Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bauen in Marienfelde einen Betriebshof für E-Busse – und damit die dringend nötige Infrastruktur für den Betrieb der wachsenden elektrischen Busflotte. 280 E-Fahrzeuge betreibt die BVG schon heute, in zwei Jahren sollen sie rund ein Drittel der insgesamt 1500 Busse ausmachen. Einen speziellen Betriebshof für die elektrisch angetriebenen Fahrzeuge gibt es aber bis heute nicht. „Deswegen war es so wichtig, Ende letzten Jahres zu sagen: Der Fokus, wenn es um Elektromobilität und Infrastruktur geht, ist der Bau der neuen Betriebshöfe“, sagte BVG-Chef Henrik Falk am Freitag bei der Grundsteinlegung für den Standort an der Marienfelder Säntisstraße.

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Rund 60 Jahre ist es her, dass die BVG zuletzt einen Betriebshof für Busse eröffnet hat, damals in Spandau. Um den Nachholbedarf zu decken, wird jetzt in Berlin gleich an mehreren Orten gebaut: Auch für die E-Busbetriebshöfe an der Spree, konkret an der Köpenicker und der Rummelsburger Landstraße, haben die Arbeiten in diesem Jahr begonnen. In Treptow-Köpenick sowie in Marienfelde wird eine Betriebsaufnahme im April 2027 angestrebt. Für beide Standorte ließ sich BVG-Chef Falk am Freitag sogar zu einer Aussage hinreißen, die man sonst im Zusammenhang mit Bauvorhaben selten hört. Mit Blick auf die Fertigstellung in zwei Jahren sagte er: „Das garantiere ich Ihnen.“

BVG legt Grundstein für ersten E-Busbetriebshof in der Säntisstraße
Die Bauarbeiten an der Säntisstraße in Marienfelde haben nach vielen Jahren der Vorbereitung begonnen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Neuer E-Busbetriebshof der BVG für 190 Millionen Euro

Dass Falk auf die pünktliche Fertigstellung des Projekts drängt, in das laut BVG rund 190 Millionen Euro investiert werden sollen, verdeutlicht, wie entscheidend es für die Zukunft des Verkehrsunternehmens ist. „Wir werden sonst nicht in der Lage sein, die Flotte zu betreiben, die Berlin braucht“, so der BVG-Chef. Falk hatte in den vergangenen Monaten schon mehrfach Versäumnisse in dem Bereich der Infrastruktur angesprochen und eine Ursache darin gesehen, dass versucht wurde, zu viele Projekte gleichzeitig zu planen – und damit der Fokus auf das Wichtigste gefehlt hat.

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Auch Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) sagte am Freitag mit Blick auf die Elektromobilität und die Infrastruktur bei der BVG, der Sektor sei „noch nicht so aufgestellt, wie er eigentlich schon aufgestellt sein sollte“. Sie sicherte zugleich zu, dass sowohl im Haushalt als auch im Sondervermögen Infrastruktur Vorsorge dafür getragen werden, dass die BVG ihre Projekte auch finanzieren kann.

In Marienfelde entsteht ein Standort für 220 Elektrobusse

In Marienfelde soll der Betriebshof künftig Platz für rund 220 Elektrobusse bieten, in Treptow-Köpenick werden es etwa 200 sein. Das Laden der Fahrzeuge soll an der Säntisstraße durch Pantografen auf dem Fahrzeugdach automatisiert erfolgen. Neben den Abstellflächen für die Busse und einer Tiefgarage für Mitarbeitende entstehen zwei Werkstatthallen, ein Verwaltungsgebäude, Ladebrücken und separate High-Power-Charger für schnelles und effizientes Laden. Etwa 180 Beschäftigte sollen auf dem 6,6 Hektar großen Areal in Zukunft arbeiten.

Visualisierung neuer Busbetriebshof
So soll der neue E-Busbetriebshof an der Säntisstraße in Berlin-Marienfelde nach seiner Fertigstellung aussehen.© ARGE BVG Säntis | ARGE BVG Säntis

Zum ersten Mal bei der BVG kommt auf dem Gelände auch ein Betriebshofmanagementsystem zum Einsatz. Dahinter steckt ein automatisiertes System, das den Fahrzeugeinsatz, deren Abstellung, Ladevorgänge und Serviceintervalle optimieren soll. Der Busbetriebshof werde deshalb auch „die Messlatte für künftige Projekte neu definieren“, so Falk.

Die Vorbereitung dafür hat allerdings viele Jahre gedauert: Ingo Hiller, Projektleiter der Zech Bau SE, sprach von „16 langen Jahren“ aus Planen und Warten. Zuletzt musste das Projekt demnach noch an verschärfte Regeln des Brand- und Umweltschutzes angepasst werden, für Zauneidechsen musste ein Ersatzhabitat gefunden werden. Nun könne man endlich bauen, so Hiller.

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BVG will insgesamt 1,9 Milliarden Euro in Infrastrukturprojekte investieren

Die Betriebshöfe für E-Busse sind aber nicht die einzigen Bauvorhaben der BVG. Im Juli hat das Unternehmen sein Infrastrukturprogramm für die nächsten fünf Jahre vorgestellt, das zehn Projekte umfasst. 1,9 Milliarden Euro sollen laut BVG bis 2029 investiert werden. Parallel zur Errichtung der neuen Betriebshöfe treibt die BVG für Busse berlinweit den Ausbau der Ladeinfrastruktur voran, etwa durch Ladesäulen an bis zu 36 Endhaltestellen.

Ein Straßenbahnbetriebshof soll demnach ab dem kommenden Jahr in Adlershof gebaut werden und 2030 in Betrieb gehen. Im U-Bahn-Bereich will die BVG Werkstätten modernisieren und ausbauen. Dabei nimmt sie sich mehrere Standorte vor, darunter Grunewald (Machandelweg), Friedrichsfelde und Britz-Süd. Eine Fertigstellung der Projekte wird im Jahr 2029 erwartet. Hinzukommen neue Abstellanlagen für Züge sowie der Neubau des Waisentunnels unter der Spree. Auch diese Vorhaben sind unter anderem mit Blick auf neue Fahrzeuge nötig: Nach den Sommerferien sollen die ersten U-Bahnen auf der Linie U2 in den Fahrgastbetrieb gehen, bei der Straßenbahn läuft der Testbetrieb mit neuen Trams.