Es ist einer der beliebtesten Werke an der East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain und Hintergrund unzähliger Paar-Fotos: das Bruderkuss-Gemälde. Am Freitagnachmittag überschrieben zwei Unterstützerinnen der Klimaschutz-Gruppe „Neue Generation“ – vormals „Letzte Generation“ – das Bild mit dem Satz „Stop Genocide“. Sie protestieren damit gegen die israelische Regierung, der Völkermord in Gaza vorgeworfen wird, und die deutsche Regierung für angebliche Mittäterschaft.

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Warum dieses Gemälde, auf dem sich der frühere DDR-Chef Erich Honecker und der einstige Führer der Sowjetunion Leonid Breschnew küssen? Weil der Künstler laut den Aktivisten versuchte zu vereinen, was schwer zu vereinen ist – aus dem trostlosen Raum, wo früher die Berliner Mauer entlang ging, wurde ein Ort der Kunst. „Schwer zu vereinen sind zurzeit auch Deutschlands besondere historische Verantwortung für Israel und die Menschenrechte der Bevölkerung in Palästina“, heißt es von der „Neuen Generation“. „Letztere werden durch den Genozid der siedlerfaschistischen israelischen Regierung im Gazastreifen schwer verletzt.“
Neue Generation: Der Israel-Palästina-Konflikt ist ein neues Aktionsfeld der Protestgruppe
Zudem stehe der Bruderkuss für ein Land, dass sich geschworen hat, nie wieder an einem Völkermord schuldig zu machen. Dieses Vermächtnis drohe Deutschland mit seinen Waffenlieferungen an Israel zu verspielen. „Wer ‚Nie wieder‘ sagt, muss es auch meinen – für alle Menschen, nicht nur für manche“, erklärte Hannah Jäkel, die an dem Protest teilnahm. Sie und die andere Aktivistin saßen nach der Aktion mit einem Banner mit der Aufschrift „Palestine Rising“ und „Stopp Völkermord – Keine deutsche Mittäterschaft“ vor dem beschmierten Mauerstück.
Palestine Rising ist nach Angaben der „Neuen Generation“ eine Tochterkampagne. In der Regel treten Unterstützerinnen und Unterstützer der Protestgruppe vor allem im Klimaschutzkontext auf. Sie fordern einen „sofortigen Stopp aller Rüstungsexporte nach Israel, ein Ende der Abschiebungen von Menschen, die sich für Palästina einsetzen, sowie eine Rückbesinnung auf die Prinzipien, die Deutschland nach 1945 geprägt haben“. Damit gemeint ist die Verhinderung von Kriegsverbrechen.




