Liebe Leserin, lieber Leser,

ich gebe es zu: Ich mag die Selbstbedienungskassen. Kein Stress beim Einpacken, kein gehetzter Blick der Kassiererin oder des Kassierers, wenn ich überlege, ob der Brokkoli in die Kühltasche oder in die Jutebeutel soll. Für viele Großstädter ist Self-Checkout fast schon Wellness – zumindest im Vergleich zur Wocheneinkaufs-Schlange.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

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Aber Wunderkisten sind sie nicht. Mal piept es zu viel, mal zu wenig, manchmal gar nicht – und am Ende muss doch ein Mitarbeiter kommen. Dazu kommt: Manche Kundinnen und Kunden entdecken an den Automaten ihre kreative Seite. Die Bio-Kartoffeln werden plötzlich konventionell, die Schokolade bleibt im Korb – kein Wunder, dass Supermärkte inzwischen mehr Kameras aufhängen als am Alex.

So praktisch die Technik also auch ist: Sie darf nicht das letzte Wort haben. Denn wer schon einmal mit einem Kassierer übers Kochen, den Fußball oder das Wetter geplaudert hat, weiß: Automatisierung spart Zeit – Menschlichkeit macht den Unterschied. Und die sollte beim Einkaufen nicht verloren gehen.

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Ihr Berlin-Tipp

Wo schmeckt der Kaffee am besten? In welchem Kiezversteck gibt es das beste Feierabendbier? Und wo zeigt sich Berlin von seiner schönsten, schrulligsten oder überraschendsten Seite? Alles wichtige Fragen, die Sie nun beantworten können. Der heutige Tipp kommt von Alexandra aus Prenzlauer Berg:

„Für mich eine der schönsten Überraschungen in Prenzlauer Berg: Im Holy Everest gibt es nepalesische Küche vom Feinsten. Unbedingt die Momos probieren – und wer es klassisch mag, nimmt das Dal Bhat. Authentisch, bio und super gemütlich!“

Und jetzt sind Sie gefragt: Schreiben Sie mir Ihren ganz speziellen Tipp – ob Lieblingsplatz, Geheimadresse oder Alltagsflucht – an spaeti@morgenpost.de. Ihre Einsendungen stelle ich hier im Newsletter vor.

Die Themen des Tages

• Schon von weitem ragt das Ideal-Hochhaus in der Fritz-Erler-Allee 120 über die anderen Plattenbauten der Gropiusstadt in Neukölln hinaus. 90,85 Meter, 31 Stockwerke, 228 Wohnungen – Berlins höchstes Wohnhaus. Vor dem Betonriesen torkelt an diesem Morgen eine junge Frau mit wirrem Dutt, dreckigem Pulli und Flip-Flops herum, nennen wir sie Mandy. Sie wohne „ab und zu“ hier, sagt sie. Mandy habe Hausverbot, aber man werde sie nicht los, sagt die Kellnerin in der 24-Stunden-Kneipe am Fuße des Hochhauses. Eine Glasscheibe ist von einem großen Riss durchzogen, aus einer Stereoanlage tönt mit blechernem Sound „Daylight in Your Eyes“ von den No Angels. Es riecht nach Zigarettenrauch und Bier. Ein Geruch, der einem auch beim Betreten des mittleren der drei Fahrstühle entgegenschlägt. Nach 37 Sekunden kommt der Fahrstuhl im 18. Stock zum Stehen. Hinter der rechten Tür, an der ein Blumenkranz hängt, wohnt die 78-jährige Gabriele Werbelow, blonde Haare mit hellen Strähnchen, blauer Lidschatten, goldene Creolen-Ohrringe. Sie erzählt, wie es ist, mehr als 50 Jahre im sozialen Brennpunkt Gropiusstadt zu leben – und es zu mögen. Meine Kollegin Clara Andersen hat sie besucht.

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• Nach jahrelangem Kampf und einem juristischen Hickhack noch am Freitag war es am Samstagnachmittag so weit: Nicht nur in der U-Bahn wurde die „Anton-Wilhelm-Amo-Straße“ anstelle der Mohrenstraße durchgesagt. Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger enthüllte am Nachmittag feierlich und offiziell die umbenannte neue Straße im Zentrum Berlins: Aus der Mohrenstraße ist nun endgültig die Anton-Wilhelm-Amo-Straße geworden. Nicht nur die Black Community feierte dies als großen Sieg. Auch die allermeisten der umliegenden Institute waren sehr glücklich über die vollzogene Umbenennung. Mit afrikanischer Live-Musik und Reden wurde das Ereignis gefeiert. Meine Kollegin Iris May war für Sie vor Ort.

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• Die Berliner Grünen-Fraktion hat in einer ersten Kommentierung der Details des Haushaltsplans die Prioritätensetzung der Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) und der Innensenatorin Iris Spranger (SPD) scharf kritisiert. Es gebe weniger Geld für Verkehrssicherheit, Rad- und Fußverkehr, stattdessen mehr für Straßen- und Brückenbau, beklagen die Verkehrsexpertinnen Antje Kapek und Oda Hassepaß. Trotz steigender Aggressivität und einer steigenden Zahl von Verkehrstoten sei weniger Geld als bisher für die Anschaffung weiterer Blitzer vorgesehen. Auch die Summe der erwarteten Bußgelder von Verkehrssündern setzt Bonde niedriger an als in den Vorjahren. Mein Kollege Joachim Fahrun berichtet.

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Jetzt kommt noch Kasupke ...

... der sich über Renten-Vorschläge ärgert:

„Jedet Mal, wenn der Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaft den Mund uffmacht, kommt da een dusslija Vorschlach raus. Erst willa von den sojenannten Boomern een Soli kassiern, um andan, die nich vorjesorgt ham, die Rente zu finanziern. Und nu fordata een sozialet Pflichtjahr für Rentna! Jeht’s noch? Abjesehn ma davon, det sich da sowieso ville ehrenamtlich engagiern, hat die Jeneration, die jetzt in Rente jeht, ihr Leben lang jearbeetet. Da war nüscht mit Wörk-Life-Balance und Vier-Tage-Woche. Wie wäre det denn mit Sozialdienst für all die arbeetsfähijen Arbeetslosen und Bürjajeld-Empfänga?“

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Und damit Schluss für heute. Ob Gropiusstadt oder Anton-Wilhelm-Amo-Straße – ich hoffe, es war etwas für Sie dabei. Wenn ja: Dann lesen wir uns morgen wieder im „Morgenpost Späti“. Schreiben Sie mir, wenn Sie Fragen, Tipps oder Lieblingsorte haben. Und denken Sie dran: Wer den Späti liest, ist klar im Vorteil.

Herzliche Grüße!

Ihr Pascal Biedenweg

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