Jahrelang war das Marx-Engels-Forum in Berlins Mitte hinter Bauzäunen verschwunden. Nachdem die Bronzeplastik seit 2022 wieder an ihrem angestammten Platz steht, wird es nun erneut Baulärm rund um die beiden überlebensgroßen, namensgebenden „Vätern des Kommunismus“ dominieren. Doch dafür ist jetzt nicht mehr die Baustelleneinrichtung für den Lückenschluss der U-Bahnlinie 5 verantwortlich. Schon seit mehreren Wochen laufen die Vorarbeiten für die Neugestaltung der Freifläche. Am Montag starteten die Bauarbeiten für den ersten Bauabschnitt dann auch ganz offiziell.

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Im ersten Bauabschnitt wird das Areal zwischen dem Spreekanal und um die Bronzefiguren von Karl Marx und Friedrich Engels umgestaltet. Dazu wurden unter anderem bereits 35 Bäume gefällt, davon 23 im Bereich des Spreeufers. Die aber, versicherte Christoph Schmidt, Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH, durch neu gepflanzte Bäume „überkompensiert“ werden sollen.

Künstlicher Nebel sorgt für angenehme Kühle

Die als hitze- und dürreresilient geltenden Baumarten Silberlinde, ungarische Eiche und japanischer Schnurbaum sollen Touristen und Einheimischen künftig reichlich Schatten spenden. Notwendig wurde die Fällung der Bäume, weil die Böschung zur Spree hin 3,50 Meter abgegraben werden muss, um so einen barrierefreien Zugang zur Spree und eine großzügige Anlage von Sitzstufen zu schaffen. Aus Düsen, die in dem gepflasterten Platz am Ufer in den Boden eingelassen werden, soll zudem Wasser vernebelt werden und so an heißen Sommertagen zusätzlich für angenehme Kühle sorgen.

Umgestaltung vom Marx-Engels-Forum
Das Marx-Engels-Forum am Alexanderplatz: Karl Marx und Friedrich Engels werden auch im neu gestalteten Park auf den Fernsehturm blicken. © picture alliance/dpa | Jens Kalaene

Doch bis es so weit ist, dass Berliner und ihre Gäste mit Blick auf den Berliner Dom den Sonnenuntergang genießen können, wird es noch eine Weile dauern. In Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt werden zunächst die Fundamente der Häuser im historischen Gründungskern Berlins ausgegraben und dokumentiert. Zugleich wird auch nach Kampfmitteln gesucht. Rampe und Sitzstufen werden dann ab Frühjahr 2026 errichtet.

Bereits ausgehoben ist hinter dem gepflasterten Rund, auf dem Karl Marx und Friedrich Engels ihren angestammten Platz haben, eine 650 Quadratmeter große Versickerungsfläche. Hier soll künftig das Regenwasser aufgefangen werden, das auf dem Marx-Engels- und dem Rathaus-Forum auf der anderen Seite der Spandauer Straße anfällt. Im Sommer 2026 sollen dann die Bauarbeiten für einen 2300 Quadratmeter großen Spielbereich an der Rathausstraße beginnen. Im Jahr 2027 soll die Umgestaltung in diesem Bereich dann fertig sein.

Baustart Neugestaltung des Rathaus- und Marx-Engels-Forums
Baustart für die Neugestaltung des Rathaus- und Marx-Engels-Forums in Berlin: Der Bezirksstadtrat des Bezirks Mitte, Christoph Schriner (l-r), Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister, Franziska Giffey (SPD), Wirtschaftssenatorin, Ute Bonde (CDU), Verkehrssenatorin, und Christoph Schmidt, Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

„2015 wurde ein breit angelegter Bürgerprozess gestartet und jetzt geht es endlich los hier in der historischen Mitte“, erinnerte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) an den langen Vorlauf des Projektes. Von 2015 bis 2021 wurde intensiv und oft hitzig in mehr als 200 Veranstaltungen die Debatte darüber geführt, wie der zentralste Platz der Stadt künftig aussehen soll. Denn dass die zu DDR-Zeiten abgeräumte Altstadt mit 174 Bürgerhäusern nicht zumindest im Stadtgrundriss wieder aufgebaut werden soll, war genauso umstritten wie die Tatsache, dass Marx und Engels mitsamt der großzügig angelegten Denkmalanlage drumherum ihren Ehrenplatz behalten sollen.

Gesamtanlage wird erst in fünf Jahren fertig

„Wir haben mit dem 2021 präsentierten Wettbewerbsentwurf einen Kompromiss gefunden, auf den sich alle verständigt haben, auch die Opferverbände“, sagte Wegner weiter. Gerade der Zugang zum Spreeufer werde etwas Besonderes, etwas Einzigartiges. „Ich bin mir sicher, dass nicht nur die Menschen, die hier in der Umgebung wohnen, sondern alle Berlinerinnen und Berliner sowie die vielen Gäste unserer Stadt dieses ,grüne Band der Zukunft‘ für sich entdeckt werden.“

„Am Marx-Engels-Forum investieren wir knapp 10 Millionen Euro aus Bund-Länder-Förderungsprogramm ‚Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur‘ (GRW) ganz gezielt in die Aufenthaltsqualität dieses touristischen Anziehungspunkts“, ergänzte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Inklusive der Mittel, die für die Umgestaltung des Rathaus-Forums jenseits der Spandauer Straße, die im Anschluss an die Arbeiten auf dem Marx-Engels-Forum in Angriff genommen und bis 2030 abgeschlossen werden sollen, seien es sogar 30 Millionen Euro. Der insgesamt 7,2 Hektar große Freiraum zwischen Fernsehturm, Marienkirche, Rotem Rathaus und Spree soll bis 2030 zu einem neuen Rathaus- und Marx-Engels-Forum umgestaltet werden.

Wegner für Bäume auf dem Alexanderplatz

Auch danach, signalisierte Wegner, bliebe noch einiges zu tun. „Konkret an diesem Ort, rund um das Humboldt-Forum, kann es definitiv noch mehr Lebensqualität und Aufenthaltsqualität geben“, bekräftigte Berlins Rathauschef. „Ich hoffe weiterhin, dass die Bauakademie von der neuen Bundesregierung so gefördert wird, wie wir es uns im Land Berlin vorstellen – nämlich nach historischem Vorbild“, sagte Wegner. Auch die Begrünung des südlichen Schlossplatzes müsse angegangen werden.

Zur Begrünung des bisher voll versiegelten südlichen Schlossplatzes liegt bereits eine Machbarkeitsstudie vor, die neben Baumgruppen auch einen Brunnen vorsieht.

Anders sieht es am anderen Ende des „grünen Bandes der Zukunft“ aus. In östlicher Richtung schließt sich an das Rathaus-Forum der Alexanderplatz an – bisher komplett baum- und strauchlos. „Das muss nicht so bleiben – ich kann mir hier sehr gut die Bepflanzung mit weiteren Bäumen vorstellen“, sagte Wegner. Konkrete Pläne dafür gebe es aber noch nicht.