Tödlicher Leichtsinn, lebensgefährliche Mutprobe oder auch auf der Suche nach dem ultimativen Foto für mehr Klicks auf dem persönlichen Instagram-Kanal: Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen, weil junge Menschen auf die Dächer von S-Bahnen klettern. Am frühen Sonntagmorgen sind zwei sogenannte S-Bahn-Surfer in Wannsee (Steglitz-Zehlendorf) tödlich verletzt worden. Das bestätigte ein Feuerwehrsprecher der Berliner Morgenpost. Demnach seien zwei junge Menschen auf dem Dach einer fahrenden S-Bahn gewesen.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Nach den ersten Ermittlungen der Polizei befanden sich der 17- und der 18-Jährige gegen 5.20 Uhr auf dem Dach eines S-Bahn-Zuges der Linie S1 in Richtung Wannsee. Etwa 300 Meter hinter dem S-Bahnhof Schlachtensee kollidierten sie mit einer Signalbrücke und erlitten dabei tödliche Verletzungen.

Wie ein Feuerwehrsprecher sagte, wurden die Einsatzkräfte um 5.24 Uhr zum S-Bahnhof Wannsee alarmiert. „Wir wurden dort von der Polizei in Empfang genommen und zu der Unglücksstelle geführt“, sagte der Feuerwehrsprecher. „Bei einer der beiden männlichen Personen konnte der Notarzt nur noch den Tod feststellen, bei der zweiten Person waren die Reanimationsmaßnahmen leider erfolglos. Sie ist ebenfalls vor Ort verstorben.“ Das Unglück muss sich offenbar auf dem Dach einer S-Bahn ereignet haben, die in südliche Richtung zu dem S-Bahn-Werk Wannsee unterwegs war.

Aufgrund der Bergungs- und Ermittlungsarbeiten kam es zu umfangreichen Verkehrsbeeinträchtigungen. Der S-Bahnverkehr war in beide Richtungen über mehrere Stunden vollständig gesperrt. Auch der öffentliche Busverkehr und der Individualverkehr waren durch Straßensperrungen rund um die B 1 betroffen. Die weiteren Ermittlungen hat die Kriminalpolizei der Polizeidirektion 4 (Süd) übernommen.

Betreten der Gleisanlagen ohne Schwierigkeiten möglich

„Wir haben erst heute Morgen in den Nachrichten gehört, was vor unserem Fenster passiert ist. Das ist aber nicht das erste Mal, dass sich hier Jugendliche in der Nähe der Schienen rumtreiben“, sagte eine Anwohnerin, die in der Nähe des S-Bahn-Werks Wannsee wohnt. „Vom Wald aus ist es kein Problem auf die Gleise zu kommen.“ Am Stahnsdorfer Damm etwa, nur wenige Meter vom S-Bahn-Werk Wannsee entfernt, ist ein grüner Maschendrahtzaun bis auf den Boden heruntergetreten. An dieser Stelle ist es ein Leichtes, die Gleise zu betreten und zu den stehenden Zügen zu gelangen. Auch vom Wald aus sei das überhaupt kein Problem, berichtet ein Anwohner.

Immer wieder kommt es in Berlin zu tödlichen Unfällen dieser Art. Überwiegend sind es junge Menschen, die lebensgefährlich verletzt werden oder ums Leben kommen. Der jüngste Fall ereignete sich ebenfalls auf der Linie S1 im Februar dieses Jahres. Ein zwölfjähriger Junge war mit zwei Begleitern auf einer S-Bahn „gesurft“, als er zwischen den Bahnhöfen Feuerbachstraße und Wannsee gegen eine Brücke prallte und bewusstlos auf dem Waggon liegenblieb, wie die Bundespolizei nach dem Unglück mitteilte. Am Bahnhof Rathaus Steglitz zogen die Begleiter den verletzten Jungen vom Dach und ließen ihn auf dem Bahnsteig zurück, was nach Polizeiangaben von Zeugen gefilmt wurde. 

Vater von verstorbenen S-Bahn-Surfer gründet Literaturstiftung

Im März 2014 ließ sich der damals 19 Jahre alte Berliner Valerian Arsène Verny von einem Freund überreden, auf das Dach eines Zuges der S-Bahn-Linie 1 zu springen. Das vermeintliche Abenteuer endete tödlich. Valerian starb in der Nähe des Tunnels am Bahnhof Julius-Leber-Brücke in Schöneberg. Der Vater des Verstorbenen, Arsène Verny, sagte Jahre später in einem Interview mit dieser Zeitung: „Mit Heldentum haben solche Aktionen nichts zu tun. Sein Leben für einen solchen vermeintlichen und schnelllebigen Ruhm im Internet zu gefährden – das ist es nicht wert.“ Sein verstorbener Sohn war Literaturstudent und wollte Schriftsteller werden. In Gedenken an seinen Sohn gründete er eine Literaturstiftung.

Im Mai 2023 wiederum war ein 19-Jähriger tot auf einer S-Bahn in Zehlendorf gefunden worden. Er wies schwere Kopfverletzungen auf. Vermutlich war er laut Polizei während der Fahrt von Hindernissen auf Kopfhöhe getroffen worden. Passanten waren gegen 6 Uhr auf eine leblose Person auf einer S-Bahn im Bahnhof Rathaus Steglitz aufmerksam geworden. Die Bahn wurde dann am S-Bahnhof Mexikoplatz gestoppt und überprüft.

Lebensgefährlicher Leichtsinn: Bundespolizei spricht deutliche Warnung aus

Die Bundespolizei warnt in diesem Zusammenhang vor den Gefahren, die beim Aufenthalt auf Zügen, im Gleisbereich oder durch den Bahnbetrieb entstehen könnten. Immer wieder kommt es zu Unfällen, bei denen die Betroffenen zum Teil schwere bis tödliche Verletzungen erleiden. Eltern werden gebeten, frühzeitig mit ihren Kindern über riskantes Verhalten im Bahnverkehr und mögliche strafrechtliche und gesundheitliche Folgen zu sprechen.