Mehr als 100 Schulen aus Deutschland hatten sich für den Deutschen Schulpreis 2025 beworben – die höchstdotierte Auszeichnung für guten Unterricht. Aus 15 nominierten Einrichtungen, die sich im Wettbewerb als Vorreiter und besonders innovativ erwiesen haben, wurde am Dienstag in Berlin-Adlershof die diesjährige Sieger-Schule gekürt. Eine Berliner Schule. In seinem Grußwort warb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für Neugier unter den Schülern, aber auch für einen verantwortungsbewussteren Umgang mit Smartphones und Social Media.

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„In diesem Jahr war es unfassbar knapp. So knapp habe ich es in den vergangenen Jahren nicht erlebt“, sagte Michael Brenner von der Heidehof Stiftung, die neben der Robert Bosch Stiftung den Deutschen Schulpreis auslobt, bei der Preisverleihung.
Grundschule aus Pankow gewinnt Hauptpreis des Deutschen Schulpreises
Der mit 100.000 Euro dotierte Hauptpreis ging in diesem Jahr an die Maria-Leo-Grundschule aus Berlin-Pankow. Sie hat durch ihr besonderes Konzept überzeugt und sei ein Beispiel für die „Schule der Zukunft“, von der andere lernen könnten, hieß es aus der Jury. Die 385 Schülerinnen und Schüler werden in Lernhäusern oder -dörfern unterrichtet. Untergebracht ist die Schule in einem sogenannten Compartment-Haus. Statt einzelner Klassenräume gibt es großzügige Foren mit verschiedenen Sitzmöglichkeiten. So kann in unterschiedlichen Konstellationen und Gruppen gearbeitet werden.
Von der ersten bis zur dritten Klasse werden die Kinder gemeinsam von einem meist festen Pädagogen-Team betreut. Ab der vierten Klasse wechseln sie das Lernhaus, bis sie schlussendlich eine weiterführende Schule besuchen. Kinder dürfen selbstständig lernen, wie bei der Verleihung zu erfahren war. Sie dürfen mitentscheiden, was und wie gelernt werde.
„Kinder sollen ihren Weg selbst planen“
„Wir sind davon überzeugt, die Kinder sind erfolgreich, wenn sie ihren Weg selbst planen dürfen“, so Schulleiterin Sandra Scheffler. Damit geht auch eine Abkehr vom reinen Frontalunterricht einher. Betreut wird durch mehrere Lehrerinnen und Lehrer. Gleichzeitig bekommen in der Mario-Leo-Grundschule alle eine Aufgabe. So entstehen Rollen, wie beispielsweise der „Kinderhausmeister“.

Scheffel empfindet besonders die persönliche Beziehung zu den Kindern als wichtig. Aus diesem Grund begrüßt sie alle Schülerinnen und Schüler einmal in der Woche persönlich am Eingang, wie sie in einem Image-Film über die Schule berichtet. Sie hofft auf weitere Nachahmer dieses Modells von Schule. „Man muss ein bisschen mutig sein, das eine oder andere aufzubrechen. Und das haben wir gemacht“, sagte die Schulleiterin bei der Preisvergabe.
Weitere fünf Schulen erhalten Preise
Zu den weiteren fünf Preisträgern gehören die Jenaplanschule Weimar – Staatliche Gemeinschaftsschule, die Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck, die Questenberg-Grundschule Meißen, die Deutsche Internationale Schule Tbilissi, Georgien, und die Schule An der Burgweide in Hamburg. Sie erhalten eine Siegprämie von jeweils 30.000 Euro.
Für den Schwerpunkt „Demokratiebildung“ wurde zudem ein Sonderpreis ausgelobt. Dieser ging in diesem Jahr gleich an drei Schulen: die Ernst-Reuter-Gemeinschaftsschule in Karlsruhe, die Schule An der Burgweide in Hamburg und das Evangelische Schulzentrum Muldental in Großbardau. Auch für diesen Themenpreis nehmen die Einrichtungen jeweils 30.000 Euro Preisgeld mit nach Hause. Partner dieses Preises sind die ARD und die Zeit Verlagsgruppe.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wollte den Kindern Mut machen, an sich selbst zu glauben und neugierig zu bleiben. Er kritisierte jedoch, dass im Bildungssystem noch immer nicht alle Kinder die gleichen Chancen haben. „Die Zukunft eines Kindes hängt viel zu sehr davon ab, in welchem Stadtviertel es aufgewachsen ist oder ob die Eltern einen Abschluss haben“, sagte Steinmeier. Das habe sich nicht geändert. „Wir müssen also noch mehr tun, damit wirklich jedes Kind von Anfang die Unterstützung bekommt, die es für eine gerechte Bildungschance benötigt.“
Bundespräsident Steinmeier wirbt für Smartphone-freie Schulen
Steinmeier sieht ein Kernproblem in der starken Nutzung sozialer Medien heutzutage. „Sie haben inzwischen den größten Einfluss auf die Kinder, mehr als Schule und Eltern“, so der Bundespräsident. Er unterstützte deshalb, dass an Schulen über Nutzungsbeschränkungen diskutiert wird. Es genüge aber nicht, diese nur an Grundschulen einzuführen. Er verlangte zudem mehr Verantwortung von Betreibern der sozialen Kanäle, die auf Fälle von Lügen, Verschwörungstheorien und Hetze reagieren müssten.
Für den Themenbereich „Demokratiebildung“ gab es in diesem Jahr einen Sonderpreis. Dazu merkte Steinmeier an: „Demokratie ist kostbar, aber sie ist auch zerbrechlich. Sie hat Feinde.“ Er warb deshalb für den Schutz der und Engagement für die Demokratie.
Mehrstufiges Auswahlverfahren beim Deutschen Schulpreis
Ebenfalls unter den Nominierten war der Campus di Monaco in München, die Gemeinschaftsschule Gebhard Konstanz, die Elisabeth-von-Thadden-Schule in Heidelberg, die Friedensschule Osnabrück, die Anne-Frank-Gesamtschule in Havixbeck, die Green Gesamtschule in Duisburg, die Grundschule Zum Striedt Wemmetsweiler, die Lyonel-Feininger-Gymnasium Halle und die Grace-Hopper-Gesamtschule aus dem brandenburgischen Teltow.
Ausgewählt worden war die Grundschule über ein mehrstufiges Auswahlverfahren, zu dem eine schriftliche Bewerbung, Interviews sowie eine zweitägige Hospitation der Jury-Mitglieder gehört. Für Berlin ist es der erste Hauptsieg. Mehrfach räumte die Hauptstadt in den vergangenen Jahren bei den Nebenpreisen ab.
Der Schulpreis geht schon jetzt in die nächste Runde. Bis zum 31. Januar können sich allgemeinbildende und berufsbildende Schulen in staatlicher oder privater Trägerschaft dafür bewerben. Gesucht werden auch diesmal Einrichtungen, die Schule mit „Mut, Haltung und Ideen“ gestalten. Mehr Informationen unter www.deutscher-schulpreis.de.





