Es ist der längste und am härtesten geführte Arbeitskampf in einem Unternehmen des Landes seit vielen Jahren: Seit fast anderthalb Monaten befinden sich die Beschäftigten der Charité Facilitity Management (CFM), der Service-Tochter der Berliner Universitätsklinik, im Erzwingungsstreik. Sie fordern, die CFM wieder ins Mutterhaus einzugliedern und ihnen Löhne nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) zu zahlen, wie ihn die Charité-Beschäftigten erhalten. Für viele würde das mehrere Hundert Euro mehr im Monat bedeuten.

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Massiver politischer Druck auf die Geschäftsführungen von CFM und Charité hat nun aber Bewegung in den Tarifkonflikt gebracht. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind für kommenden Montag wieder offiziell zu Gesprächen verabredet. Zuvor hatte Verdi ein Angebot deutlicher Lohnerhöhungen von insgesamt 18 Prozent über drei Jahre abgelehnt. Inzwischen haben sich Politiker wie SPD-Fraktionschef Raed Saleh und auch der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) für einen Stufenplan ausgesprochen, um in mehreren Etappen das Niveau des TVöDs zu erreichen. Eigentlich ist die Rückführung der CFM in die Charité erklärtes politisches Ziel des Senats, schon 2016 war das versprochen worden.
Am Freitag müssen die CFM-Beschäftigten entscheiden, ob sie weiterstreiken oder nicht
„Aber es ist offen, ob das alle Bereiche des Tarifvertrages umfasst und wie lange das dauern soll“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Gisela Neunhöffer der Morgenpost am Rande einer Streikveranstaltung mit 400 Teilnehmenden in der Kaparnaum-Kirche in Wedding. Es gehe auch um die Voraussetzungen, um die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Bisher verlange die CFM ein Aussetzen des Streiks, ehe wieder geredet werden könne. Ein offizielles Angebot mit dem in Aussicht gestellten Stufenplan liege nicht vor.
Für die Streikenden unter den 3500 CFM-Beschäftigten, darunter viele Reinigungsfrauen mit Migrationshintergrund, steht nun eine schwierige Abwägung an. Am Freitag müssen sie entscheiden, ob sie den Streik vorerst beenden oder ob sie weitermachen. „Wir müssen zusammenhalten“, mahnte eine Reinigungsfrau. Die Äußerungen unter den Aktiven in der Weddinger Kirche klangen eher nach einer Fortsetzung. „Der Streik ist die einzige Möglichkeit, den TVöD ohne Abstriche durchzusetzen“, sagte ein Mitarbeiter der Essensausgabe. Eine Diätassistentin, die in der Tarifkommission mit verhandelt, setzt ebenfalls auf weiteren Druck: „Was passiert mit den Arbeitgebern, wenn sie wissen, wir machen nicht mehr weiter“, gab sie zu bedenken. „Weiterstreiken“, rief einer aus den Kirchenbänken.





