Die bisherige Kulturstaatssekretärin Sarah Wedl-Wilson wird Berlins neue Senatorin für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie wird damit die Nachfolgerin von Joe Chialo (CDU), der erst am Freitag als Kultursenator zurückgetreten war. Das teilte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) im Roten Rathaus mit.

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Wedl-Wilson hat anders als ihr Vorgänger kein CDU-Parteibuch. Die 1969 in Großbritannien geborene langjährige Kulturmanagerin hat aber nicht nur Erfahrung in der Kulturverwaltung. Sie gilt auch als langjährige Kennerin der Berliner Kulturszene. Vor ihrem Wechsel in die Kulturverwaltung nach dem Start des schwarz-roten Senats Ende April 2023 war sie unter anderem mehrere Jahre Rektorin der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler. Nun soll sie am 22. Mai in der nächsten regulären Sitzung des Abgeordnetenhaus vereidigt werden. Bis dahin soll auch geklärt sein, wer ihr auf dem Staatssekretärinnen-Posten nachfolgt.

Wegner lobte seine designierte neue Senatorin, die er in den letzten zwei Jahren und zuletzt beim gemeinsamen Kulturdialog mit den Intendanten „intensiv kennengelernt“ habe. „Sie genießt hohes Vertrauen bei den Kulturschaffenden“, sagte Wegner. Sie kenne die Herausforderungen, sei im Gespräch mit der Kulturszene: „Genau das braucht es jetzt. Wir stehen vor großen Herausforderungen“, so der Regierende Bürgermeister. Im Berliner CDU-Präsidium habe er „breiteste Unterstützung“ für seinen Vorschlag bekommen. „Wir wollen, bei allen Problemen, die der Haushalt mit sich bringt, die hohe Qualität der Berliner Kultur erhalten“, sagte Wegner.

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Sarah Wedl-Wilson: „Es steckt noch vieles in dieser Kultur“

Wedl-Wilson sagte, es sei „eine große Ehre“ und bedankte sich für das Vertrauen. Sie sei in die Stadt gekommen, um Teil dieser Kulturmetropole zu sein. Sie kündigte an, transparent und offen zu kommunizieren. Die Haushaltslage „ist, wie sie ist“, stellte Wedl-Wilson fest. Aber es gebe „Lösungen, die Kultur zu erhalten. Es steckt noch vieles in dieser Kultur. Sie wolle intensiv mit den Intendanten sprechen, wo es Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen den Häusern gibt. Sie wolle auch „gucken, wo noch Einnahmen zu holen sind“. Sie leugnete aber die Probleme nicht. „Wir wissen, die freie Szene ist Haut und Knochen“, sagte Wedl-Wilson.

Dass es ein Hinderungsgrund für ihre Berufung sein könne, dass sie keine deutsche Staatsbürgerin ist, verneinte Wegner. Sie sei schon heute Beamtin auf Lebenszeit, sagte der Regierende Bürgermeister: „Sie erfüllt beamtenrechtlich alle Voraussetzungen, ein Senatorenamt auszufüllen.“ Die Berliner AfD-Fraktion kündigte jedoch an, diese Frage juristisch überprüfen zu lassen.

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Wedl-Wilson hat die britische und die österreichische Staatsangehörigkeit

Sie selber sagte, sie habe nach dem Brexit neben ihrer britischen die österreichische Staatsangehörigkeit angenommen, weil sie nach ihrem Umzug aus Österreich nach Berlin noch nicht lange genug in Deutschland gewesen sei, um eingebürgert zu werden. Schon als sie Rektorin der Hochschule für Musik Hanns Eisler gewesen war, habe man ihr gesagt, sie brauche eine europäische Staatsbürgerschaft.

Nach den harten Sparauflagen gefragt, die manche Beobachter für nicht zu erbringen halten, erklärte Wegner das Ziel des Kulturdialogs mit den Spitzen der großen Kulturinstitutionen. „Wir wollen endlich eine langfristige Perspektive für die Kulturinstitutionen“, so der Regierende. Daneben gebe es einen Prozess, bei dem es um die kurzfristigen Möglichkeiten für Einsparungen gehe. Da lägen viele Vorschläge auf dem Tisch.

Wegner deutet bei den Sparauflagen ein mögliches Entgegenkommen an

Wegner deutete am Montag aber auch eine gewisse Offenheit dafür an, die Kürzungsvorgaben womöglich doch noch zu lockern oder zeitlich zu strecken. Viele der gemachten Vorschläge „werden nicht sofort wirken“, sagte Wegner: „Wir müssen gucken, wie wir nochmal einen Übergangszeitraum schaffen. Das wird eine Diskussion sein, die wir im Senat und in der gesamten Koalition führen müssen.“ Es gehe darum, den Häuser Zeit zu geben, bis deren Vorschläge wirken. Dafür setze er auf die Unterstützung der Koalitionsparteien und des Senats.

Der Koalitionspartner ist mit der Personalauswahl zufrieden. „Gerade bei einem Leitungswechsel ist Staatswissen und Erfahrung im Umgang mit Verwaltungsabläufen essentiell.“, sagte Melanie Kühnemann-Grunow, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Sie schätze Wedl-Wilsons Expertise in kulturfachlichen Fragen und begrüße die Entscheidung. „Jetzt gilt es, gemeinsam für die Berliner Kultur zu kämpfen.“