Berlins zweiter zoologischer Garten in Friedrichsfelde ist schon lange ein Sorgenkind. Die Finanzlage des Tierparks in Friedrichsfelde war schon immer deutlich kritischer als die des Zoos in der West-City. Die Maul- und Klauenseuche, die im Januar in Brandenburg ausgebrochen war, hat die schwierige Lage nun abermals verschärft.

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Als im Januar in einer Herde Wasserbüffel in Hönow (Landkreis Märkisch-Oderland) in Brandenburg die für Tiere gefährliche Maul- und Klauenseuche auftrat, musste der Tierpark schnell reagieren. Das Gelände in Friedrichsfelde lag innerhalb des ausgerufenen Sperrbezirks.

Mit seinen vielen Paarhufern ist der Tierpark der größte Halter von potenziell durch das sehr ansteckende Virus bedrohten Tiere. Da war es klar, dass der Tierpark geschlossen wurde, um die Rinder, Büffel, Antilopen und Giraffen vor der Seuche zu schützen. Das geschah am 10. Januar, bis Ende Februar war alles dicht. Teile des Parks, so die Himalaya-Landschaft, die Hirsche und die Streichelzoos, mussten bis zu den Osterferien geschlossen bleiben.

Die Schließung wegen des Tier-Virus kostete 700.000 Euro dringend benötigter Einnahmen

Zwar ist es gelungen, die Tiere zu retten. Aber wirtschaftlich sind die Folgen für den ohnehin wirtschaftlich angeschlagenen Tierpark sehr ernst. So schildert es ein Bericht der Senatsfinanzverwaltung an den Hauptausschuss. 700.000 Euro Einnahmen aus Eintrittsgeldern und anderen Quellen sind dem Tierpark wegen der Maul- und Klauenseuche entgangen. Denn die Gastronomie lag still, die Shops mussten schließen, auch die Tierpark-Verwaltung war lange nur für wenige ausgewählte Personen zugänglich.

Erhebliche Aufwendungen führten auf der anderen Seite zu höheren Kosten. So mussten die Tiere untersucht und beprobt werden. Hygienemaßnahmen für Beschäftigte und Mitarbeiter der auf dem Gelände tätigen Baufirmen gingen bis zur Teil-Wiedereröffnung Ende Februar zusätzlich ins Geld, der Tierpark gibt die mehrkosten mit 64.000 Euro an. Auch später habe es in den Tierpark-Restaurants nur ein eingeschränktes Angebot an Fleisch- und Molkereiprodukten gegeben.

Auch ohne die Maul- und Klauenseuche war für 2025 ein Defizit eingeplant

Immerhin sei es den Tierpark-Managern gelungen, Regressforderungen der Gastronomen und der Bauunternehmen abzuwenden, schreibt Finanz-Staatssekretär Wolfgang Schyrocki an die Abgeordneten. Insgesamt werde die Maul- und Klauenseuche das Jahresergebnis 2025 des Tierparks mit 459.000 Euro belasten. Zwar sei es gelungen, mehr Spenden einzuwerben, die das Minus jedoch nicht ausgleichen können.

Diese knappe halbe Million Euro erscheinen angesichts eines Jahresbudgets von 25 Millionen Euro nicht wie eine unbeherrschbare Summe. Aber die Verluste treffen den Tierpark in einer ohnehin prekären Lage. Für das laufende Jahr war schon ohne die Seuche ein Defizit von 434.000 Euro vorgesehen. Das wäre noch vergleichsweise wenig, denn auch 2024 steckte der Tierpark schon tief in den roten Zahlen. Das Defizit lag bei 1,8 Millionen Euro. Vom Land bekommt der Tierpark pro Jahr 6,6 Millionen Euro, hinzu kommen Fördermittel für Investitionen.

Die Lage ist ernst: Eine Trendwende ist nicht in Sicht, so der Tierpark

Dass das laufende Jahr nun mit einem Minus von einer knappen Million enden könnte, ist nach Schilderung des Finanz-Staatssekretärs auch nur noch ein frommer Wunsch. „Da der tatsächliche Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2025 aufgrund des ungünstigen Wetters sowie der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei, könne nicht mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass diese Entwicklung trotz eingeleiteter Gegenmaßnahmen im weiteren Jahresverlauf vollständig aufgeholt werde und das Planergebnis erreicht werden könne“, werden in der Antwort die Angaben des Tierparks wiedergegeben.

Bisher war es stets gelungen, die Verluste im Betrieb durch Rücklagen auszugleichen, die sich vor allem aus Erbschaften und Spenden speisen. Aber dieses Polster schrumpft. Laut Wirtschaftsplan hatte die Tierpark Berlin-Friedrichsfelde GmbH 2024 noch 6,8 Millionen Euro auf der hohen Kante. Diese Reserven sollen planmäßig jedoch schrumpfen, denn auch für die nächsten beiden Jahre werden Verluste erwartet, insgesamt 1,3 Millionen Euro. Eine Trendwende sei nicht zu erkennen, heißt es im Bericht. 2027 sollen die Rücklagen nur noch 5,1 Millionen Euro betragen.

Ein weiteres Problem ist, dass die Rücklagen ursprünglich nicht zum Ausgleich laufender Defizite, sondern für Investitionen in die Zukunft des Tierparks gedacht waren. Nun fehlten Eigenmittel für laufende und zukünftige Bauvorhaben, heißt es. Es sei „davon auszugehen, dass sich die negative Tendenz fortsetzen werde, sofern nicht tiefergreifende Maßnahmen ergriffen werden“.