Der von den Fliegern am Flughafen BER ausgestoßene Ultrafeinstaub ist bis ins Stadtzentrum nachweisbar. Das zeigen die Ergebnisse einer jahrelangen Studie des Umweltbundesamtes, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. So stammt auch innerhalb des S-Bahnrings, also mindestens zwölf Kilometer Luftlinie vom Flughafen entfernt, an einigen Orten bis zu fünf Prozent des schädlichen Ultrafeinstaubs vom Airport.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Deutlich höher sind die Werte allerdings im Süden. Während der Messungen im Jahr 2021 war der Anteil des Ultrafeinstaubs vom Flughafen bei entsprechender Windrichtung noch bis zu einer Entfernung von etwa sieben Kilometern deutlich höher als der Anteil des Straßenverkehrs. Sieben Kilometer um den Flughafen befinden sich etwa Buckow, Rudow, Lichtenrade und Adlershof. In Brandenburg sind Flughafennahe Kommunen wie Blankenfelde-Mahlow, Schulzendorf und Eichwalde besonders betroffen.
EU schreibt mehr Messdaten zu Ultrafeinstaub vor
Mit Ultrafeinstaub sind die kleineren Schadstoffpartikel im Feinstaub gemeint. Sie sind kleiner als 100 Nanometer. Als Feinstaub werden hingegen alle Partikel mit einer Größe von bis zu 10.000 Nanometer bezeichnet. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser zwischen 50.000 und 70.000 Nanometer.
Ultrafeinstaub entsteht bei allen Verbrennungsprozessen. Weil die Partikel so klein sind, gelangen sie tief in die Lunge und können sich dort in den Lungenbläschen ablagern. Von dort aus gelangen sie in den Blutkreislauf und verteilen sich im Körper.
Auch interessant
Besonders hohe Konzentrationen von Ultrafeinstaub werden neben Flughäfen auch an viel befahrenen Straßen gemessen, allerdings ist der Feinstaub nicht derselbe. Kerosin für Flugzeuge hat einen höheren Schwefelanteil, es entstehen mehr ultrafeine Partikel. Auch deswegen fordern Nichtregierungsorganisationen, den Schwefelanteil im Kerosin zu senken. Grenzwerte für Ultrafeinstaub gibt es in der EU bislang nicht.

Allerdings hat die EU im vergangenen Jahr ein verpflichtendes Monitoring beschlossen. In den kommenden Jahren müssen Behörden somit weitere Werte ermitteln. „Das verpflichtende Monitoring ist die Grundlage, um wissenschaftlich basierte Grenzwerte abzuleiten“, betonte Marcel Langner, Abteilungsleiter des Bereichs Luft im Bundesumweltamt, am Mittwoch während der Vorstellung. Er betonte, dass auch das Projekt zum Flughafen BER noch nicht beendet sei.
Ultrafeinstaub: Erhöhte Werte in Schönefeld
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet eine Messung von 10.000 Ultrafeinstaub-Partikeln pro Kubikzentimeter als erhöhte Konzentration. Als der Flugverkehr vor Corona richtig brummte, stellten die Projektbeteiligten auf dem Flughafengelände in Tegel Werte bis zu 65.000 Partikel pro Kubikzentimeter fest.
Das deutlich geringere Flugaufkommen am BER zeigte sich 2022 auch in den Ultrafeinstaub-Werten. Die Studienautoren verzeichneten dort nur bis zu 25.000 Partikel pro Kubikzentimeter. Der Wert von 10.000 Partikeln wurde nur in unmittelbarer Flughafen-Nähe in Schönefeld überschritten. In Bohnsdorf, Lichtenrade, Adlershof und Blankenfelde-Mahlow waren es zwischen 4000 und 6000 Partikel. Damit ist die Ultrafeinstaub-Belastung dort wegen der Nähe zum Flughafen genauso hoch wie im Zentrum Berlins. Neben Flug- und Straßenverkehr tragen auch Heizungen und Kraftwerke zur Ultrafeinstaub-Belastung bei.
Die Frage, wie schädlich Ultrafeinstaub ist, war nicht Teil der Studie. Die Wissenschaftler fanden zwar heraus, dass etwa 80 Prozent des Ultrafeinstaubs vom Flughafen flüchtig sind, also aus sehr, sehr kleinen Partikeln von weniger als 30 Nanometern bestehen. Welche Gesundheitsgefahr von diesen Partikeln ausgeht, konnten sie bei der Vorstellung am Mittwoch aber nicht sagen.
Ultrafeinstaub: Studien verweisen auf Gesundheitsgefahren
Den gesundheitlichen Auswirkungen von Ultrafeinstaub an Flughäfen widmeten sich zuletzt unterschiedliche Studien. Eine Untersuchung der niederländischen Organisation CE Delft im Auftrag der Nichtregierungsorganisation Transport & Environment kam im vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass die Belastung mit ultrafeinen Partikeln an europäischen Flughäfen mit rund 280.000 Fällen von Bluthochdruck, ungefähr 330.000 Fällen von Diabetes und etwa 18.000 Fällen von Demenz in Verbindung stehen könnte. Besonders betroffen sind demnach Menschen, die in einem Umkreis von fünf Kilometern um einen Flughafen leben. Noch schädlicher ist die Ultrafeinstaub-Konzentration für das Bodenpersonal auf dem Flughafengelände.
Auch interessant
Schon vor einigen Jahren hatte eine Studie des Umweltbundesamtes am Flughafen Frankfurt am Main gezeigt, dass Turbinen-Abgase beim Betrieb am Boden die Hauptquellen für die Belastung der umliegenden Bevölkerung sind. Gemeint sind damit Rollbewegungen der Flugzeuge am Boden sowie Start- und Landevorgänge. Rund 90 Prozent der gemessenen, nichtflüchtigen ultrafeinen Partikel sind laut der Studie darauf zurückzuführen.
Auch interessant
Die Belastung von Kindern mit Ultrafeinstaub im Umfeld des Flughafens BER wird seit 2020 von Wissenschaftlern der Charité erforscht. Bis Dezember 2024 wurden in der sogenannten BEAR-Studie rund 1100 Kinder an insgesamt 16 Grundschulen und Horten untersucht. Die Publikation der Ergebnisse steht noch aus. Laut Studienleiterin Miriam Wiese-Posselt soll das im kommenden Jahr passieren.
Allerdings gibt es schon einige vorläufige Zwischenergebnisse. So heißt es in einem Projektupdate zum Ende des vergangenen Jahres, dass bei den bisherigen Gesundheitsuntersuchungen „die meisten Kinder eine altersgerechte Lungenfunktion und altersgerechte Blutdruckwerte“ aufwiesen. Bei den kognitiven Leistungen habe es allerdings Auffälligkeiten gegeben. „Erste Datenanalysen zeigen, dass die Reaktionszeit, die bei der Aufmerksamkeits- und Gedächtnistestung gemessen wird, bei Kindern, die gegenüber Flugverkehr exponiert waren, tendenziell verlangsamt war“, heißt es in dem Bericht.







