In den kommenden Tagen erwartet Berlin die zweite Hitzewelle in diesem Jahr, mehrere Tage hintereinander soll das Thermometer nach Angaben der Meteorologen auf über 30 Grad klettern. Da kommt der Vorstoß von Berlins Linken gerade recht, die nicht nur einen Fünf-Punkte-Plan zur Rettung der Berliner Schwimmbäder beschlossen hat – sondern auch mehr Freibäder in der Stadt fordert. Entstehen sollen sie unter anderem auf den Dächern kommunaler Wohnungsbauvorhaben.

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„Wir schlagen vor, bei der Planung kommunaler Neubauvorhaben neben Schulen, Kitas und ÖPNV-Anbindung auch ein Schwimmbad gleich mitzudenken und eine gemeinschaftliche oder öffentliche Nutzung zu ermöglichen“, sagte die Landesvorsitzende der Linken, Kerstin Wolter. „Wir fordern zudem ein Modellprojekt, um auf Dächern großer Wohnanlagen Schwimmbäder zur gemeinschaftlichen Nutzung zu schaffen, kombiniert mit sozialer Infrastruktur und Nachbarschaftstreffs“, fügte sie hinzu. Vorbild könnten nach ihren Worten Projekte wie der von einem gemeinnützigen Träger betriebene Wohnpark Alterlaa in Wien sein. 

Linke will wohnen mit Swimmingpool
Berlins Linke wünscht sich Schwimmbänder auf dem Dach bei Wohnungsneubauten. Vorbild ist Alterlaa, eine der größten Wohnanlagen Wiens mit 3200 Wohnungen und insgesamt sieben Swimmingpools auf dem Dach.© Philipp Möller | Philipp Möller

In der in den 1970er Jahren errichteten Großsiedlung mit 3200 Wohnungen befinden sich sieben Hallen- und sieben Freibäder, die auf den Dächern der Hochhäuser angeordnet sind. Die Mieter zahlen für Nutzung und Betrieb der Bäder sowie rund zwei Dutzend Saunen einen Obolus über ihre Betriebskosten. Die Dachschwimmbäder gehören zu den Markenzeichen des Architekten Harry Glück (1925–2016), der die Trabantenstadt im Süden Wiens plante. Er wollte damit „Luxus im sozialen Wohnbau“ und der breiten Masse ein „Wohnen wie die Reichen“ ermöglichen, heißt es in einem Bericht des ORF.

Auch die Wiener „Triiiple“-Wohntürme haben Pools auf dem Dach. In Berlin gibt es zwar auch vereinzelte Pools auf den Dächern – doch diese stehen meist nur deren Eigentümern – oder Clubmitgliedern zur Verfügung.

„Bei Berlins landeseigenen Wohnungsunternehmen stößt die Idee jedoch auf wenig Gegenliebe. „Wir halten Dachschwimmbäder auf unseren Neubauten für nicht umsetzbar“, sagte etwa Sabine Pentrorp, Sprecherin der Wohnungsbaugesellschaft Howoge. Das Hauptaugenmerk aller sechs Berliner Wohnungsunternehmen liege darauf, die Baukosten zu minimieren, um so bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das sei angesichts der enorm gestiegenen Baukosten auch ohne Pool auf dem Dach schwer genug.

„Durch einen Pool auf dem Dach erhöhen sich nicht nur die Baukosten, sondern auch die Betriebskosten erheblich“, sagt die Howoge-Sprecherin. Die steigenden Energiepreise würden heute schon viele Mieter extrem belasten, eine Umlage der zusätzlichen Kosten, die ein Dachschwimmbad verursacht, sei daher kaum zu vermitteln.

Noch ablehnender äußert sich die SPD-geführte Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Es wäre hilfreich für die öffentliche Meinungsbildung, wenn bei solchen Vorschlägen auch die Frage beantwortet werden würde, was es kostet und wer es bezahlen soll. Im Vordergrund steht für uns die Schaffung von bezahlbaren Wohnungen“, so Martin Pallgen, Sprecher von Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler.

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Ganzer Bezirk in Berlin ohne Freibad 

Doch den Linken geht es nicht nur um das Bad auf dem Dach, sondern generell um mehr Badestellen für die Öffentlichkeit im gesamten Stadtgebiet. „In Berlin werden mehr Schwimmbäder gebraucht“, sagte Wolter. „Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat kein einziges Freibad.“ Das könne bei der Größe des Bezirks, in dem fast 300.000 Menschen leben, eigentlich nicht sein. „Viele Leute, die im Hochsommer in Berlin Abkühlung suchen, sind genervt. Die Wege zu den Bädern sind oft lang, am Eingang gibt es lange Schlangen und man kommt manchmal gar nicht mehr rein. Das ist einfach ein Problem.“ Hinzu komme, dass Freibäder auch für Kinder wichtig seien, die ja schwimmen lernen müssten.

„Wir brauchen auch mehr Anstrengungen, um wieder Baden in der Spree zu ermöglichen und gleichzeitig die Wasserqualität der Spree zu verbessern“, ergänzte Wolter. „Die Linke unterstützt die Idee eines Flussbads in Mitte. Ich mache selbst am kommenden Dienstag bei der nächsten Mitschwimmdemo gegen das bestehende Badeverbot mit.“

Rund 300 Menschen waren zuletzt im Juni demonstrativ auf Höhe des Schloßplatzes in den Berliner Spreekanal gesprungen – ein Protest gegen das seit einem Jahrhundert geltende Badeverbot. Der Berliner Magistrat hatte 1925 entschieden, die Flussbadeanstalten in Alt-Berlin zu schließen. Grund war die hygienisch fragwürdige Qualität des Spreewassers. Der Verein setzt sich bereits seit Jahren dafür ein, dass Berliner wieder offiziell im Spreekanal baden dürfen.

„Wir erachten das Schwimmverbot keineswegs mehr für zeitgemäß. Wir haben die Möglichkeit, dass wir die Wasserqualität in Echtzeit beobachten können“, sagte Vereinsvorstand und Demo-Veranstalter Jan Edler kürzlich bei der Eröffnung der Freitreppe am Spreekanal zu Füßen den Humboldt Forums.

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Baden in der innerstädtischen Spree ist bislang nur im Badeschiff  im Berliner Ortsteil Alt-Treptow möglich. © picture alliance / IPON | Stefan Boness

„Auch wir wünschen uns einen pragmatischeren Umgang mit der Wasserqualität“, sagte Kerstin Wolter. So sei es etwa möglich, auf einer Anzeigetafel am Spreekanal darauf hinzuweisen, wann da das Wasser zu schmutzig zum Baden sei – etwa nach starken Regenfällen.

Linke in Berlin: „Rote Metropole“ als Vision

Der Co-Landesvorsitzende der Partei, Maximilian Schirmer, wies darauf hin, dass die Schwimmbad-Idee Teil des Linke-Projekts „Rote Metropole“ sei. „Wir wollen versuchen, bis 2040 wirklich mal darüber nachzudenken, wie sähe denn eine Stadt aus, in der es tatsächlich jeden Tag besser wird, die eine Vision wäre und vielleicht auch internationale Strahlwirkung entfaltet.“ Ziel sei, die Lebensqualität in der Stadt zu steigern.

mit dpa