An ihrem dritten Ausbildungstag stehen sechs neue Azubis des Tierparks in der Giraffenlodge. Die Holzkonstruktion ist wie eine Tribüne in das Gehege der Giraffen gebaut, sodass man den Tieren ausnahmsweise mal auf Augenhöhe begegnen kann. Giraffe Paula frisst den Azubis ein Knäckebrot nach dem anderen aus der Hand, die Jugendlichen haben sichtlich Spaß.

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Andere haben es schwerer: Denn nicht alle, die in diesem Jahr eine Ausbildung in Berlin beginnen wollen, haben zum Start des Ausbildungsjahres bereits einen passenden Betrieb gefunden. „Die aktuellen Zahlen sind besorgniserregend“, sagte Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD). „Das Angebot ist im Vergleich zur Nachfrage unzureichend.“
Ausbildung in Berlin: In einigen Bereichen „viel, viel mehr“ Interessierte als offene Stellen
Aktuell sind bei der Arbeitsagentur 4500 Ausbildungsstellen unbesetzt – 7800 Bewerber suchen aber noch einen Platz. Besonders groß sei die Diskrepanz im Bereich Heizung, Sanitär, Klima, ergänzte Ramona Schröder, Vorsitzende der Berufsagentur für Arbeit Berlin-Brandenburg. In diesem Bereich gebe es „viel, viel mehr“ Interessierte als Ausbildungsplätze.
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In anderen Branchen, das zeigen die Zahlen aber auch, gibt es noch Plätze. Immer wieder klagen Unternehmer darüber, dass sie zunehmend Schwierigkeiten haben, passende Bewerber zu finden. In der sogenannten Nachvermittlungsphase haben Betriebe und Auszubildende nun noch zwei Monate Zeit, zueinander zu finden.
„Es geht nichts gegeneinander“: Zoo-Direktor wirbt für Dialog zwischen Politik und Wirtschaft
Im Anschluss werden die Ausbildungszahlen bis zum Ende des Jahres analysiert. Dann haben Betriebe, Gewerkschaften und Politik Klarheit darüber, ob es ihnen gelungen ist, innerhalb von zwei Jahren 2000 zusätzliche Ausbildungsstellen in Berlin zu schaffen. Das hatten sich CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen und dafür mit der Wirtschaft und Arbeitnehmervertretern ein Bündnis für Ausbildung ins Leben gerufen, das die Bemühungen, neue Fachkräfte zu gewinnen, bündeln sollte.
Wenn es nicht gelingt, die 2000 zusätzlichen Stellen bis Ende des Jahres zu schaffen, kommt die Ausbildungsplatzumlage. Das stelle die Arbeitssenatorin erneut klar. Sie wisse zwar, dass die Umlage umstritten sei, der Koalitionsvertrag sei an dieser Stelle jedoch eindeutig, sagte Kiziltepe.

Andreas Knieriem, der als Direktor der Zoologischer Garten AG auch Hauptverantwortlicher für den Tierpark ist und im Präsidium der Industrie- und Handelskammer (IHK) sitzt, wünschte sich von Kiziltepe Kompromissbereitschaft. Politik und Wirtschaft müssen aufeinander zugehen, forderte er. „Es geht nichts gegeneinander“, so Knieriem. Diese Dialogbereitschaft sagte Kiziltepe ihm zwar zu. Wenn die Zahlen nicht stimmen, soll die Quote aber dennoch kommen.
Ausbilder im Tierpark: „Neue Einstellungen zur Arbeit und Belastbarkeit“
Michael Horn hat andere Probleme. Er arbeitet seit 38 Jahren im Tierpark und ist seit zwölf Jahren für die Azubis zuständig. Angesprochen auf kritische Stimmen aus der Wirtschaft, die auf zunehmende Mängel bei grundlegenden Fähigkeiten der Azubis hinweisen, sagt er: „Ja, wir müssen uns an neue Einstellungen zum Leben, zur Arbeit und zur Belastbarkeit anpassen.“

Zu Beginn ihrer dreijährigen Ausbildung im Tierpark fehlen den jungen Menschen zum Beispiel häufig noch bestimmte haptische Fähigkeiten, die früher normaler gewesen seien, sagt er. Horn vermutet, dass das am Smartphone und den Sozialen Medien liegt. Nach der Ausbildung seien die Jugendlichen aber in aller Regel „gestandene junge Menschen“.
Problem Wohnungssuche: Azubi-Werk soll helfen
Einer der neuen Azubis, für die Horn zuständig ist, ist Leonard Schubach (17). „Ich will was mit den Händen machen, was Praktisches“, begründet er seine Entscheidung für die Ausbildung. In der Schule müsse diese Möglichkeit viel stärker vermittelt werden, findet er – nicht immer nur das Studium.

In die Ausbildung startet er im Tierpark gemeinsam mit Amy Stumvoll. Sie hält wenig von der Kritik an der Ausbildungsfähigkeit junger Menschen. „Die meisten, die ich kenne, sind sehr engagiert“, sagt die 17-jährige Chemnitzerin, die noch keine Wohnung in Berlin gefunden hat. Seit März sucht sie erfolglos. Untergekommen ist sie fürs Erste bei einem Verwandten in Eberswalde. Von dort fährt sie jeden Tag zwei Stunden zur Arbeit und zurück.
Senatorin Kiziltepe arbeitet schon länger an einem Azubi-Werk für Berlin, um den nötigen Wohnraum für die Auszubildenden bereitstellen zu können. Aktuell läuft eine Machbarkeitsstudie, die bis zum Ende des Jahres vorliegen soll. Amy Stumvoll hat bis dahin hoffentlich eine Wohnung gefunden.






