Es ist ein prestigeträchtiger Ansiedlungserfolg für die deutsche und Berliner Wirtschaft: Das US-amerikanische Unternehmen „Planet Labs“ will künftig Kleinstsatelliten in der Hauptstadt bauen. Das gaben Forschungs- und Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Berlin bekannt. Mit dem 45 Millionen schweren Investment verdoppelt das Unternehmen seine Produktionskapazitäten. 70 Arbeitsplätze sollen entstehen.

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Wo genau Planet Labs seine Produktion in Berlin hochfahren möchte, wurde am Donnerstag nicht bekannt. Offiziell hieß es, drei Gelände seien in der engeren Auswahl. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat sich das Unternehmen allerdings bereits für einen Ort entschieden. Demnach muss nur noch geprüft werden, ob Vibrationen, die durch Verkehr auf den angrenzenden Straßenbahnschienen entstehen, der filigranen Satelliten-Produktion im Weg stehen.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), CEO von Planet Labs Will Marshall und Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) bei der Ankündigung der neuen Produktionsstätte in Berlin.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), CEO von Planet Labs Will Marshall und Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) bei der Ankündigung der neuen Produktionsstätte in Berlin. © AFP | John Macdougall

Planet Labs, dessen Hauptsitz in San Francisco liegt, ist bereits seit elf Jahren auch in Berlin tätig, aktuell mit rund 150 Mitarbeitern. Im Juli 2015 kauften die Amerikaner den insolventen Anbieter „RapidEye“ auf, ein in Berlin ansässiges Unternehmen, das Erdbeobachtungsbilder von Satelliten angeboten hat. Solche Bilder liefert auch Planet Labs mit seinen Tausenden Kleinstsatelliten im All. Ausgestattet mit einer Kamera können sie innerhalb von 24 Stunden jeden Punkt der Erde einmal abfotografieren. Vom Berliner Kudamm aus kontrolliert das Unternehmen die Umlaufbahnen seiner Satelliten und steuert sie nötigenfalls um.

„Für Kleinstsatelliten ist Berlin weltweit der Standort Nummer Eins“

Die Bilder, die die Satelliten liefern, sind wichtig für die Landwirtschaft oder den Umweltschutz, genauso für die Klima- und Wetterforschung. Die potenziellen Anwendungsfelder sind riesig. Auch für Verteidigungszwecke können sie genutzt werden. Beispielsweise um feindliche Truppenbewegungen zu dokumentieren und Stellungen auszuspähen. So werden die Bilder von Planet Labs etwa von der Ukraine im Krieg gegen Russland verwendet.

Dass die Wahl für einen zweiten Produktionsstandort außerhalb der USA auf Berlin fiel, sei kein Zufall, meint Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner und damit oberster Wirtschaftsförderer in der Hauptstadt. „Für Kleinstsatelliten ist Berlin weltweit der Standort Nummer Eins“, sagte Franzke der Berliner Morgenpost. „Wir haben das nötige Expertenwissen für Deeptech in der Stadt.“

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In der Szene wird insbesondere die Bedeutung der Technischen Universität (TU) und deren Expertise in Sachen Raumfahrttechnik betont. Die Universität bringt viele Talente und Ausgründungen hervor – und schießt immer wieder auch Satelliten ins All. Das produktive Ökosystem für Kleinstsatellitenhersteller in Berlin dürfte, neben der Vermittlung durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Bundes (GTAI), bei der Ansiedlung von Planet Labs geholfen haben.

Will man in Europa mit eigenen Satelliten unabhängiger von den USA werden?

Die Entscheidung, außerhalb der USA einen zweiten Produktionsstandort zu eröffnen, dürfte unter anderem aber auch darauf zurückzuführen sein, künftig potenzielle Partner, die unabhängig von den Vereinigten Staaten auf Satelliten zugreifen möchten, beliefern zu können. Der Ansiedlungserfolg für die Berliner Wirtschaft würde sich damit einordnen in die Versuche, Europa resilienter zu machen. Im April hatte das „Handelsblatt“ über Pläne der Bundeswehr berichtet, ein eigenes Satellitennetz aufzubauen.

Der Chef von Planet Labs, Will Marshall, wollte zur militärischen Nutzbarkeit der Satellitenbilder seines Unternehmens am Donnerstag auf Nachfrage allerdings keine Stellung nehmen. „Einfach gesagt: Europa braucht seine eigenen Augen und es braucht sie jetzt“, teilte er aber mit.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) auf ihrer Japan-Reise mehrfach die wachsende Bedeutung des Themas Sicherheit und Verteidigung betont – auch für die Berliner Wirtschaft. „Es rückt mehr und mehr in den Fokus, dass wir angreifbar sind“, sagte Giffey der Berliner Morgenpost in Tokio. Die Produktion von sogenannten Dual-Use-Gütern, die sowohl zivil als auch militärisch nutzbar sind, werde „massiv zunehmen“ in Berlin. „Das wird ein Wachstumsfaktor“, sagte die Sozialdemokratin.

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