersammlungen für bis zu 450.000 Euro angeboten haben. Im Gegenzug kassierten sie mal 10.000, mal 20.000 und in einem Fall sogar 99.000 Euro im Gegenzug. Einige der Opfer sollen dafür auch Kredite aufgenommen haben.

Scheinfirmen als „Mäntel des Betrugs“ gegründet

Zum Teil sollen die Täter auch im Namen der Geschädigten Kredite beantragt und diese dann bei Zahlung auf deren Konto als erste Rate aus dem vermeintlichen Bücherverkauf benannt haben. In einzelnen Fällen wirft die Staatsanwaltschaft der Bande auch vor, bei den Besuchen Geldkarten entwendet und damit Bargeld abgehoben zu haben. Mindestens eines der meist älteren Opfer wurde demnach in seiner Wohnung bestohlen. Zum Teil sollen die Täter die Geschädigten auch dazu gebracht haben, Gelder mehrfach hintereinander zu überweisen.

Die Bande gründete laut Anklage dazu auch mehrere Scheinfirmen, die „nur als formale Mäntel für Betrug“ gedient hätten. Bei einer davon steht nach wie vor der 51 Jahre alte Jacek P. als Geschäftsführer im Handelsregister. Er ist wegen Beihilfe angeklagt.

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Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, ein Bankkonto eröffnet und der Bande für den Betrug und zur Verschleierung der Geldflüsse gegen Beteiligung zur Verfügung gestellt zu haben. P. ist Pole und hat anders als seine vier Mitangeklagten keinen festen Wohnsitz in Deutschland, weshalb er seit seiner Festnahme Ende Juni in Untersuchungshaft sitzt. Die anderen wurden bereits im September von der Haft verschont.

Gesamtschaden bei 738.000 Euro

Den Gesamtschaden hatte die Staatsanwaltschaft zuletzt bei Anklageerhebung auf 738.000 Euro beziffert. Der fünfte Angeklagte Deniz H. (28) soll das Auftreten der Vertreter koordiniert und die Zahlungseingänge registriert und zur Verschleierung in ein aus mehreren Firmen bestehendes Geldwäschenetzwerk weitergeleitet haben.

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Für den Prozess vor der 33. Strafkammer des Landgerichts sind 21 weitere Termine bis Februar 2026 angesetzt. Ob es die braucht, bleibt abzuwarten. Am Dienstag wurde nur die Anklage verlesen. Mit den Aussagen der Angeklagten wird ab dem 31. Oktober gerechnet.