Trotz ergiebiger Regengüsse rund um Pfingsten steht fest: Der Mai war zu trocken. Das zeigt eine interne Analyse der Senatsverwaltung für Umwelt, die der „B.Z.“ vorliegt. Der ohnehin ausgetrocknete Boden habe sich nicht erholen können. In 85 Zentimetern Tiefe sei vielerorts kaum noch Feuchtigkeit messbar. Vor allem Stadtbäume würden zunehmend unter Trockenstress geraten, was sie anfälliger für Schädlinge mache.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Besonders dramatisch sei die Lage der Spree, wie die Zeitung weiter mitteilt. Ende Mai führte das gesamte Spree-System nur noch etwa halb so viel Wasser wie üblich.

Auch interessant

Pegelwerte sinken stark – Wasserstände an Spree und Havel deutlich unter Normalniveau

Am Pegel Leibsch, südöstlich von Berlin, seien am 31. Mai lediglich 4,65 Kubikmeter Wasser pro Sekunde gemessen worden. Das entspreche einem Rückgang von 47 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittelwert für den Monat Mai (8,77 m³/s). Der vorgeschriebene Mindestabfluss von 4,50 m³/s sei an 13 Tagen unterschritten worden. Der niedrigste gemessene Wert habe bei nur 3,27 m³/s gelegen.

Auch an anderen Pegeln sei die Situation ähnlich besorgniserregend. Die Müggelspree habe am selben Tag einen Durchfluss von lediglich 7,64 m³/s verzeichnet. Das entspricht 23 Prozent unter dem Durchschnitt. Der Mindestwert von 8 m³/s sei hier an 14 Tagen verfehlt worden. An der Havel bei Borgsdorf sei ein Rückgang um 46 Prozent verzeichnet worden, berichtet die „B.Z.“.

Auch interessant

„Die Spree ist unsere Lebensader“ – Grüne fordern verbindliche Maßnahmen

Ende Mai habe das gesamte Spree-System, bestehend aus Spree, Müggelspree, Oder-Spree-Kanal und Dahme, nur noch 11,2m³/s transportiert. Das entspreche einem Rückgang von 45 Prozent. Ein derart niedriger Wert sei zuletzt in den bekannten Dürrejahren 2018, 2019, 2020 und 2022 beobachtet worden.

„Die Spree ist unsere Lebensader“, mahnt Benedikt Lux, umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus laut „B.Z.“ in der internen Analyse. „Der Berliner Senat muss gemeinsam mit der Landesregierung Brandenburg endlich handeln. Es braucht verbindliche Maßnahmen, um trotz Klimakrise und Braunkohleausstieg die Wasserverfügbarkeit langfristig zu sichern.“

Die Analyse der Umweltverwaltung zeige, wie anfällig das hydrologische System der Region geworden ist. Bereits geringe Regenlücken würden ausreichen, um die Wasserbilanz erheblich zu stören, teilt die Zeitung weiter mit. Lux fordert daher ein Umdenken in der Stadtplanung: Berlin müsse mehr versiegelte Flächen aufbrechen, Rückhaltebecken bauen und konsequent auf Begrünung setzen. So könne verhindert werden, dass zunehmende Starkregenereignisse ungenutzt durch Spree, Havel und Elbe in die Nordsee abfließen.