Beschäftigte von TikTok wollen heute in den Warnstreik treten. Das kündigt die Gewerkschaft Verdi an. Die Geschäftsführung habe trotz mehrfacher Aufforderung Verhandlungen über die Forderungen der Beschäftigten abgelehnt, heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft. Laut Verdi ist es der erste Streik von Beschäftigten einer Social-Media-Plattform in Deutschland überhaupt.

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Hintergrund des Streiks sind laut Verdi Pläne des Unternehmens, die Trust-and-Safety-Abteilung aufzulösen. Das Unternehmen beschäftigt dort Content-Moderatoren, die Fake News, exzessive Gewaltdarstellungen oder pornografische Inhalte aus dem Netzwerk beseitigen. Darüber hinaus soll laut Verdi ein Teil der sogenannten Live-Abteilung aufgelöst werden. Die Beschäftigten dort seien für den Kontakt mit Content-Produzenten bei TikTok verantwortlich. Mehr als 150 Beschäftigten droht laut Verdi nun der Jobverlust.

TikTok äußert sich auf Anfrage der Morgenpost nicht im Detail. „Wir sind in Gesprächen mit dem Betriebsrat über einen Vorschlag zur Konsolidierung unserer Sicherheitsaktivitäten mit weniger Standorten, um die Arbeitsabläufe zu straffen und die Effizienz zu verbessern“, teilt eine Sprecherin dazu mit. Sie verweist darauf, dass das Unternehmen dieses Jahr „mehr als zwei Milliarden Dollar zusätzlich in die Sicherheit“ investiere.

TikTok setzt zukünftig auf Künstliche Intelligenz

Statt Content-Moderatoren will TikTok nach Gewerkschaftsangaben künftig Künstliche Intelligenz (KI) und externe Dienstleister einsetzen. Die Beschäftigten hätten die KI, die nun ihre Tätigkeiten übernehmen soll, in den vergangenen Monaten sogar noch trainieren müssen. Von ihrem Arbeitgeber verlangen sie nun, zumindest die Kündigungsfrist um ein Jahr zu verlängern. Außerdem fordern sie für jeden Betroffenen eine Abfindung von drei Jahresgehältern.

Die Gewerkschaft begründet die Forderungen auch damit, dass TikTok hohe Gewinne mache. Eine verlängerte Kündigungsfrist ermögliche es den Beschäftigten, neue Qualifizierungen zu erwerben. Dringlich seien die Forderungen außerdem durch den Umstand, dass für einige Beschäftigte mit dem Verlust des Arbeitsplatzes auch eine Gefährdung des Aufenthaltsstatus einhergehen könne, heißt es von Verdi.

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„Es ist respektlos von TikTok, dass sie sich jeder sozialen Verantwortung entziehen und selbst Verhandlungen mit uns ablehnen“, sagt Lucas Krentel, Verdi-Bereichsleiter Medien. „Die Beschäftigten setzen heute ein klares Zeichen, dass sie dies nicht akzeptieren“, betont er. „Sie treten heute in den Streik und werden damit zu Vorreitern für gewerkschaftliche Organisierung in der Plattform-Ökonomie“, so Krentel.

Die Streikkundgebung soll um 12.30 Uhr in der Mühlenstraße beginnen. Mit einem Boot wollen die Streikenden auch auf der Spree protestieren.