Seltene Einblicke bei der BVG: Während die sensible Technik der Berliner Verkehrsbetriebe normalerweise lieber unter Verschluss gehalten wird, durften zuletzt Medienvertreter ganz nah ran. Unter der Erde, am Ende von katakombenartigen Gängen, war die alte und neue Stellwerktechnik der U-Bahn-Linie U2 am Alexanderplatz in Berlin-Mitte präsentiert worden. Die elektronische Anlage soll die gut 40 Jahre alte Relais-Technik schon bald ablösen. Die Umstellung ist für die Herbstferien geplant. Das hat jedoch Auswirkungen auf den U-Bahn-Verkehr.

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Zu erreichen sind neues und altes Stellwerk über die Zwischenebene im U-Bahnhof. Gestattet ist der Zutritt zu den Technikräumen der BVG normalerweise nur den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es gelten besondere Schutzvorkehrungen, um die „kritische Infrastruktur“ zu schützen. Während von außen das Grummeln der Züge auf den Gleisen zu hören ist, lassen sich tief im Verborgenen an diesem Tag altes und neues Stellwerk der Linie U2 besichtigen. Es übernimmt auf dem Abschnitt zwischen Rosa-Luxemburg-Platz und Spittelmarkt wichtige Aufgaben.

U-Bahn-Verkehr in Berlin: Stellwerk ist Gehirn der Zugsicherung

Besuch des alten und neuen U-Bahn-Stellwerks Alexanderplatz
Was historisch anmutet, ist häufig noch Stand der Technik bei der BVG. Wie Ramon Uhrhan, Sachgebietsleiter der BVG, jedoch berichtet, werden nach und nach alle alten Relais-Stellwerke wie dieses gegen elektronische ausgetauscht.© Soeren Stache/dpa | Soeren Stache

Denn ein Stellwerk ist eine zentrale Einheit im Bahnverkehr, wie BVG-Vorstandsvorsitzender Henrik Falk am Montag berichtet. Es lässt sich in etwa mit dem Gehirn der Zugsicherung vergleichen. Über die Anlage werden die Signale und Weichen angesteuert und Fahrwege freigehalten. „Wir sichern so den Betrieb für die nächsten Jahre“, so Falk. Mehr Zuverlässigkeit durch moderne Technik lautet das Credo. Mithilfe des neuen Stellwerks will die BVG auch ein altes Ziel wieder erreichen: Der Vier-Minuten-Takt soll ab Januar 2026 bei der U2 zurückkehren.

Erfolge konnte die BVG bereits mit der Einführung neuer Züge feiern. Auf den Linien U1 bis U4 sind seit Kurzem neue Kleinprofilzüge unterwegs. In der vergangenen Woche konnte man so eine Zuverlässigkeit von 95 Prozent erreichen. Das große Ziel bei der BVG sind laut Henrik Falk jedoch 99 Prozent. Wie das Unternehmen angekündigt hat, sollen die neuen Züge ab Oktober auch auf der Linie U3 unterwegs sein. Bis zum Jahresende könnten bei der U2 140 neue Wagen im Einsatz sein.

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Während die alte Technik unter Klackern und Klicken die letzten Tage seines Dienstes seit 1985 angetreten hat, steht die neue schon bereit. Deutlich platzsparender kommt es einer Serveranlage gleich und erledigt alles auf rein elektronischem Weg. Denn die Bedienung über einzelne Relais ist nicht mehr zeitgemäß. Die Technik ist verschleißanfällig. Zudem werden Ersatzteile von Zeit zu Zeit knapp. Die allermeisten Stellwerke haben 2040 ihre maximale Nutzungsdauer erreicht.

BVG: Mehr Moderne, weniger störanfällig

Besuch des alten und neuen U-Bahn-Stellwerks Alexanderplatz
Das Relais-Stellwerk für die U-Bahn-Linie U2 im Bahnhof Alexanderplatz in Berlin-Mitte nimmt einen großen Raum ein.© Soeren Stache/dpa | Soeren Stache

Mit mehr Modernität erhofft sich die BVG weniger störanfällig zu sein. Da computerbasierte Technik wiederum Cyberangriffen ausgesetzt sein kann, investiere man zudem in einen möglichst großen technischen und physischen Schutz der neuen Anlagen. Die Probleme, die in den vergangenen Monaten durch kaputte Stellwerkstechnik bei der S-Bahn zu Ausfällen geführt hatten, gebe es jedoch bei der BVG in diesen Ausmaßen nicht.

Dort kämpft die Deutsche Bahn derzeit mit bis zu 300 Störfällen pro Tag. Während sich Probleme durch kaputte Signale, Stellwerke, Weichen oder Fahrzeuge recht zügig beheben lassen, sind andere Ursachen für Störungen nicht so leicht ausfindig zu machen und zu reparieren. Die Bahn hatte S-Bahn-Nutzer deshalb darauf hingewiesen, dass sich auch in den nächsten Monaten immer wieder Verspätungen und Ausfälle in den Alltag mogeln werden.

BVG: 35 Stellwerke im gesamten Berliner U-Bahn-Netz

Das Stellwerk der U2 ist nur eines von 35 im gesamten U-Bahn-Netz. „Davon sind bislang 13 digital“, berichtet Ramón Uhrhan, Sachgebietsleiter bei der BVG und zuständig für die Stellwerkstechnik. Allein auf der Linie U2 gibt es sechs Stellwerke, zwei davon wurden schon umgebaut. „Alle werden nach und nach umgestellt“, sagt Uhrhan.

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Da jedoch mit Kosten zwischen zehn und 20 Millionen Euro pro Stellwerk gerechnet werden muss, seien dies Investitionen, die über die nächsten Jahre verteilt getätigt werden. Die Umstellung der Stellwerke ist dabei Teil der BVG-Strategie hin zu einer Teilautomatisierung. „Was heute Menschen machen, soll automatisch erfolgen“, so Henrik Falk. Auf den Personalbedarf werde dies keinen Einfluss haben. Er berichtet am Montag von vollen Ausbildungsklassen bei der BVG.

U2-Abschnitt in den Herbstferien gesperrt – SEV im Einsatz

Besuch des alten und neuen U-Bahn-Stellwerks Alexanderplatz
Das neue Stellwerk kommt deutlich platzsparender daher. © Soeren Stache/dpa | Soeren Stache

Doch die Inbetriebnahme des neuen Stellwerks geht mit einigen Umbauten an der Strecke einher. Signale, Kabel und Stellrechner müssen getauscht werden. Nach und nach wird auf die moderne Technik umgestellt. Eine „enorme ingenieurtechnische und betriebliche Herausforderung“, heißt es von der BVG. Diese geht wiederum mit Einschränkungen für die Fahrgäste einher.

In den Herbstferien 2025 wird die Linie U2 zwischen Senefelder Platz und Stadtmitte nur mit einem Schienenersatzverkehr durch Busse befahren,
In den Herbstferien wird die Linie U2 zwischen Senefelder Platz und Stadtmitte nur mit einem Schienenersatzverkehr durch Busse befahren.© Berliner Morgenpost Infografik/BVG | C. Schlippes /BVG

Wegen der Inbetriebnahme ist die U2 ab dem 20. Oktober zwischen Senefelderplatz und Stadtmitte für rund zwei Wochen gesperrt. Bis zum 2. November fährt auf dem Abschnitt ein Ersatzverkehr mit Bussen, wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mitteilten. Zur Verbesserung des Takts investiert das Unternehmen auch in neue U-Bahn-Züge, von denen derzeit einer pro Woche neu ausgeliefert wird. Ein Zug umfasst acht Wagen.

mit dpa