Liebe Leserin, lieber Leser,

in Berlin haben selbsternannte Weltrevolutionäre Strommasten angezündet – und ein Bekennerschreiben hinterhergeschickt. Ihr angebliches Ziel: den Hightech-Standort Adlershof lahmlegen. Das Ergebnis: 50.000 Haushalte im Dunkeln, gestörter Notruf, auftauende Tiefkühlkost. Getroffen hat es also nicht „das System“, sondern ganz normale Berliner Bürgerinnen und Bürger.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

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Die Täter schwadronieren vom „militärisch-industriellen Komplex“. Klingt nach Marx-Seminar mit zu viel Mate-Tee und entpuppt sich als Feuerwerk im Sandkasten. Wer denkt, er könne Geschichte schreiben, indem er Nachbars Netflix lahmlegt, braucht dringend Nachhilfe in Realpolitik.

Und während die Hobby-Revolutionäre vom großen Umsturz träumen, schieben Feuerwehr und Polizei Überstunden. Die Politik schickt Lautsprecherwagen durch die Straßen. Fazit: viel Rauch, viel Ärger, null Revolution. Der einzige echte Blackout ist im Kopf der Täter.

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Ihr Berlin-Tipp

Wo schmeckt der Kaffee am besten? In welchem Kiezversteck gibt es das beste Feierabendbier? Und wo zeigt sich Berlin von seiner schönsten, schrulligsten oder überraschendsten Seite? Alles wichtige Fragen, die Sie nun beantworten können. Der heutige Tipp kommt von Maike aus Friedrichshain:

„Die Insel der Jugend im Treptower Park ist mein Ort in Berlin. Über die kleine Brücke erreicht man einen Biergarten direkt an der Spree – perfekt zum Abschalten und den Sonnenuntergang genießen.“

Und jetzt sind Sie gefragt: Schreiben Sie mir Ihren ganz speziellen Tipp – ob Lieblingsplatz, Geheimadresse oder Alltagsflucht – an spaeti@morgenpost.de. Ihre Einsendungen stelle ich hier im Newsletter vor.

Die Themen des Tages

• Vor dem LAP-Coffeeshop in der Rosenthaler Straße bildet sich am Morgen eine lange Schlange. Bei „Life Among People“, wie die Kette sich nennt, gibt es nichts, was es nicht bei Starbucks oder anderen Coffeeshops auch gibt. Sitzplätze sind rar, die Auswahl ist überschaubar, der Kaffee kommt aus dem Vollautomaten. In unmittelbarer Nähe befinden sich zahlreiche andere Coffeeshops, wie das St. Oberholz, das Acid Mitte, die Röststätte Berlin oder Giacomo Vogels „What do you fancy Love?“ in der Linienstraße. Trotzdem stehen die Leute vor der kleinen LAP-Filiale Schlange. Der Knackpunkt ist der niedrige Preis: 2,50 Euro für einen Cappuccino ist in Berlin ziemlich unschlagbar. Der Espresso kostet nur 1,50 Euro, der Americano 2 Euro. Doch ist der Preis das einzige Auswahlkriterium? Meine Kollegin Iris May hat sich bei Kundinnen und Kunden umgehört.

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• Wie gut oder schlecht eine Familie finanziell aufgestellt ist, hat eine große Auswirkung auf den Kita-Besuch der Kinder in dieser Familie: Kinder aus sozio-ökonomisch schwachen Familien besuchen seltener einen Kindergarten als gleichaltrige Kinder aus wohlhabenderen Familien. Das zeigt der aktuelle Bericht zu Armut und Kita-Betreuung des Paritätischen Gesamtverbandes. Meine Kollegin Nicole Dolif hat den berichtet.

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• Im Jahr 2023 nahmen mehr als 14.000 Menschen in Berlin eine Ausbildung auf. Einer von ihnen war Paolo. Industriekaufmann. Dafür zog er aus dem Süden extra in die Hauptstadt. „Aus Aschaffenburg“, sagt er, wobei das Mainländische noch leicht durchklingt. Der Umzug in die Metropole und der neue Job waren für ihn jedoch bei weitem nicht die größte Zäsur der jüngeren Vergangenheit. „Im Sommer 2024 habe ich auch meinen Herzschrittmacher bekommen“, sagt Paolo. Im Sommer 2024 war Paolo 22 Jahre alt. Gesundheitliche Einschränkungen hatte Paolo bis dahin nicht – oder zumindest selten. Meinem Kollegen Philipp Siebert hat er seine Geschichte erzählt.

Jetzt kommt noch Kasupke ...

... der über seine Frau nachdenkt, die nun eine Basilikum-Zucht aufmacht:

„Trude is jetz unta die Züchta jejangen. Nee, nich Karnickel oda Tauben, sondan sie macht in Basilikum. Neulich hat se jelesen, wie man den so schneidet, det man nich imma jleich die janze Pflanze innen Müll kloppen muss, wenn se halb abjezupft is. Na, und weil det fällich war und wir aba jrade keene Lust uff Pesto oda sowat hatten, hat se die Stengel in een Jlas mit Wassa jestellt. Wunda der Natur: Die ham Wurzeln jebildet. Und nu hat Trude die eenjeflanzt. Ick find sowat supa, endlich ma nich Wechwerfjesellschaft. Und wenn wa uff Rente sind, könnwa uns mit unsrem Basilikum noch wat dazu verdienen.“

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Und damit Schluss für heute. Ob LAP-Café oder Strommasten – ich hoffe, es war etwas für Sie dabei. Wenn ja: Dann lesen wir uns morgen wieder im „Morgenpost Späti“. Schreiben Sie mir, wenn Sie Fragen, Tipps oder Lieblingsorte haben. Und denken Sie dran: Wer den Späti liest, ist klar im Vorteil.

Herzliche Grüße!

Ihr Pascal Biedenweg

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