Acht Cent für das Bier aus der Glasflasche, 15 Cent für den Saft aus der Mehrwegflasche und 25 Cent für den Softdrink aus der Einwegflasche – das Pfandsystem in Deutschland ist ausgefeilt. Zu ausgefeilt, würde mancher Kritiker sagen. Zu ihnen gehört Jochen Biedermann (Grüne), Bezirksstadtrat für Umwelt in Neukölln. „Das Pfandsystem ist unlogisch“, sagt er. Biedermann fordert deshalb eine Erhöhung des Pfandpreises für Glasflaschen. Seine Amtskollegin aus dem benachbarten Friedrichshain-Kreuzberg, Anikka Gerold (ebenfalls Grüne), schließt sich dem an.

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Gerade in den beiden Ausgehbezirken sitzen im Sommer viele Menschen draußen zusammen, in Parkanlagen oder auf öffentlichen Plätzen. Das, was sie dabei trinken, wird nur in den seltensten Fällen zum nächsten Pfandautomaten gebracht. Einige lassen ihre Flaschen stehen, andere stellen sie unter Müllereimer. Hier können Pfandsammler sie leichter greifen, ohne im Müll nach ihnen suchen zu müssen. Doch offenbar überlegen auch die Sammler immer häufiger, ob sie die schwere, aber wenig lukrative Glasflasche überhaupt mitnehmen wollen.

Auch für arme Menschen: Acht Cent Pfand zu wenig
Das jedenfalls legt eine Studie nahe, die von dem Getränkehersteller Fritz-Kola bei dem Meinungsforschungsinstitut YouGov in Auftrag gegeben wurde. Demnach sammelt knapp ein Drittel der insgesamt über eine Million Pfandsammler in Deutschland hauptsächlich Dosen oder PET-Flaschen. Sie bringen mehr ein und sind leichter zu tragen. Mehr als die Hälfte der befragten Pfandsammler gab an, bei einer Erhöhung des Pfands für Glasflaschen diese gezielter zu sammeln.
„Das Pfandsystem wurde eingeführt, um Ressourcen zu schonen, Müll zu vermeiden und Kreisläufe zu schließen. Mittlerweile erkennen wir, dass es gerade beim Glasmehrweg zu kurz greift“, sagt Fritz-Kola-Chef Mirco Wolf Wiegert. Acht Cent Pfand für Glasflaschen seien bei heutigen Preisen kein Wert mehr, „auch für arme Menschen nicht“. Ähnlich äußerte sich ein Pfandsammler am Tag nach der Party am 1. Mai im Gespräch mit unserer Redaktion.
„Weggeworfene Glasflaschen tragen erheblich zur Vermüllung bei“
Unterstützung für die Forderung nach einer Erhöhung des Glaspfands kommt von den Umweltschützern des BUND. Und das nicht nur, um die Anreize für Pfandsammler zu erhöhen. Im Zuge der Inflation habe das Pfand deutlich an Wert verloren, sodass der Anreiz Flaschen zurückzugeben stetig gesunken sei, sagt Tobias Quast-Malur, BUND-Referent für Ressourcenschutz. „Augenscheinlich wird das an vielen Straßenecken oder auch in Parks und Grünanlagen in der Stadt: Immer häufiger werden Flaschen und Dosen trotz Pfand achtlos weggeworfen und tragen somit erheblich zur Vermüllung bei.“
Quast-Malur verweist auf Österreich, wo im Februar dieses Jahres das Pfand auf Glas-Mehrwegflaschen von neun auf 20 Cent erhöht worden ist. „Deutschland sollte nicht nur nachziehen, sondern noch konsequenter sein“, sagt er und fordert eine Erhöhung des Pfands für alle Flaschen und Dosen „auf mindestens 50 Cent oder sogar einen Euro“.
Mehrheit der Deutschen befürwortet Vereinheitlichung und Erhöhung des Pfands
Die BSR nimmt bei ihren regulären Reinigungstätigkeiten „keine grundsätzliche Zunahme“ von zurückgelassenen Pfandflaschen wahr, hat aber insbesondere nach größeren Partys in Berlin immer viel zu tun. Am Tag nach dem 1. Mai kam zuletzt ein riesiger Flaschensauger am Görlitzer Park zum Einsatz, um die Reste der Nacht einzusammeln. Die Reinigungsbetriebe halten das Mehrwegpfandsystem für „sehr wichtig“. Einen Preisanstieg fordern sie allerdings nicht explizit, das sei Sache der Politik.
Görli: Nach der Revolution folgt die BSR mit dem Riesen-Flaschensauger: wie immer nach der Party am 1. Mai ist der Görlitzer Park in Kreuzberg eine Müllhalde. Ihren Müll selbst mitzunehmen, scheint Partypeople nicht möglich. #b0105 #b0205 via @morgenpost pic.twitter.com/DTz4RBzOtM
— Uta Keseling (@UtaKeseling) 2. Mai 2025
Grünen-Politiker Biedermann hat eine klare Meinung: „Mit einem höheren Pfand würden ganz sicher mehr Flaschen zurückgegeben werden. Entweder von den Leuten, die das Getränk gekauft haben oder von Pfandsammler:innen, die so etwas mehr für eine Glasflasche bekommen“, sagt der Bezirksstadtrat aus Neukölln. Seiner Ansicht nach überwiegen die Vorteile einer Pfanderhöhung deutlich: „Die Pfandsammler:innen profitieren, das Recycling wird gestärkt und auf unseren Straßen und in unseren Parks dürften weniger Flaschen zurückbleiben.“
Übrigens: Laut der von Fritz-Kola in Auftrag gegebenen YouGov-Studie befürwortet auch eine klare Mehrheit der Deutschen eine Erhöhung und Vereinheitlichung des Pfandpreises. Knapp zwei Drittel der Befragten halten ein höheres Pfand für Glasflaschen für angemessen. Nur sieben Prozent der Befragten würden bei einer Erhöhung weniger Glasflaschen kaufen.
mit pag und epd





