Liebe Leserin, lieber Leser,
entsteht mitten in Berlin ein neuer Angstraum? Das haben wir uns am Wochenende in der Redaktion gefragt. Zuvor war es am Freitagabend erneut zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Personengruppen gekommen. Ein 20-jähriger Mann aus Syrien wurde mit einem spitzen Gegenstand so schwer verletzt, dass er schließlich im Krankenhaus starb.

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Am Sonntag hat sich unser Kollege Dennis Meischen noch einmal am Tatort umgesehen. Einen Tag zuvor zeugten eine Blutlache, leere Verpackungen von Verbänden, Kompressen, Einweghandschuhe und die Deckel von Kanülen von der vorangegangenen Auseinandersetzung und der verzweifelten Rettungsaktion der alarmierten Kräfte. Am Sonntag hingegen ließen sich nichtsahnend Touristengruppen die Geschichte des Humboldt Forums, des Doms und der Museumsinsel erklären. Passanten entspannten auf Bänken und Stühlen an der Spree. Obdachlose suchten in Mülleimern nach Pfandflaschen.

Bei der Schlägerei waren drei Männer syrischer Herkunft von einer aus etwa 15 Menschen bestehenden Gruppe Afghanen angegriffen worden, fasst Dennis Meischen zusammen. Die zwei weiteren Männer aus der kleineren Gruppe im Alter von 22 und 23 Jahren wurden dabei leicht verletzt, der dritte erlag seinen Verletzungen. Ob es einen Zusammenhang zu einer ähnlichen Schlägerei vor knapp drei Wochen am Humboldt Forum in Mitte gibt, wird derzeit überprüft. Auch damals hatten sich Syrer und Afghanen angegriffen.
Die Tat geschah um 19.35 Uhr. Zu einer Zeit also, als durchaus noch viele Menschen in der Nähe unterwegs waren. Selbst spät am Abend gehen noch viele Touristen und Berliner an diesem Ort spazieren. So wie ich zum Beispiel. Nie würde mir dabei in den Sinn kommen, dass es in dieser Umgebung zu so schweren Gewalttaten kommen könnte.
Doch so normal die Szenerie auch am Sonntag wirkte, hinter den Kulissen ist man alarmiert. Eine Sprecherin der Stiftung Humboldt Forum (SFH) teilte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag mit, es würden zusätzliche Maßnahmen geprüft, um die Sicherheit in der Umgebung des Hauses zu erhöhen. Die Angriffe stünden aber nicht im Zusammenhang mit dem Humboldt Forum.
Die Stiftung stehe dennoch in engem Austausch mit der Polizei, aber auch mit Partnern und Akteuren in der Nachbarschaft, um die Entwicklung im Umfeld aufmerksam zu begleiten. Weitere Maßnahmen wurden diskutiert. „Das Humboldt Forum versteht sich als lebendiges und offenes Stadtquartier. Der öffentliche Raum am und im Humboldt Forum soll für alle Menschen sicher, offen und attraktiv bleiben.“
Damit schlagen Stiftung und Polizei den Weg ein, den auch Pascal Biedenweg, Mitglied der Chefredaktion, in seinem Kommentar forderte: mehr Prävention, mehr sichtbare Sicherheit. Und schränkt ein: „Aber auf Dauer reicht das nicht. Wer nur Präsenz zeigt, schiebt das Problem von Platz zu Platz. Berlin muss Härte zeigen, wo Regeln gebrochen werden, und zugleich mit klarer Präventions- und Integrationsstrategie verhindern, dass neue Brennpunkte überhaupt entstehen.“
Was sonst noch wichtig ist
Entlastung für die Sozialämter: Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) will die überlasteten Sozialämter entlasten. 155 befristete Stellen stünden bis Ende 2025 weiterhin zur Verfügung. Zudem soll es bis Jahresende eine Zielvereinbarung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Sozialämtern geben. „Wir kommen voran“, gab sich Kiziltepe im Interview mit Hans Cord Hartmann zuversichtlich. Was sie zur sozialen Lage in der Stadt sagte, über notwendige Reformen und die Unterbringung von Flüchtlingen, lesen Sie hier.
Insolvenzen auf Rekordhoch: So ist die Lage im Berliner Baugewerbe: Im Jahr 2024 wurden insgesamt 252 Insolvenzen registriert, der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Das geht aus den aktuellen Daten der Insolvenzstatistik für das Baugewerbe in Berlin und Brandenburg hervor, die vom Landesamt für Statistik Berlin-Brandenburg für die Jahre 2015 bis 2025 veröffentlicht wurden. Auch das erste Quartal 2025 gibt mit 68 Fällen wenig Anlass zu Optimismus, schreibt Bauexpertin Isabell Jürgens.

Lost Place weckt Erinnerungen: Zwei Becken, Architektur-Stile quer durch ein Jahrhundert – und was noch? Sehr viel! An das seit 2017 geschlossene Baerwaldbad in Berlin-Kreuzberg sind reichlich Erinnerungen geknüpft, auch Enttäuschungen, teils ganz gewagte Pläne und immer wieder. Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag hat sich Kreuzberg-Reporter Patrick Goldstein in dem Gebäude umgesehen.
Kommen Sie gut in die neue Woche!
Herzlich Ihre
Heike Dietrich
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