Es ist ein gewagtes Experiment: Lässt sich die magische Stimmung, die das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude vor 30 Jahren mit der Verhüllung des Reichstagsgebäudes in Berlin erschaffen haben, reproduzieren? Der Kulturmanager Peter Schwenkow und der Unternehmer Roland Specker sind davon überzeugt. Gemeinsam mit Vladimir Yavachev, Christos Neffe und Projektleiter des Künstlerpaares, wollen sie den Reichstag erneut verhüllen – allerdings als visuelle Projektion. Ob es gelingt, davon können sich die Berlinerinnen und Berliner und ihre Gäste selbst ein Bild machen.

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Seit einem Dreivierteljahr arbeiten die drei an dem Projekt, wie Schwenkow am Dienstag in Berlin berichtete. 24 Hochleistungsprojektoren, so der Plan, sollen von drei Plattformen aus „eine Monsterprojektion“ auf die Westfassade des Gebäudes bringen. Die Illusion solle vom 9. bis 20. Juni jeweils von 21.30 Uhr bis 1 Uhr nachts zu sehen sein. Der Berliner Lichtdesigner Andreas Boehlke, in der Hauptstadt durch das „Festival of Lights“ bekannt geworden, sorgt für die Technik, die in Paris lebende Designerin Anna Bacheva ist zusammen mit Yavachev für das künstlerische Konzept verantwortlich.
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Projiziert werden in jeweils 20-minütigen Durchläufen zunächst Bilder von Christo (1935–2020) und Jeanne-Claude (1935–2009) sowie ein vierminütiger Zeitraffer der Verhüllung vor 30 Jahren. Anschließend entsteht die Illusion des sich im Wind bewegenden Stoffes – wenn denn alles so klappt, wie geplant.

„Wie perfekt die Illusion wirklich sein wird, ist schwer vorauszusagen“, sagt Schwenkow. Das hänge unter anderem von der einbrechenden Dunkelheit ab. Zum anderen aber auch von der Bereitschaft der Bundestagsverwaltung, die Fensterfronten auf der Westfassade zu verhängen, denn vor Glasfenstern funktioniere die Projektion nur bedingt, so Lichtkünstler Boehlke. „Auf alles, was Fassade ist, kann ich ein Tuch projizieren – auf Glas nur bedingt.“
Um den Bundestagsbetrieb nicht zu stören und die Chancen zu erhöhen, dass die Fenster tatsächlich verhängt werden, wird die Reichstagsverhüllung 2.0 nicht wie vor 30 Jahren vom 24. Juni bis zum 7. Juli stattfinden, sondern an den parlamentsfreien Tagen nach Pfingsten.
Vom Erfolg der Aktion sind die Initiatoren fest überzeugt: „Umsonst und draußen geht in Berlin immer ganz besonders gut“, sagte der Kulturmanager. „Wir sind sehr dankbar, dass wir die Genehmigung bekommen haben.“
Reichstag in Berlin soll aussehen wie damals

Am 13. Juni wäre auch der 90. Geburtstag des Künstlerehepaares gewesen, beide waren am 13. Juni 1935 geboren worden.
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Das Künstlerehepaar Christo (1935-2020) und Jeanne-Claude (1935-2009) hatte nach viel Überzeugungsarbeit die Genehmigung bekommen, das Reichstagsgebäude 1995 zu verhüllen. Die Bilder vom „Wrapped Reichstag“ gingen um die Welt und sorgten für „unglaubliche Stimmung und Atmosphäre“, sagte Schwenkow, der auch damals am Projekt beteiligt war. Die Verhüllung zog damals Millionen von Besuchern an.
Die Jubiläums-Aktion kostet nach Angaben Schwenkows etwa eine halbe Million Euro: „Genauer werden wir es erst nach Abschluss der Aktion wissen.“. Die Kosten würden von der Lotto-Stiftung, der Stiftung von Christo und Jeanne-Claude, Specker und ihm selbst getragen. Der Geist, der hoffentlich entstehe, sei nicht nur für das Projekt, sondern für die Stadt wichtig, glaubt Schwenkow. „Einfach ein bisschen innehalten, durchatmen und die Relevanz von Kunst einatmen.“




