Große Aufregung bei freien Jugendhilfe-Trägern in Berlin: Erstmal seit 2012 sollen die Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst nicht vollständig in den Zuwendungen für die freien Träger berücksichtigt werden. Darüber seien laut Landesjugendring die freien Träger von der durch Katharina Günther-Wünsch (CDU) geführten Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie informiert worden.

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Die meisten Träger, darunter der Landesjugendring Berlin, bekommen für 2025 demnach nur noch eine Tariferhöhung um zwei Prozent finanziert. Das sind 3,5 Prozentpunkte weniger als die seit Februar dieses Jahres für die Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst gültige Tariferhöhung von 5,5 Prozent. Andere freie Träger könnten sogar leer ausgehen. Zumindest hätten sie bislang keine Informationen zu Tariferhöhungen erhalten, berichtete ein Sozialmanager am Freitag der Berliner Morgenpost. Es kommt hinzu: Schon jetzt erhalten Beschäftigte freier Träger weniger als Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, weil sie nicht die sogenannte Hauptstadtzulage – monatlich 150 Euro – bekommen.
Freie Träger in Berlin: neue Unübersichtlichkeit bei den Tarifmitteln
„Es ist völlig unklar, nach welcher Systematik die freien Träger die sogenannten Tarifmittel erhalten und wie ihre Berechnung erfolgt“, heißt es in einer Mitteilung des Landesjugendringes. „Manche Träger erhalten offensichtlich die komplette Tariferhöhung von 5,5 Prozent, andere erhalten zwei Prozent und wieder andere erhalten keine Erhöhung.“
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Bis 2024 war die Tarifvorsorge zentral in der Finanzverwaltung angesiedelt. Mit dem Nachtragshaushalt für 2025 wurden die Mittel allerdings dezentralisiert. Nun liegt die Verantwortung für die Auszahlung der Tariferhöhungen in den Händen der einzelnen Dienststellen – das führt zu einer neuen Unübersichtlichkeit: Nach Informationen der Berliner Morgenpost erhalten teils verschiedene Projekte bei ein und demselben Träger unterschiedliche Tarifmittel, weil sie ihre Zuwendungen von verschiedenen Dienststellen erhalten.
Träger schlagen Alarm: „Zahlreiche Formate stehen auf der Kippe“
Die Folgen, die der Landesjugendring skizziert, sind drastisch: Personalstellen müssten gekürzt werden, um die übrigen Mitarbeiter weiterhin tarifgerecht bezahlen zu können. Das führe zu einem Abbau von Angeboten. „Ob Jugendclubs, Jugendreisen, Seminare der politischen Bildung, Streetwork oder internationale Jugendbegegnungen: Zahlreiche Formate stehen auf der Kippe.“ Die Abschaffung des vollen Tarifausgleichs verschärfe die Fachkräftekrise in der Jugendhilfe.
Auch die Opposition schäumt. Nach ersten Hinweisen von Trägern hatte die Linksfraktion eine Anfrage zu dem Thema gestellt. In der Antwort darauf musste der Senat eingestehen, dass die Mittel nicht ausreichen, um im laufenden Jahr allen Beschäftigten die volle Tariferhöhung zu gewähren. Mindestens ein Viertel der insgesamt 50 Millionen Euro, die 2025 als Tarifversorge eingeplant waren, sind bereits ausgegeben worden, um das bisherige Lohnniveau zu halten. Diese Mittel fehlen nun für die Tariferhöhung. „Es muss dringend eine Lösung her“, sagte Hendrikje Klein (Linke), die die Anfrage gestellt hatte. „Es geht nicht, dass Beschäftigte leer ausgehen oder Angebote gekürzt werden.“
Ähnlich äußert sich die jugendpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Klara Schedlich. Der Senat habe die volle Tariferhöhung zugesagt, kritisiert sie. Was die CDU tue, sei verantwortungslos. „Kurze Finanzierungszusagen, schlechte Kommunikation und ständige Kürzungen zerstören die wichtige Arbeit freier Träger“, so Schedlich.






