Die große Silvesterparty am Brandenburger Tor gilt seit Jahren als eines der bekanntesten Jahreswechsel-Events Deutschlands. Hunderttausende Menschen feierten regelmäßig unter freiem Himmel, begleitet von Konzerten, Lichtshows und einem Feuerwerk – live übertragen im Fernsehen.
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Aus Kostengründen hatte der Berliner Veranstalter die diesjährigen Feierlichkeiten zum Jahreswechsel bereits im Juli abgesagt – zuvor hatte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner angekündigt, dass die Feier keine Zuschüsse mehr vom Land bekommt. Wie jetzt bekannt wurde, zieht die Silvesterfeier nach Hamburg um. Die Verhandlungen seien bereits abgeschlossen und als Austragungsort soll die Hamburger Hafencity dienen.
Ist es die richtige Entscheidung, dass es am Brandenburger Tor keine Silvesterparty mehr gibt?
PRO von Jessica Hanack
Es ist nicht die Aufgabe des Landes, dafür zu sorgen, dass eine Party wirtschaftlich wird.
Jessica Hanack, Redakteurin
Weniger Geld für die Kultur, weniger Geld für Bildungsprojekte oder den Ausbau von Radwegen: Im vergangenen Jahr hat sich in Berlin gezeigt, wie ernst die Haushaltslage ist und an wie vielen Stellen gespart werden muss. Dass es nun auch die Silvesterparty am Brandenburger Tor trifft, ist daher nur konsequent – ein anderes Vorgehen wäre vor dem Hintergrund nur schwer vermittelbar. Denn wie will man es erklären, dass Zuschüsse an soziale Einrichtungen oder die Jugendhilfe gekürzt werden mussten, was in der Folge Menschen ihre Jobs gekostet hat, aber Geld für eine Silvesterparty vorhanden ist?
Natürlich ist klar, dass Veranstaltungen heute strenge Sicherheitsauflagen erfüllen müssen, was die Kosten in die Höhe treibt und es für Organisatoren schwieriger macht, Großevents zu finanzieren. Trotzdem ist es nicht die Aufgabe des Landes, dafür zu sorgen, dass eine Party wirtschaftlich wird – erst recht nicht, wenn dafür Eintrittsgelder erhoben werden und die Veranstaltung damit nicht für jeden zugänglich ist. Finden sich keine anderen Partner oder Sponsoren, die die Kosten mittragen, dann muss ein Event eben abgesagt werden. Auch wenn es eine Traditionsveranstaltung wie die Silvesterfeier am Brandenburger Tor trifft.
Silvester-Party am Brandenburger Tor: Absage als Chance sehen
Die Absage in diesem Jahr kann außerdem eine Chance sein, zu überlegen, ob die bisherige Silvesterparty noch zeitgemäß ist und wen man damit eigentlich ansprechen will. Nur weil eine Veranstaltung seit Jahrzehnten besteht, heißt das nicht, dass man sie auf Dauer in dieser Form fortsetzen muss. Vielleicht kann der Geldmangel für die Entwicklung neuer Konzepte sogar förderlich sein. Damit auch in Zukunft am Brandenburger Tor ins neue Jahr gefeiert wird, aber auf eine Weise, die sich finanziell trägt.
Von Sascha bis Shirin David: Diese Stars feierten Silvester in Berlin
CONTRA von Pascal Biedenweg
Das ist nicht weniger als ein weiterer symbolischer Schritt in Richtung Provinzialität
Pascal Biedenweg, Digital Lead
Die Absage der Silvesterparty am Brandenburger Tor ist kein Sparkonzept – sie ist ein Offenbarungseid. Mehr noch: ein weiterer symbolischer Schritt in Richtung Provinzialität.

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Während andere Hauptstädte zum Jahreswechsel spektakulär glänzen, zieht sich Berlin in Haushaltsklausur zurück. Paris lässt den Eiffelturm leuchten, London feuert vom Riesenrad, Sydney zündet Raketen auf dem Wasser – und Berlin? Sagt ab. Am Brandenburger Tor, mitten in Europa, an einer der historischsten Stätten der Welt, herrscht künftig gähnende Leere.
Dabei geht es nicht nur um Unterhaltung, sondern um Sichtbarkeit, Strahlkraft, Selbstverständnis. Berlin verzichtet freiwillig auf ein globales Schaufenster, auf ein Event mit touristischer Anziehung und starker medialer Präsenz. Was bleibt vom Anspruch, kulturelles Zentrum zu sein, wenn nicht einmal der Jahreswechsel noch öffentlich zelebriert wird?
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Kulturelle Selbstverzwergung darf nicht zur nächsten Baustelle werden
Natürlich feiern nicht alle Hauptstädte mit Pomp. Doch während viele längst wieder zu alter Größe zurückgefunden haben, schrumpft Berlin weiter an symbolischer Bedeutung. Wer glaubt, Glamour und Gemeinwohl seien Gegensätze, unterschätzt die verbindende Kraft öffentlicher Inszenierungen. Repräsentation ist kein Luxus, sondern Teil urbaner Identität.
Berlin hat viele Baustellen – aber die kulturelle Selbstverzwergung darf nicht zur nächsten werden. So endet nicht nur eine Party – so beginnt Bedeutungslosigkeit.
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![„In den vergangenen Jahren hatten Auftritte von abgehalfterten Künstlern [...] eine öffentliche Debatte über das Niveau der Veranstaltung ausgelöst“, schreibt der Tagesspiegel 2011. Es war also fünf vor zwölf. Udo Jürgens (hier bei einem späteren Auftritt) und Die Scorpions waren die Antwort des Veranstalters auf die kritischen Stimmen. Udo Jürgens bekommt in Klagenfurt eine Dauerausstellung](https://img.sparknews.funkemedien.de/409635613/409635613_1753882736_v16_9_1200.jpeg)









