S-Bahn-Unglück

Vater von totem S-Bahn-Surfer: "Internet-Ruhm nichts wert"

Arsène Verny verlor seinen Sohn bei einem S-Bahn-Unfall. In Gedenken an seinen Sohn gründete er eine Literaturstiftung.

Im Namen seines Sohnes Valerian Arsène Verny gründete der Vater des S-Bahn-Opfers eine Literaturstiftung für Kinder und Jugendliche

Im Namen seines Sohnes Valerian Arsène Verny gründete der Vater des S-Bahn-Opfers eine Literaturstiftung für Kinder und Jugendliche

Foto: Arsène Verny

Berlin. Valerian Arsène Verny war ein begabter Student der Literaturwissenschaften und wollte Schriftsteller werden. Im März 2014 ließ sich der damals 19 Jahre alte Berliner von einem Freund überreden, auf das Dach eines Zuges der S-Bahn-Linie 1 zu springen. Das vermeintliche Abenteuer endete tödlich. Valerian starb in der Nähe des Tunnels am Bahnhof Julius-Leber-Brücke. Sein Vater, Arsène Verny, hat zum Gedenken an seinen Sohn eine Literaturstiftung für Kinder und Jugendliche gegründet.

Herr Verny, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie Videos von Bahn-Surfing sehen?

Auf der einen Seite denke ich sofort an die Zeit, in der mein Sohn gestorben ist. Auf der anderen Seite glaube ich, dass die Jugendlichen auf diesen überschwänglichen Aufnahmen den Tod gar nicht richtig erkennen. Sie könnten sterben oder ihr ganzes Leben gelähmt sein. Mit Heldentum haben solche Aktionen nichts zu tun. Sein Leben für einen solchen vermeintlichen und schnelllebigen Ruhm im Internet zu gefährden – das ist es nicht wert.

Auch Ihr Sohn ist in Berlin auf eine S-Bahn gestiegen. Warum gefährden sich junge Menschen so?

Bei Valerian war es anders als bei diesen Videos. Er hat es ein einziges Mal gemacht, weil ein Freund ihn motiviert hat. Leider hat er sich darauf eingelassen. Diese Aktionen, mit Champagner auf einem Zug zu posieren, das hätte er nicht gemacht.

Warum haben Sie nach dem Tod Ihres Sohnes die Stiftung gegründet?

Sie war für mich die einzige Möglichkeit, seinen Tod zu überleben. Valerian war ein sehr besonderer Mensch, und es ist für uns ein unfassbares Unglück, dass er gestorben ist. Er sollte auf irgendeine Weise bei uns bleiben. Die Stiftung gibt mir die Möglichkeit, seinen Namen auszusprechen, ohne dass alle auf den Boden schauen.

Was würden Sie Bahn-Surfern gern sagen?

Ich würde versuchen, ihnen zu schildern, was so ein Unglück bedeutet. Ich würde ihnen vorschlagen, auch an die zu denken, die bleiben, wenn sie nicht mehr da wären. Ich würde versuchen, sie zum Nachdenken anzuregen, ob sie sich selbst oder wem auch immer nicht auf andere Weise etwas beweisen können.

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