Die Bundesregierung ist der Solarbremser in Berlin. Auch in der Ampel-Zeit der vergangenen drei Jahre zeigt der Bund als wichtiger Immobilienbesitzer wenig Initiative, seine Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen auszustatten und so die Energiewende voranzubringen. Das legen Zahlen nahe, die Berlins Wirtschafts- und Energiesenatorin Franziska Giffey (SPD) am Dienstag präsentierte. Zuvor hatte die Landesregierung den Masterplan Solarcity 2035 beschlossen. Ziel ist, in zehn Jahren 25 Prozent des in Berlin erzeugten Stroms aus Solarenergie zu gewinnen. Insgesamt muss Berlin aber weiterhin den Großteil seines verbrauchten Stroms importieren.

Verglichen mit dem bekannten Potenzial auf den Dächern schneidet die Bundesregierung beim Aufbau eigener Anlagen sehr schlecht ab. Nur 2,5 Prozent der bekannten Möglichkeiten, Solarstrom zu gewinnen, werden vom Bund genutzt. Ganze 34 Anlagen mit einer Leistung von maximal 1,5 Megawatt (MWpeak) laufen auf den Dächern von Ministerien und Bundesbehörden. Zum Vergleich: Auf öffentlichen Gebäuden in Hand des Landes sind 937 Anlagen installiert. Sie können 48,3 MWp liefern. Das entspricht neun Prozent des ermittelten Potenzials. „Eine neue Bundesregierung muss sich an die eigene Nase fassen, was den Ausbau der eigenen Dächer betrifft“, kommentierte Giffey.

Solarboom: Balkonkraftwerke treiben die Zahl der installierten Anlagen nach oben

Auch Unternehmen und Genossenschaften hängen noch erheblich hinter den Möglichkeiten zurück. 2034 allerdings meist größere Anlagen mit einer Leistung von 119 MWp bedeuten eine Ausschöpfung des Potenzials von 3,9 Prozent. Sehr viel reger zeigen sich die privaten Hauseigentümer. 38.577 meist kleinerer Anlagen hatten sie bis März 2025 auf ihre Dächer gebaut und damit acht Prozent der möglichen Stromernte eingefahren.

Berlin
Immer öfter auch in der Innenstadt zu sehen: Solaranlagen auf Altbauten, so wie hier in der Fregestraße in Steglitz.© picture alliance / imageBROKER | Schoening Berlin

Der Solarausbau hat in den vergangenen Jahren in der Hauptstadt erheblich Fahrt aufgenommen. Giffey führte das auch auf das Förderprogramm SolarPlus zurück, aus dem bisher 23.000 Anlagen subventioniert worden seien. Der Trend ist eindeutig: 2019 wurden 802 PV-Anlagen neu installiert, die Gesamtzahl erreichte 7092. Die Leistung betrug zum Jahresende 112 MWp. Die Zahlen für das vergangene Jahr 2024 verdeutlichen den Berliner Solarboom. Es wurden 15.556 neue Anlagen in Betrieb genommen, inzwischen produzieren fast 42.000 Strom. Die installierte Leistung betrug am Jahresende 380 MwP.

Photovoltaik-Anlagen: „Solar zahlt sich aus“, sagt die Wirtschaftssenatorin

Der Anlagen-Zuwachs beruht auch auf den erst seit wenigen Jahren erhältlichen Balkon-Kraftwerken, von denen Berlin bisher 15.000 finanziell gefördert hat und bei den landeseigenen Wohnungsgesellschaften darauf drängt, den Mietern die Installation zu ermöglichen. Die Subvention pro Stück wurde wegen der sinkenden Preise von zunächst 500 auf 250 Euro pro Stück gesenkt. Giffey zeigte sich zuversichtlich, dass trotz des Spardrucks auch im kommenden Jahr wieder zehn Millionen Euro für die Solarförderung im Haushalt vorhanden sein würden.

Balkonkraftwerk am Balkon eines Mehrfamilienhauses
Ein Balkonkraftwerk an einem Berliner Wohnhaus: 15.000 solcher Anlagen hat Berlin bisher finanziell gefördert.© Bernd Weißbrod/dpa/dpa-tmn | Bernd Weißbrod

In den Vorjahren hatte die Zahl der neuen Solaranlagen regelmäßig deutlich zugenommen. 2021 waren 1911 Anlagen errichtet worden. 2022 waren es dann schon 3784, im Jahr darauf gab es einen riesigen Sprung auf 11.035. Seither geht es ungebrochen weiter nach oben. „Solar zahlt sich aus“, sagte die Senatorin. Auf lange Sicht ließen sich damit Energiekosten sparen, das hätten viele Immobilienbesitzer erkannt. Die Investitionen in Sonnenenergie rentierten sich auch für die öffentliche Hand.

Solaranlagen liefern inzwischen fast fünf Prozent des in Berlin erzeugten Stroms

Die bisher in Berlin laufenden Solaranlagen liefern 4,7 Prozent des in Berlin erzeugten Stroms. Damit kann man rechnerisch 131.000 Haushalte versorgen. Berlin übertreffe so die Zwischenziele des früheren Masterplans 2020 bis 2024. Für das vergangene Jahr habe man eigentlich 3,5 Prozent erreichen wollen. Giffey zeigte sich optimistisch, durch den weiteren Zubau das 25-Prozent-Ziel zu erreichen. Um das zu schaffen, wolle man über das Solarfördernetzwerk aus 27 Institutionen vor allem Wirtschaftsbetriebe ansprechen, große Dächer auf Lager- und Produktionshallen mit Solarmodulen zu bestücken. Als Vorbild könne Berlins größte Solaranlage auf den Messehallen dienen.

Die regionale Verteilung der Anlagen im Stadtgebiet zeigt ein differenziertes Bild: „Im Osten geht die Sonne auf“, sagte Giffey. Damit spielt sie auf die hohen Zahlen an, die in den östlichen Bezirken Pankow, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick erreicht wurden. In diesen Bezirken sind im vergangenen Jahr jeweils mehr als 2000 neue Anlagen ans Netz gegangen, der Bestand liegt bei knapp oder deutlich über 6000. Offenbar hätten viele Einfamilienhausbesitzer dort auf Solarenergie gesetzt. Zudem seien in diesen Bezirken viele Neubauten entstanden, bei denen es inzwischen Standard sei, Solarenergie zu nutzen. In den vom Einfamilienhausbestand her vergleichbaren Außenbezirken Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf sind die Eigentümer nicht ganz so aktiv wie im Osten. Das könnte laut Giffey an „Beharrungskräften“ liegen oder daran, dass dort weniger Häuser neu entstehen als in den Ost-Bezirken.

Die Grünen lobten zwar das gestiegene Tempo des Solarausbaus, kritisierten jedoch, dass der Senat es trotz klarer gesetzlicher Vorgaben versäumt habe, bis 2024 alle geeigneten Dächer öffentlicher Gebäude mit Solarmodulen auszustatten. Giffey wies den Vorwurf zurück. Es sei auch schon in Zeiten des rot-grün-roten Vorgängersenats unter ihrer Führung klar gewesen, dass dieses Ziel nicht zu schaffen sei.