Die russische Botschaft in Deutschland pocht auf die Teilnahme an den Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag des Kriegsendes und kritisiert eine anderslautende Empfehlung des Auswärtigen Amtes. „Der 80. Jahrestag des Sieges über den Nazismus ist ein heiliger Tag für alle Völker der ehemaligen Sowjetunion“, heißt es in einer Erklärung der Botschaft.

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Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten – zu der auch die KZ-Gedenkstätten Sachsenhausen und Ravensbrück gehören – hat bereits klargemacht, russische Vertreter bei den Gedenkveranstaltungen nicht zu akzeptieren. „Wir haben die russische Botschaft seit dem Überfall auf die Ukraine von allen Jahrestagen ausgeladen“, sagte der Direktor der Stiftung, Axel Drecoll, der „B.Z.“, „wenn der Botschafter trotzdem kommt, werden wir unser Hausrecht durchsetzen – in enger Abstimmung mit Sicherheitskräften.“ Demnach könnten russische Vertreter außerhalb der Gedenkveranstaltungen ein stilles Gedenken abhalten.
Zum Jahrestag der Befreiung des KZ Sachsenhausen am 4. Mai wird es in der dortigen Gedenkstätte eine Gedenkfeier geben. Auch in Ravensbrück wird es an diesem Tag ein Gedenken geben. An beiden Veranstaltungen werden unter anderem Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) teilnehmen.
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Bundestag lädt Vertreter Russlands und Belarus‘ aus – Bezirk Treptow-Köpenick nicht
Auch der Bundestag will Vertreter Russlands und Belarus‘ bei der offiziellen Gedenkfeier am 8. Mai nicht dabeihaben. Parlamentspräsidentin Julia Klöckner (CDU) habe zwar das Diplomatische Corps, dem alle Botschafter in Berlin angehören, zur Teilnahme auf der Tribüne des Bundestags eingeladen, hieß es von der Bundestagspressestelle. Gemäß der Empfehlung des Auswärtigen Amtes wurden jedoch die Vertreter Russlands und Belarus‘ ausgeladen. Am Bundestagsgedenken werden neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch der voraussichtlich neue Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), sowie Bundesratspräsidentin Anke Rehlinger (SPD) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, teilnehmen.
Anders reagiert dagegen der Berliner Bezirk Treptow-Köpenick: Gegenüber der „Berliner Zeitung“ verwies eine Sprecherin auf die „historische Rolle“ der Sowjetunion bei der Befreiung Deutschlands und Europas vom Nationalsozialismus. Demnach „würde das Bezirksamt Treptow-Köpenick es für nicht angemessen halten, Vertreter der Botschaften Russlands oder Belarus‘ – selbst wenn sie nicht eingeladen wurden und unangekündigt erscheinen sollten – unter Anwendung des Hausrechts des Platzes zu verweisen.“ Im Treptower Park befindet sich das größte sowjetische Ehrenmal in Deutschland, wo jedes Jahr am 8. und 9. Mai offizielle Delegationen aber auch individuelle Besucher der Kriegstoten gedenken.
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Auswärtiges Amt warnt vor Instrumentalisierung des Kriegsgedenkens durch Russland
In einer Handreichung hatte das Auswärtige Amt davon abgeraten, die Teilnahme von russischen und belarusischen Vertretern bei Gedenkveranstaltungen zum Ende des Zweiten Weltkriegs zuzulassen. Damit will das Ministerium verhindern, dass Russland diese Veranstaltungen „instrumentalisieren und mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine missbräuchlich in Verbindung bringen“ könnte.
Die russische Botschaft nannte die Empfehlung „äußerst bedauerlich“. „Wir haben im Zweiten Weltkrieg 27 Millionen Menschen verloren, die meisten davon waren Zivilisten. Dieser Krieg gegen die Sowjetunion war ein Vernichtungskrieg, dem Völkermord gleich“, hieß es von der Botschaft. Unterschlagen wird dabei allerdings, dass die 27 Millionen Opfer nicht alle ethnischen Russen waren, sondern auch anderen Völkern der damaligen Sowjetunion angehörten. So waren allein fast ein Viertel der Mitglieder der Roten Armee ethnische Ukrainer.
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Russlands Botschafter kam uneingeladen zum Gedenken an den Seelower Höhen
Die Botschaft machte klar: Wir brauchen „keine besondere Einladung, um an öffentlich zugänglichen Orten das Andenken an die sowjetischen Befreier und die Opfer des Nazismus zu ehren und den Tag des Sieges feierlich zu begehen.“ Allerdings missbraucht Russland das Andenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs auch immer wieder politisch und verknüpft den Kampf gegen Nazi-Deutschland etwa mit dem heutigen Krieg gegen die Ukraine.
In der vergangenen Woche hatte Russlands Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, bereits an einem stillen Gedenken an die Schlacht auf den Seelower Höhen vor 80 Jahren teilgenommen. Er war nicht vom Landkreis Märkisch-Oderland und der Stadt Seelow eingeladen worden, wurde aber von deren Vertretern freundlich begrüßt. Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev kritisierte dagegen die Teilnahme scharf – vor allem das Tragen des Sankt-Georgs-Bands, eines russischen Militärabzeichens, das zunehmend auch als Unterstützungssymbol für den Kurs des russischen Machthabers Wladimir Putin genutzt wird. Deswegen ist das Symbol in der Ukraine verboten, andere Staaten der früheren Sowjetunion schränken die Verwendung ein.
jst/dpa








