Es ist ein Phänomen, dem Berliner Naturschützer mit einer groß angelegten Langzeitstudie auf den Grund gehen wollen: Warum suchen sich Stockentenmütter Balkone für den Nestbau aus? Selbst vor dem 16. Stock eines Spandauer Hochhauses als Nistplatz schrecken die Vögel nicht zurück. Ungeeignetere Brutplätze sind eigentlich kaum vorstellbar, zumal die geschlüpften Küken ohne menschliche Hilfe der Entenmutter nicht ins nächstgelegene Gewässer folgen können.

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Bereits seit 20 Jahren gibt es deshalb das Berliner „Ententaxi“, betrieben von der Wildvogelstation des Nabu. Jährlich werden nach Angaben des Nabu mehr als 100 Stockentenfamilien von Balkonen, Dachterrassen oder Innenhöfen geborgen und an ihre Heimatgewässer transportiert. Allein 2024 rückte das NABU-Team dazu 153-mal aus.
Entenmütter in Berlin: Sprung auf den Asphalt würde tödlich enden
Bevorzugt in Pflanzkübeln, Balkonkästen oder Hochbeeten richten sich die Stockentenmütter ihre Nester ein. Bis der Nachwuchs schlüpft, sei das auch kein Problem“, berichtet Marc Engler, Leiter der Wildvogelstation des Nabu-Landesverbands Berlin. Doch während die Küken in der Natur nach etwa 24 Stunden selbstständig der Mutter zum Gewässer folgten, sei die Situation auf Dächern und Balkonen lebensgefährlich: „Die Stockenten sitzen in einer biologischen Falle und würden ohne menschliche Hilfe auf dem Balkon verenden oder den Sprung auf den Asphalt nicht überleben“, so der Naturschützer.

In der ersten europäischen Langzeitstudie dieser Art im Journal of Urban Ecology hat die NABU-Wildvogelstation nun untersucht, warum die Enten trotz der damit verbundenen Gefahren auf Balkonen zu brüten. „Das Phänomen ist sowohl aus deutschen als auch nordamerikanischen Großstädten bekannt“, sagt Engler.
Entenmütter bewahren ihr Geheimnis
„Wir hatten erwartet, dass Brutplätze in der Nähe von Gewässern und mit wenig menschlichen Störungen für Stockenten attraktiver sind”, so Engler weiter. Doch die Stockenten steuerten bestimmte Balkone immer wieder an, um dort ihre Küken aufzuziehen. Dabei nehmen sie offenbar billigend in Kauf, dass sie schließlich eingefangen und mit dem „Ententaxi“ zum nächstgelegenen Ufer gefahren werden.
Doch die Entenmütter haben das Geheimnis um ihre Nistplatzwahl bisher nur bedingt preisgegeben. Welche Faktoren zum Brutplatz auf dem Balkon führe, lasse sich aus den gesammelten Daten leider nur bedingt ableiten. „Wir vermuten aber, dass die Bedingungen auf dem Balkon selbst für die Rückkehr der Stockente wichtiger sind als die Umgebung. Ist der Balkon begrünt und bietet er der Ente Schutz? Füttern die Besitzer oder bieten Wasser an?”, nennt Engler mögliche Gründe. Auch der individuelle Charakter der Ente spielt eine Rolle: Manche Enten seien deutlich standorttreuer als andere.




