Sie kommt bei Krebsdiagnosen und Vitamin-Tests zum Einsatz, auch beim Bestimmen des Medikamenten-Spiegels im Blut ist sie hilfreich: die Massenspektrometrie. Bislang war das hochkomplexe Verfahren etwas für Speziallabore, doch das soll sich nun ändern. Im Labor Berlin kommt eine neue Technologie zum Einsatz, die die Massenspektrometrie zur Routinetestung machen soll.

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Das Labor Berlin, ein Tochterunternehmen von Charité und Vivantes, feiert die neue Technologie als „bahnbrechenden Innovation“. Laut Nina Beikert, Geschäftsführerin des Labors, sei die Massenspektrometrie damit „nun rund um die Uhr“ möglich, Patientinnen und Patienten erhielten so schnellere Diagnosen. Außerdem sei das Diagnostizieren mit dem neuen Gerät „präziser“, betonte die Labor-Chefin bei der Vorstellung des neuen Geräts am Montag. Die Qualität der Patientenversorgung verbessere sich dadurch „erheblich“.
Pharmakonzern Roche hat 700 Millionen Euro investiert
Entwickelt wurde die neue Technologie vom Schweizer Pharmakonzern Roche. Zur Präsentation der Weltneuheit war auch der Konzern-Chef Thomas Schinecker nach Berlin gekommen. Acht bis neun Jahre habe die Entwicklung gedauert, berichtete er. Die Entwicklungskosten hätten bei etwa 700 Millionen Euro gelegen.
Auch der Verkaufspreis des Geräts mit dem Namen „Cobas i 601 Mass Spec“ dürfte im Millionenbereich liegen. Allerdings ist ein Verkauf an Krankenhaus-Labore eher unüblich. Die Geräte werden in der Regel vom Hersteller geliehen, das Labor zahlt dann für die damit analysierten Proben. Auch das Labor Berlin besitzt das neue Gerät nicht. Über die Kosten ist von den Vertragspartnern bei der Vorstellung am Montag jedoch nichts zu erfahren.

Für das Labor bedeutet die Automatisierung einen Kapazitätsgewinn. Laut Roche liegen die Resultate in den weltweiten Testlaboren mit dem neuen Gerät durchschnittlich rund 20-mal schneller vor. Auch das Labor Berlin erwartet eine Beschleunigung in diesem Bereich. Hoch spezialisierte Beschäftigte könnten sich damit nun um andere Analysen kümmern, berichtete Labor-Chefin Beikert. „Wir stopfen nun woanders Lücken“, sagte sie. Grundsätzliche fehle es an Fachpersonal, betonte sie.

Aktuell arbeiten rund 800 Menschen an 15 Standorten für das Labor Berlin. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. In den vergangenen acht Jahren hat sie sich nahezu verdoppelt. Heute untersucht das Labor nicht mehr nur Proben für die Charité und die Vivantes-Krankenhäuser. Auch die Caritas und der Johannesstift gehören zu den Kunden. Astrid Lurati, Vorstand für Finanzen und Infrastruktur der Charité, betonte am Montag, dass mehr als 80 Prozent der Labor-Untersuchungen für Krankenhausfälle in Berlin vom Labor Berlin kommen.
Berliner Krankenhäuser bekommen schneller Laborwerte
Ein Beispiel für die Anwendung der vollautomatisierten Massenspektrometrie sind Brustkrebsfälle. In zwei von drei Behandlungsfällen werde hier der Hormonspiegel verändert, berichtete Schinecker. Mittels Massenspektrometrie würden diese Veränderungen untersucht. Je nach Hormonspiegel werde dann die Medikamenten-Dosis verändert. Ein anderer Anwendungsfall ergebe sich nach Transplantationen von Organen. Die Massenspektrometrie helfe dann bei der Überwachung von Immunsuppressiva. Mit dem neuen Gerät sind aktuell 40 verschiedene Tests möglich. Im kommenden Jahr sollen weitere Anwendungsbereiche folgen.
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Das Labor Berlin liefert nach eigenen Angaben rund 60 Millionen Analysen im Jahr. Die Bandbreite ist groß, Drogentests und Vaterschaftstests sind darunter, ebenso Untersuchungen auf Infektionen mit Pilzen oder Bakterien. Rund eine Million Patientinnen und Patienten würden sich jährlich auf die dort erhobenen Labor-Daten verlassen. Wie viele Analysen das neue vollautomatische Gerät künftig übernehme, konnten die Verantwortlichen am Montag nicht genau sagen.
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Wirtschaftssenatorin Giffey: „neue Ära der Diagnostik“
Zur Präsentation gekommen war auch Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Die Automatisierung der Massenspektrometrie sei „der Aufbruch in eine neue Ära der Diagnostik“, betonte sie. In Berlin werde damit Innovationsgeschichte geschrieben. Darüber hinaus verwies sie auf die Bedeutung der Gesundheitswirtschaft für die Hauptstadt. Sie sei mit rund 400.000 Beschäftigten für rund zwölf Prozent der Bruttowertschöpfung verantwortlich.
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Für Roche arbeiten nur einige Dutzend Beschäftigte in der Hauptstadt. Weltweit sind es mehr als 100.000, davon rund 18.000 an den deutschen Standorten in Mannheim und im oberbayerischen Penzberg. Der Konzern zählt zu den wichtigsten Pharmaunternehmen weltweit.







