Es gibt ja diese Momente, in denen man Berlin einfach lieben muss. Zum Beispiel, wenn die Stadt in lauen Sommernächten einfach komplett bei sich selbst ist. Beim Feiern im Freien etwa. Ob bei beim Abschlusskonzert der Philharmoniker in der Waldbühne, beim Lollapalooza oder auch bei den Riesenpartys im Görli – Fakt ist: Berlin hat ausreichend Magie für alle.

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Typische Berlinmomente erlebt aber auch jeder, der sich durch die Stadt bewegt. Ziemlich egal, mit welchem Verkehrsmittel man unterwegs ist, früher oder später wird man sich vereint sehen mit anderen Verkehrsteilnehmern in einem überraschenden Gefühl – der trauten Ratlosigkeit.

Neulich morgens am U-Bahnhof Unter den Linden zum Beispiel. Die Linie U5 mag ich an sich, gerade die neuen Bahnhöfe rund um die Museumsinsel sind für mich immer noch ein bisschen wie ein Geschenk. Groß, sauber, still und architektonisch so majestätisch und schön wie teure Museumsbauten. Oder, vielleicht, Ministerien.

Umso verwunderter war ich über die schlechte Laune, die mich dort am jenem Morgen empfing. Es waren keine betrunkenen Radaubrüder wie bei mir in Kreuzberg, die dort laut schimpften. Sondern empörte Menschen in frisch gebügelten Anzügen, mit Rollköfferchen und Kaffeebechern in der Hand. Offenbar waren sie, wie ich, auf dem Weg zum Hauptbahnhof. Leider stand an beiden Bahnsteigen die Info: „Hier kein Zugverkehr! Out of service!“

Leuchtend gelb, frisch gefeudelt, quasi unschuldig lächelnd rauschte ein Zug heran

Ich verstand, warum die Leute genervt waren. Selbst wenn man sich als gelernter Berliner im Gehirn eine Art Extraspeicher angelegt hat für das alltägliche, umfangreiche Ballastwissen über Berlins mannigfache Verkehrshindernisse, wenn man sogar die mysteriöse U-Bahnlinie U12 erklären kann oder warum der Tiergartentunnel seit gut einem halben Jahr für Linienbusse zum Hauptbahnhof gesperrt ist – zu den ausfallenden U-Bahnen fand sich weder etwas in der BVG-App noch bei Google.

Um die Verwirrung komplett zu machen, verkündeten Lautsprecheransagen in einer Art Dauerschleife, die Fahrtrichtungszeiger der U5 würden „derzeit gewartet“. Konnte das ein Grund sein, dass deswegen auch die Züge nicht fuhren? Vielleicht waren sie dabei aus Versehen mit weggeputzt worden?

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Natürlich nicht. Und während die ersten meisten ratlos oder auch laut auf Berlin schimpfend gen Ausgang zogen, blieben die Kenner am Gleis stehen. Wo sich nun, mit einem leisen Knacken, tatsächlich eine U-Bahn ankündigte. Leuchtend gelb, frisch gefeudelt und quasi unschuldig lächelnd rauschte der Zug in den Bahnhof. Ein Wunder! Wir sind eben in Berlin.

Trommelwirbel, tadaaa – die Tram fährt und Ämter öffnen!

Als ich einstieg, taten mir die Leute leid, die zu früh aufgegeben hatten. Denn ihnen war einer dieser typischen Berlin-Momente entgangen, die vielleicht die wahre Antwort darauf sind, warum so unendlich viele Menschen in der Hauptstadt wohnen bleiben. Trotz Verkehrschaos, Behördenirrsinn, Müllbergen und manchmal sehr anstrengender Mitmenschen.

Neben den Berliner Verkehrsbetrieben hat die Stadt viele weitere wunderfähige Bereiche. Zum Beispiel die Straßen. Nach den plötzlichen Sperrungen der maroden Brücken am Funkturm und an der Wuhlheide folgten auf die Schock-Nachrichten Chaos und Megastau. Und danach? Auf der A100 löste sich der Stau nach einigen Tagen wie von Zauberhand auf. Selbst Experten konnten nicht schlüssig sagen, wieso. An der Wuhlheide erzeugten Schienenreparateure zumindest ein Mini-Wunder: Die Tram konnte am Donnerstag wieder fahren. Trommelwirbel, tadaaa – wer hätte daran geglaubt? Sage ich ja: ein Wunder.

Das Geheimnis von Berlin: Aus dem Nichts heraus erscheinen vollkommen alltägliche Dinge plötzlich in ganz neuem Glanz. So kündigte das „offizielle Hauptstadtportal“ berlin.de kürzlich einen „Aktionstag“ für etwas ganz Besonderes an: „Erstmals“ konnten Bürger am 14. Mai „den ganzen Tag über ohne Termin einen neuen Personalausweis oder Reisepass im Bürgeramt beantragen“. Okay, andere Gemeinden nennen es schlicht Öffnungszeiten. In Berlin war man stolz, dass immerhin neun von zwölf Ämtern mitmachten.

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